Und wie­der trifft es das Herz von Paris

Am Frei­tag­mor­gen greift ein Mann mit ei­ner Ma­che­te Sol­da­ten vor dem Lou­vre an und wird über­wäl­tigt. Die Re­gie­rung spricht von Ter­ror.

Saarbruecker Zeitung - - THEMEN DES TAGES - VON SE­BAS­TI­AN KUNIGKEIT UND NADINE BENEDIX

PARIS (dpa) Plötz­lich fal­len Schüs­se am Ein­gang der un­ter­ir­di­schen Ein­kaufs­pas­sa­ge, durch die je­den Tag Tou­ris­ten­strö­me zum Pa­ri­ser Lou­vre zie­hen. „Ich ha­be wirk­lich Angst ge­habt“, er­zählt ein jun­ger Mann dem Sen­der BFMTV. Men­schen sei­en weg­ge­rannt und da­bei ge­stürzt. Es bleibt bei ei­nem Au­gen­blick des Schre­ckens: Die Ku­geln kom­men aus dem Ge­wehr ei­nes Sol­da­ten, sie stop­pen ei­nen mit ei­ner Ma­che­te be­waff­ne­ten An­grei­fer.

Die ver­ei­tel­te Atta­cke wäh­rend des lau­fen­den Prä­si­dent­schafts­wahl­kampfs weckt in Frank­reich so­fort die Er­in­ne­rung an die Ter­ror­se­rie der ver­gan­ge­nen Jah­re. Und sie trifft eins der be­kann­tes­ten Wahr­zei­chen der Haupt­stadt, de­ren Tou­ris­mus­bran­che nach ei­nem schwie­ri­gen Jahr 2016 ge­ra­de erst wie­der neue Hoff­nung ge­schöpft hat­te. Noch sind Iden­ti­tät und Mo­tiv des Man­nes un­klar, der sich nach ers­ten Er­kennt­nis­sen an ei­nem Ein­gang der Pas­sa­ge auf die Mi­li­tär­pa­trouil­le stürz­te und da­bei Dro­hun­gen aus­stieß. Doch der Ruf „Al­la­hu ak­bar“(Gott ist groß), den Is­la­mis­ten häu­fi­ger bei ih­ren Atta­cken nut­zen, und der sym­bol­träch­ti­ge Ort ne­ben dem welt­be­rühm­ten Mu­se­um las­sen so­fort an ei­nen An­schlag den­ken. Schnell über­neh­men An­ti-Ter­ror-Spe­zia­lis­ten der Pa­ri­ser Staats­an­walt­schaft den Fall.

Hun­der­te Be­su­cher des Mu­se­ums wer­den zu­nächst vor­sichts­hal­ber an Ort und Stel­le fest­ge­setzt und dann nach und nach aus dem Ge­bäu­de ge­führt. Rund um das his­to­ri­sche Pa­lais öff­nen zwei St­un­den nach den Schüs­sen schon wie­der die Ge­schäf­te und Ga­le­ri­en. Die Stim­mung sei schon an­ge­spannt, fin­det die Stu­den­tin Cas­san­dra Nic­co­lo. „Aber die Po­li­zei scheint die Si­tua­ti­on gut im Griff zu ha­ben.“„Das ist ein er­neu­ter Schock für Paris“, sagt der Bel­gi­er Max Fie­rens, der mit sei­ner Freun­din ge­ra­de erst in Paris an­ge­kom­men ist. „Wir wol­len trotz­dem ver­su­chen, spä­ter den Lou­vre zu be­sich­ti­gen.“

Viel Lob gibt es für die Re­ak­ti­on der Män­ner in Tarn­uni­form, die in der Ein­kaufs­pas­sa­ge „Car­rou­sel du Lou­vre“un­ter­wegs wa­ren. Sie ver­such­ten zu­nächst, den An­grei­fer im Nah­kampf zu stop­pen – als das nicht klapp­te, feu­er­te ein Mi­li­tär fünf Schüs­se ab und ver­letz­te ihn schwer. Die Sol­da­ten sind Teil der An­ti-Ter­ror-Mis­si­on „Sen­ti­nel­le“: stän­di­ge Mi­li­tär­pa­trouil­len, die an Tou­ris­ten-At­trak­tio­nen wie dem Lou­vre längst zum All­tag ge­hört. Der Ein­satz ist nicht un­um­strit­ten, nach der Pa­ri­ser Ter­ror­nacht vom 13. No­vem­ber 2015 gab es et­wa De­bat­ten, weil Sol­da­ten in der Nä­he des Mu­sik­clubs „Bat­a­clan“nicht ge­gen die Gei­sel­neh­mer ein­ge­setzt wur­den.

Nach der ver­hee­ren­den Ter­ror­se­rie von An­fang 2015 bis Mit­te 2016 war das Land in den ver­gan­ge­nen Mo­na­ten von neu­en An­schlä­gen ver­schont ge­blie­ben. Soll­te sich nun ein ter­ro­ris­ti­sches Mo­tiv be­stä­ti­gen, könn­te das The­ma im Wahl­kampf wie­der stär­ker in den Mit­tel­punkt rü­cken. Die Rechts­po­pu­lis­tin Ma­ri­ne Le Pen for­der­te je­den­falls prompt „ra­di­ka­le Maß­nah­men ge­gen die­se Gei­ßel“. Vor al­lem aus­län­di­sche Be­su­cher hat­ten die Haupt­stadt nach den Ter­ror­an­schlä­gen ge­mie­den, 2016 sank die Zahl der Ho­tel­be­su­cher um et­wa sechs Pro­zent. Ge­ra­de erst hat­te das Tou­ris­mus­bü­ro von po­si­ti­ven Zei­chen be­rich­tet. „Wir kön­nen die Ent­wick­lun­gen heu­te noch nicht ab­schät­zen“, sag­te ei­ne Spre­che­rin am Frei­tag.

FO­TO: JOCARD/AFP

Po­li­zei und Mi­li­tär wa­ren nach der Atta­cke am Lou­vre ver­stärkt un­ter­wegs. Für St­un­den war das Ge­län­de in der Pa­ri­ser Ci­ty ab­ge­rie­gelt.

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