„Er wirkt so of­fen und ehr­lich“

SPD-Hoff­nungs­trä­ger Mar­tin Schulz auf Wahl­kampf-Tour im Saar­land: In Saarlouis flie­gen ihm die Her­zen vie­ler Men­schen zu.

Saarbruecker Zeitung - - THEMEN DES TAGES - VON IRIS NEU-MICHALIK

SAAR­BRÜ­CKEN Erst vor we­ni­gen Ta­gen zum Kan­di­da­ten ge­kürt, tourt SPD-Hoff­nungs­trä­ger Mar­tin Schulz be­reits atem­los durch die Re­pu­blik. In Wan­ne-Ei­ckel tru­gen ihn die wahl­kampf­trut­zi­gen NRWGe­nos­sen die­se Wo­che auf ei­ner Wel­le der Glück­se­lig­keit durch den Mond­pa­last, ges­tern nun schlug die neue Licht­ge­stalt der SPD im Saar­land auf, um den Wahl­kampf der Lan­des-Spit­zen­kan­di­da­tin An­ke Rehlin­ger und dem Saar­loui­ser Ober­bür­ger­meis­ter-Kan­di­da­ten Pe­ter Dem­mer mit neu­er Strahl­kraft auf­zu­fri­sie­ren.

Zu­nächst aber er­war­te­ten ihn im Kon­gress­zen­trum der Völk­lin­ger SHG-Kli­nik auf Ein­la­dung der Di­enst­leis­tungs­ge­werk­schaft Ver­di rund 150 je­ner Men­schen, von de­nen Schulz sagt, er ken­ne ih­re Sor­gen und Nö­te ganz ge­nau – und de­nen er mehr Lohn­ge­rech­tig­keit ver­spricht. Von mehr Lohn ist hier al­ler­dings zu­nächst nicht die Re­de. Wo der Schuh am hef­tigs­ten drückt, steht in­des auf zahl­rei­chen Trans­pa­ren­ten: „Wir kämp­fen ge­gen Ab­bau“, „Mehr von uns ist mehr für al­le“oder „Per­so­nal­man­gel ge­fähr­det die Ge­sund­heit“. Al­lein, der Hoff­nungs­trä­ger soll sie gar nicht zu Ge­sicht be­kom­men. Just als die Ver­an­stal­tung star­ten soll, teilt Ver­di mit: Mar­tin Schulz er­scheint gar nicht. Aus Ter­min­grün­den. Lei­der, lei­der. Pan­nen pas­sie­ren, es zeigt sich ein­mal mehr: Heils­brin­ger sind eben (manch­mal) auch nur Men­schen. Und noch be­vor die An­we­sen­den an ei­nen schlech­ten Scherz glau­ben kön­nen, steht „als Er­satz“SPD-Ge­sund­heits­ex­per­te Karl Lau­ter­bach vor ih­nen. Von Schulz be­auf­tragt, den Pfle­ge­kräf­ten Mut zu ma­chen. „Der Mar­tin und ich sind seit lan­gen Jah­ren en­ge Freun­de.“Ge­wiss, das nimmt man Lau­ter­bach ab. Bei­de wissen frei­lich, dass es ei­ne im­men­se „Ar­beits­ver­dich­tung“gibt. Die Lö­sung lie­ge da­her in ei­ner Re­gu­lie­rung der Fall­pau­scha­len nach skan­di­na­vi­schem Mus­ter, wo der Pfle­ge­auf­wand ex­tra ver­gü­tet wer­de. Mit der Uni­on al­ler­dings sei ei­ne sol­che Re­form nicht mach­bar. „Die wol­len das ein­fach nicht“, er­klärt der Ex­per­te, be­vor ihm am En­de das Mi­kro­fon mit lau­tem Knall den Di­enst ver­sagt. Die SPD wer­de ei­ne Än­de­rung wohl auch in ihr Wahl­pro­gramm schrei­ben. Das sei die Bot­schaft von Mar­tin Schulz, ruft Lau­ter­bach in den Saal hin­ein, der schwarz-rot be­stuhlt ist. Ob das ein Omen ist?

So man­cher in Völk­lin­gen ist ent­täuscht, Schulz nicht zu er­le­ben: „Ich set­ze gro­ße Hoff­nung in ihn“, sagt ein Pfle­ger. „Er wirkt of­fen und ehr­lich, viel­leicht wird die SPD mit ihm die So­zi­al­de­mo­kra­tie wie­der in den Griff be­kom­men.“Ei­ne Sta­ti­ons­lei­te­rin zwei­felt ein we­nig: „Schulz hat kla­re Kan­te ge­zeigt, aber ich weiß nicht, ob er es ge­stemmt kriegt.“

Am Nach­mit­tag taucht der sehn­lich Er­war­te­te dann end­lich auf: am SPD-Stand auf dem Gro­ßen Markt in Saarlouis. Beim Pro­me­nie­ren durch die Fran­zö­si­sche Stra­ße geht Schulz un­ter in ei­nem rie­si­gen Pulk von Fo­to­gra­fen, Jour­na­lis­ten, Ge­nos­sen und Schau­lus­ti­gen. Er schüt­telt un­zäh­li­ge Hän­de, lässt sich mit eben­so vie­len strah­len­den Men­schen auf Sel­fies ver­ewi­gen, ver­teilt ro­te Ro­sen, plau­dert mit Alt und Jung, be­sucht Ge­schäf­te. „Das sieht ja wirk­lich fein hier aus“, rühmt Schulz die Saar­loui­ser Ein­kaufs­stra­ße und schaut sich zu­frie­den um, be­vor er er­neut an­ge­spro­chen wird. „Sie sind ja ein bril­lan­ter Red­ner“, lobt ihn ei­ne Da­me. „Ja, ich ver­su­che es“, ent­geg­net der Hoff­nungs­trä­ger be­schei­den. Ei­ne Lu­xem­bur­ge­rin möch­te ein Au­to­gramm von ihm: „Herr Schön, Sie sind ja öf­ter mit dem Herrn Juncker zu­sam­men­ge­we­sen“, meint sie. Schulz ver­zich­tet auf die Kor­rek­tur und nimmt den Na­mens-Faux­pas hin. Er ist ein Sym­pa­thie­trä­ger, das merkt man – auch wenn die meis­ten um ihn her­um oh­ne­hin SPDMit­glie­der sind. An die­sem Tag in Saarlouis ver­blas­sen al­le ho­hen Ge­nos­sen ne­ben ihm – so­gar Bun­des­jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas, der ihn be­glei­tet. Die­ser wird weit­ge­hend in Ru­he ge­las­sen, eben­so die Kan­di­da­ten An­ke Rehlin­ger und Pe­ter Dem­mer. Auch Saar-Um­welt­mi­nis­ter Rein­hold Jost und der noch am­tie­ren­de OB Ro­land Henz sind eher schmü­ckend Bei­werk. Letz­te­rer führt den Gast dann noch zur Spei­sung: An ei­nem Stand darf Schulz in ei­ne hei­ße Bre­zel bei­ßen, und dann ge­mein­sam mit den Ge­nos­sen die be­rühm­te Cur­ry­wurst am Gro­ßen Markt pro­bie­ren. Mit Pom­mes. „Hhhm“, sagt Schulz mit hoch­ge­zo­ge­nen Au­gen­brau­en und er­ho­be­nem Dau­men – be­vor er in ei­ner dunk­len Li­mou­si­ne wie­der ent­schwin­det.

FO­TO: BUB

Wahl­kampf in Saarlouis: SPD-Hoff­nungs­trä­ger Kanz­ler­kan­di­dat Mar­tin Schulz zu­sam­men mit Bun­des­jus­tiz­mi­nis­ter Hei­ko Maas (3.v.l), der Spit­zen­kan­di­da­tin der Saar-SPD, An­ke Rehlin­ger, OB-Kan­di­dat Pe­ter Dem­mer (2.v.r.) und dem noch am­tie­ren­den Saar­loui­ser OB Ro­land Henz (r.).

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