Die schwer zu­gäng­li­che Leich­tig­keit des Seins

GLOSSE

Saarbruecker Zeitung - - STANDPUNKT - VON PIA ROLFS

Im mo­der­nen Le­ben wird dem Men­schen vie­les ab­ge­nom­men: Dank der Ein­park­hil­fe kann er leich­ter ein­par­ken, dank des In­ter­nets leich­ter ab­schrei­ben, dank vie­ler Diät­pro­duk­te leich­ter zu­neh­men. Nur ei­nes ist of­fen­bar nach wie vor ver­pönt: das leich­te Öff­nen.

Sind doch vie­le Ver­pa­ckun­gen oh­ne enor­me Mus­kel­kraft, zahl­rei­che Werk­zeu­ge und aus­ge­klü­gel­te Tak­tik über­haupt nicht mehr zu öff­nen. Ver­mut­lich soll der In­halt wert­vol­ler wir­ken, weil er so schwer zu­gäng­lich ist. Das ent­spricht auf dem Be­zie­hungs­markt dem al­ten Prin­zip „mach’ dich rar“, funk­tio­niert al­ler­dings dort heu­te nicht mehr. Gilt doch schon der­je­ni­ge, der nicht gleich sein Le­ben auf so­zia­len Netz­wer­ken öff­net, als zu ver­schlos­sen.

Aber glück­li­cher­wei­se kommt es trotz­dem im­mer noch zu Part­ner­schaf­ten. Auch wenn da­hin­ter, so ist zu be­fürch­ten, bald nur noch ein Mo­tiv ste­cken könn­te: Zu zweit las­sen sich Ver­pa­ckun­gen viel leich­ter öff­nen.

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