Trump will Ban­ken die Fes­seln lo­ckern

Der neue US-Prä­si­dent will die müh­sam er­kämpf­ten Re­geln für den Fi­nanz­sek­tor auf­wei­chen. Da­zu greift er wie­der zum Mit­tel des De­krets.

Saarbruecker Zeitung - - WIRTSCHAFT - VON DA­NI­EL SCHNETTLER UND HAN­NES BREUSTEDT

WASHINGTON (dpa) US-Prä­si­dent Do­nald Trump macht of­fen­bar Ernst mit sei­nem Ver­spre­chen, den Fi­nanz­märk­ten wie­der mehr freie Hand zu las­sen. Nach An­ga­ben ei­nes Re­gie­rungs­ver­tre­ters in Washington wird der Re­pu­bli­ka­ner da­zu meh­re­re De­kre­te un­ter­zeich­nen, die das Wall-Street-Re­form­pa­ket „Dodd-Frank Act“auf den Prüf­stand stel­len. Die Re­gie­rung wün­sche „sehr dy­na­mi­sche, sehr of­fe­ne, sehr trans­pa­ren­te Märk­te oh­ne ei­ne rie­si­ge Be­las­tung durch Re­gu­lie­rungs­vor­schrif­ten“, hieß es. Au­ßer­dem könn­te ein Ge­setz der Vor­gän­ger­re­gie­rung ge­stoppt wer­den, das im Kern Fi­nanz­fir­men ver­pflich­tet, bei Al­ters­vor­sor­gePro­duk­ten im Sin­ne der Kun­den an­statt der ei­ge­nen Ge­winn­ma­xi­mie­rung zu han­deln.

Der Ge­schäfts­mann Trump hat­te schon nach sei­nem Wahl­sieg an­ge­kün­digt, die Fi­nanz­markt-Re­gu­lie­rung auf­zu­wei­chen. Das hat­te zu Be­geis­te­rungs­stür­men an der Wall Street ge­führt. Die Ak­ti­en­kur­se von Ban­ken stie­gen deut­lich. Am Mon­tag hat­te Trump nach ei­nem Tref­fen mit Ver­tre­tern klei­ne­rer

Do­nald Trump

Fir­men dann ge­sagt: „Die Re­gu­lie­rung hat sich in der Tat als schreck­lich für Kon­zer­ne her­aus­ge­stellt, aber für klei­ne Un­ter­neh­men war es noch schlim­mer.“Der Un­ter­neh­mer­geist lei­de, der Zu­gang zu Kre­di­ten wer­de er­schwert. „Dodd-Frank ist ein De­sas­ter.“

Nach der gro­ßen Fi­nanz­kri­se hat­te das an­ders ge­klun­gen. Als der da­ma­li­ge Prä­si­dent Ba­rack Oba­ma das Ge­setz 2010 un­ter­zeich­ne­te, sprach das Wei­ße Haus von „ei­nem re­gu­la­to­ri­schen Mei­len­stein“, der die Mit­tel­klas­se über die In­ter­es­sen der Ban­ker stel­le, die „Ame­ri­kas Re­gie­rung so lan­ge im Wür­ge­griff“hat­ten. Da­mals war die Er­in­ne­rung an die Kri­se von 2008 noch frisch. Mit Hun­der­ten Mil­li­ar­den an Steu­er­geld muss­ten Groß­ban­ken ge­ret­tet wer­den. Die Re­gie­rung Oba­ma sah das Pro­blem in der Zü­gel­lo­sig­keit der Fi­nanz­märk­te und brach­te den „Dodd-Frank Act“auf den Weg. Das 848 Sei­ten lan­ge Re­gel­werk soll­te den Ban­ken un­ter an­de­rem ver­bie­ten, auf ei­ge­ne Rech­nung zu spe­ku­lie­ren. Auch schrieb es den In­sti­tu­ten ei­ne hö­he­re Ei­gen­ka­pi­tal­quo­te vor, um ih­re Über­schul­dung zu ver­hin­dern. Von An­fang an gab es aber Wi­der­stand aus der re­pu­bli­ka­ni­schen Par­tei und von der Fi­nanz­bran­che.

In der Trump-Ad­mi­nis­tra­ti­on ist die Fi­nanz­lob­by so stark ver­tre­ten wie in kaum ei­ner US-Re­gie­rung zu­vor. Gleich drei frü­he­re Ban­ker des füh­ren­den Wall-Street-Hau­ses Gold­man Sachs hat der neue Prä­si­dent mit Schlüs­sel­pos­ten aus­ge­stat­tet. Vor al­lem Fi­nanz­mi­nis­ter Ste­ven Mnu­ch­in – ein Hed­ge­fonds-Ma­na­ger, der we­gen sei­nes rü­den Um­gangs mit Haus­be­sit­zern als Chef ei­ner Im­mo­bi­li­en­bank den Spitz­na­men „Mr. Zwangs­ver­stei­ge­rung“trägt – ver­kör­pert die neue Macht der Fi­nanz­lob­by im Wei­ßen Haus.

„Die Re­gu­lie­rung hat sich

als schreck­lich für Kon­zer­ne her­aus­ge­stellt,

aber für klei­ne Un­ter­neh­men war es

noch schlim­mer.“

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