Na­zi-Or­den in der nächs­ten In­stanz

Der Fall um Ver­kauf von Or­den der NSDAP lan­det vor dem Ver­fas­sungs­ge­richts­hof.

Saarbruecker Zeitung - - SAARLAND - VON DIET­MAR KLOSTERMANN

SAARLOUIS/SAAR­BRÜ­CKEN Im Früh­jahr ver­gan­ge­nen Jah­res schlen­der­te Gil­bert Kal­len­born über den Floh­markt in Saarlouis. An ei­nem der Stän­de trau­te er dann sei­nen Au­gen kaum. „Da la­gen Ver­dienst­or­den der NSDAP mit Ha­ken­kreu­zen, die nur not­dürf­tig mit Auf­kle­bern ka­schiert wa­ren“, sag­te Kal­len­born der SZ. Der saar­län­di­sche Ju­de sah dar­in ei­nen kla­ren Ver­stoß ge­gen das Straf­ge­setz­buch. Wer Kenn­zei­chen ei­ner ehe­ma­li­gen NS-Or­ga­ni­sa­ti­on ver­brei­tet, kann mit bis zu drei Jah­ren Haft oder Geld­stra­fe be­straft wer­den. Kal­len­born wand­te sich mit Eil­an­trä­gen an das Ver­wal­tungs­ge­richt und das Ober­ver­wal­tungs­ge­richt, um dem Ver­brei­ten der Na­zi-Or­den Ein­halt zu ge­bie­ten. „Ich füh­le mich da­durch zu­dem in mei­ner Men­schen­wür­de ver­letzt“, be­ton­te Kal­len­born, der in­zwi­schen nach Sach­sen-An­halt ver­zo­gen ist. Doch die bei­den Saar­loui­ser Ge­rich­te folg­ten sei­nen An­trä­gen nicht.

Dar­um ist der Ju­de, der auch durch sei­ne Vor­stö­ße ge­gen die in saar­län­di­schen Ge­rich­ten auf­ge­häng­ten Kru­zi­fi­xe be­kannt ist, jetzt vor den saar­län­di­schen Ver­fas­sungs­ge­richts­hof (VGH) ge­zo­gen. „Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ist ein­ge­gan­gen“, be­stä­tig­te VGHSpre­che­rin Chris­tia­ne Sch­mitt, die auch Rich­te­rin am Land­ge­richt ist, der SZ. Der VGH ha­be die Ver­fas­sungs­be­schwer­de an das Saar-Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um mit der Bit­te um Stel­lung­nah­me bin­nen vier Wo­chen wei­ter­ge­reicht, er­klär­te Sch­mitt. „Vor En­de Fe­bru­ar wird nichts pas­sie­ren“, so die Rich­te­rin.

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de könn­te auch in den Saar-Land­tags­wahl­kampf hin­ein­spie­len. Erst im Som­mer ver­gan­ge­nen Jah­res war der Spit­zen­kan­di­dat der rechts­po­pu­lis­ti­schen AfD Ru­dolf Mül­ler in die Schlag­zei­len ge­ra­ten, weil er in sei­nem An­ti­qui­tä­tenGe­schäft am St. Jo­han­ner Markt Na­zi-Or­den ver­kauf­te. Wenn man – wie er – die Ha­ken­kreu­ze ab­kle­be, sei der Han­del un­pro­ble­ma­tisch, dann sei­en die NS-Or­den „ei­ne Han­dels­wa­re wie an­de­re auch“, sag­te er da­mals der SZ.

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