Ha­mon will mehr Geld für Si­cher­heit

Der Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat der fran­zö­si­schen So­zia­lis­ten hat ges­tern sei­nen Wahl­kampf in For­bach be­gon­nen – Sein Be­such wur­de von dem An­griff auf ei­nen Sol­da­ten in Paris über­schat­tet.

Saarbruecker Zeitung - - LANDESPOLITIK - VON HÉLÈNE MAILLASSON

FOR­BACH Das hat er sich ganz an­ders vor­ge­stellt. Fünf Ta­ge nach sei­ner Kür als Prä­si­dent­schafts­kan­di­dat der So­zia­lis­ten hat­te Be­noît Ha­mon die Grenz­stadt For­bach für den Auf­takt sei­nes Wahl­kampfs aus­ge­sucht. Zu Be­such beim Mess­ge­rä­te-Spe­zia­lis­ten Tes­to im In­dus­trie­ge­biet Eu­ro­zo­ne woll­te er über sein Wirt­schafts­pro­gramm spre­chen, über sei­ne Vi­si­on für die zu­künf­ti­ge Ar­beits­welt, die Ein­füh­rung ei­ner 32St­un­den-Ar­beits­wo­che und des be­ding­ung­lo­sen Grund­ein­kom­men.

Doch un­mit­tel­bar nach dem An­schlag auf ei­nen Sol­da­ten in Paris in­ter­es­sier­ten sich dut­zen­de Jour­na­lis­ten ges­tern viel mehr da­für, was Ha­mon für die Si­cher­heit des Lan­des plant. Der Ver­tre­ter des Links­flü­gels der so­zia­li­si­ti­schen Par­tei ist kein An­hän­ger des in Frank­reich seit zwei Jah­ren gel­ten­den Not­stands. „Wir brau­chen auch kein neu­es Ge­setz. Po­li­zei, Mi­li­tär und Nach­rich­ten­diens­te ar­bei­ten rund um die Uhr, um uns vor ter­ro­ris­ti­schen An­schlä­gen zu be­wah­ren. Wich­tig ist es, die Ko­or­di­na­ti­on zwi­schen den ver­schie­de­nen In­for­ma­ti­ons­diens­ten bes­ser zu ver­zah­nen“, sag­te Ha­mon mit erns­ter Mie­ne in For­bach. Den­noch soll­te je­dem klar sein, dass es kei­ne 100-pro­zen­ti­ge Si­cher­heit ge­be, egal was an­de­re Wahl­be­wer­ber wie die Rechts­ex­tre­me Ma­ri­ne Le Pen vom Front Na­tio­nal (FN) an­deu­ten wür­den. „Im Thea­ter, im Zug, im Ein­kaufs­zen­trum: Ein be­waff­ne­ter Ein­zel­ner kann über­all zu­schla­gen. Wir müs­sen wach­sam sein und mit der Be­dro­hung le­ben. Auch mei­ne Töch­ter üben in der Schu­le das bes­te Ver­hal­ten im Fall ei­nes An­schlags“, so der 49-Jäh­ri­ge. Ge­winnt er die Wahl, will er für in­ne­re Si­cher­heit, aber auch Mi­li­tär­ope­ra­tio­nen au­ßer­halb Frank­reichs mehr Geld zur Ver­fü­gung stel­len. Er will das ent­spre­chen­de Bud­get auf drei Pro­zent von Frank­reichs Brut­to­in­lands­pro­dukt er­hö­hen (zur­zeit zir­ka 1,8

Pro­zent). Au­ßer­dem müs­se man auf eu­ro­päi­scher Ebe­ne si­cher­heits­po­li­tisch en­ger zu­sam­men­ar­bei­ten, in und au­ßer­halb der Lan­des­gren­zen, so der Kan­di­dat.

Bei Tes­to in For­bach ar­bei­tet man be­reits eng mit Deutsch­land zu­sam­men. „Das Mut­ter­haus un­se­res Kon­zerns liegt in Deutsch­land. Wir ha­ben ge­zielt For­bach als Stand­ort we­gen sei­ner Nä­he zur Gren­ze aus­ge­wählt“, er­klär­te der Stand­ort­lei­ter Chris­to­phe Po­ehr. Er sei auf der Su­che nach wei­te­ren Mit­ar­bei­tern. Es sei aber nicht im­mer ein­fach Leu­te hier­her zu be­kom­men. Die­se Si­tua­ti­on ist im ehe­ma­li­gen Koh­le­be­cken auf loth­rin­gi­scher Sei­te eher aty­pisch. Hier gibt es mehr Men­schen, die ei­ne Stel­le su­chen als Fir­men mit Re­kru­tie­rungs­pro­ble­men. Vor knapp drei Wo­chen war Ma­ri­ne Le Pen eben­so zu Be­such in For­bach – ein Heim­spiel in ei­ner Re­gi­on, in der ih­re Par­tei viel Zu­spruch er­fährt. Doch auch Ha­mon zählt hier als Mit­strei­ter. Fast ei­ne Wo­che, nach­dem er die Vor­wahl sei­ner Par­tei für sich ent­schei­den konn­te, sind die Un­ter­stüt­zungs­be­kun­dun­gen aus den ei­ge­nen Rei­hen in Paris schlep­pend. Um­so mehr zäh­len die Un­ter­stüt­zer der ers­ten St­un­de, zu de­nen For­bachs Bür­ger­meis­ter Lau­rent Ka­li­now­ski zählt. Bei­de tei­len die glei­chen Wer­te, sag­te Ha­mon ges­tern.

Sei­ne Wirt­schafts­po­li­tik schreckt vie­le ab. Als ein­zi­ger Kan­di­dat im fran­zö­si­schen Wahl­kampf warn­te Ha­mon be­reits in den Fern­seh­du­el­len, die di­gi­ta­le Re­vo­lu­ti­on wer­de al­les ver­än­dern, des­halb müs­se man be­reits jetzt die Ar­beits­dau­er ver­rin­gern. An­de­re Be­wer­ber auf das Prä­si­den­ten­amt wol­len die 35-St­un­den-Ar­beits­wo­che lo­ckern. Ha­mon hin­ge­gen will dar­aus 32 St­un­den ma­chen. Der ra­di­ka­le Vor­schlag ist – mit dem Grund­ein­kom­men von 750 Eu­ro – sein Al­lein­stel­lungs­merk­mal im Wahl­kampf, ir­ri­tiert aber vie­le Wäh­ler. Man­che von ih­nen traf er nach sei­nem Be­such in For­bach. Be­vor es am Nach­mit­tag zu­rück Rich­tung Metz und Paris ging, traf sich Ha­mon noch in Folsch­viller mit Men­schen, die nur zu ger­ne mehr, und über­haupt wei­ter ar­bei­ten wür­den – in der Groß­bä­cke­rei Neu­hau­ser, die vor ein paar Wo­chen an­ge­kün­digt hat­te fast 400 Stel­len zu strei­chen.

„Auch mei­ne Töch­ter üben in der Schu­le das bes­te Ver­hal­ten im Fall

ei­nes An­schlags.“Be­noît Ha­mon, Kan­di­dat der

fran­zö­si­schen So­zia­lis­ten

FO­TO: RICH SERRA

Bei sei­nem Wahl­kampf­ter­min in For­bach muss­te der frisch no­mi­nier­te Kan­di­dat der so­zia­lis­ti­schen Par­tei Be­noît Ha­mon vie­le Fra­gen zum The­ma Ter­ro­ris­mus­ab­wehr be­ant­wor­ten.

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