Hier gibt’s Geld für al­te Han­dys

Bei An­kauf­diens­ten im In­ter­net kön­nen Ver­brau­cher un­kom­pli­ziert aus­ge­dien­te Elek­tro­ge­rä­te los­wer­den.

Saarbruecker Zeitung - - INTERNET - VON MAR­TI­NA KIND

SAAR­BRÜ­CKEN In Deutsch­land tür­men sich un­ge­nutz­te Elek­tro­ge­rä­te. Ins­ge­samt 100 Mil­lio­nen al­te Mo­bil­te­le­fo­ne lie­gen in den Schub­lä­den deut­scher Haus­hal­te. Doch die­se Ge­rä­te sind in der Re­gel noch funk­ti­ons­tüch­tig, wie aus ei­ner Um­fra­ge des IT-Bran­chen­ver­bands Bit­kom her­vor­geht. Das ist nicht nur scha­de für die Um­welt, son­dern auch für den ei­ge­nen Geld­beu­tel. Denn die ehe­ma­li­gen elek­tro­ni­schen Be­glei­ter las­sen sich zu Geld ma­chen, zum Bei­spiel bei An­kauf­diens­ten im In­ter­net.

Sie hei­ßen Cle­ver­tro­nic, Re­buy oder Zoxs – und funk­tio­nie­ren al­le nach dem­sel­ben Prin­zip. Sie kau­fen al­te Smart­pho­nes, Ta­blets und und Lap­tops zum Fest­preis. Da­für muss sich der Nut­zer, im Ge­gen­satz zu Ver­stei­ge­run­gen bei On­li­ne-Auk­ti­ons­häu­sern, um kaum et­was küm­mern. Auf den In­ter­net­sei­ten der An­kauf­diens­te gibt er zu­nächst den Zu­stand sei­nes Ge­rä­tes ein, der von „ak­zep­ta­bel“oder „schlecht“bis zu „wie neu“reicht. Auch noch vor­han­de­nes und in­tak­tes Zu­be­hör, bei­spiels­wei­se ein Ori­gi­nal-La­de­ge­rät spie­len ei­ne Rol­le bei der Er­mitt­lung des Wer­tes.

So­bald der Kun­de al­le An­ga­ben ein­ge­ge­ben hat, un­ter­brei­tet der Händ­ler ein vor­läu­fi­ges Kauf­an­ge­bot. Doch wie kommt ein sol­cher ers­ter Preis­vor­schlag, ba­sie­rend auf ei­nem stan­dar­di­sier­ten Fra­gen­ka­ta­log, über­haupt zu­stan­de? Da die al­ten Ge­rä­te von den meis­ten An­bie­tern nicht nur an- son­dern auch wei­ter­ver­kauft wer­den, rich­te sich das An­ge­bot vor al­lem nach dem Preis, das das ge­brauch­te Smart­pho­ne noch auf dem Markt er­zie­len kann. „Wie viel das Mo­bil­te­le­fon wirk­lich wert ist, lässt sich schon an­hand we­ni­ger In­for­ma­tio­nen gut er­mit­teln. Für ein iPho­ne mit Dis­play-Bruch et­wa kön­nen kei­ne hor­ren­den Sum­men er­war­tet wer­den“, er­klärt Jens Mid­del­kamp von Cle­ver­tro­nic. Der end­gül­ti­ge Preis ste­he erst dann fest, wenn das Ge­rät mit der Post ein­ge­schickt und ei­ner Qua­li­täts­prü­fung un­ter­zo­gen wer­de – wes­halb es auch kei­nen Sinn ma­che, vor­han­de­ne Schä­den zu ver­schwei­gen, so Mid­del­kamp.

Ha­be der Ver­käu­fer bei dem Zu­stand des Ge­rä­tes tat­säch­lich ge­trickst, wer­de ihm nach der Sich­tung au­to­ma­tisch ein neu­es An­ge­bot ge­macht. Be­vor sich das al­te Smart­pho­ne je­doch auf den Weg zum In­ter­net­händ­ler macht, soll­ten Nut­zer al­le per­sön­li­chen Da­ten lö­schen, in­dem sie das Ge­rät auf die Wer­k­ein­stel­lun­gen zu­rück­set­zen und so­wohl Sim- als auch die Spei­cher­kar­te ent­fer­nen.

Wenn­gleich die meis­ten An­kauf­diens­te auf iden­ti­sche Art und Wei­se ar­bei­ten mö­gen, so un­ter­schei­den sich trotz al­lem die Prei­se, die sie für ein- und das­sel­be Ge­rät zu zah­len be­reit sind – und das in ei­nem nicht un­be­trächt­li­chen Ma­ße, wie ein Ver­gleich der Stif­tung Wa­ren­test (11/ 2016) zeigt. Bei ih­rer Un­ter­su­chung wur­den ins­ge­samt sie­ben gro­ße und klei­ne In­ter­net­händ­ler un­ter den Kri­te­ri­en Ab­wick­lung, Ser­vice und Preis­fair­ness ge­tes­tet. Um ein mög­lichst ob­jek­ti­ves Er­geb­nis zu er­zie­len, ver­kauf­te die Stif­tung Wa­ren­test al­len ein neu­ver­pack­tes App­le iPho­ne 5s und ein Samsung Ga­la­xy S5 Mi­ni.

Das Er­geb­nis: Zwi­schen dem höchs­ten und nied­rigs­ten Ge­bot lag ei­ne Dif­fe­renz von 90 bzw. 55 Eu­ro. We­gen des gu­ten Preis­an­ge­bots und rei­bungs­lo­sen Ablau­fes geht das Por­tal Cle­ver­tro­nic mit der No­te „gut“als Sie­ger her­vor, dicht ge­folgt vom An­kauf­dienst Zoxs, bei dem das An­ge­bot am höchs­ten aus­fiel, und As­goo­das­new. Letz­te­rer über­zeug­te die Tes­ter vor al­lem mit sei­ner Fair­ness. Wenn der Kun­de sein Ge­rät zu schlecht ein­ge­schätzt hat, zah­le As­goo­das­new nach der Qua­li­täts­prü­fung selbst­stän­dig mehr. Ab­zu­ra­ten sei von My-An­kauf und Han­dy-Best­kauf, bei­de An­bie­ter fie­len bei der Stif­tung Wa­ren­test auf­grund er­staun­lich nied­ri­ger Prei­se durch.

Grund­sätz­lich gilt bei An­kauf­diens­ten im In­ter­net: Wer ein ge­brauch­tes Smart­pho­ne ver­kau­fen will, soll­te die Prei­se zu­nächst bei un­ter­schied­li­chen An­kauf­diens­ten ver­glei­chen und zu­dem über meh­re­re Ta­ge hin­weg be­ob­ach­ten. Denn auch bei Händ­lern kön­nen die Prei­se zu­wei­len ex­trem un­ter­schied­lich aus­fal­len. „Preis­schwan­kun­gen hän­gen von An­ge­bot und Nach­fra­ge des je­wei­li­gen Mo­dells ab. Auch wie hoch der ak­tu­el­le La­ger­be­stand ist, spielt ei­ne Rol­le“, er­klärt Mid­del­kamp.

FO­TO: WABITSCH/DPA

Auch Smart­pho­nes in schlech­tem Zu­stand kön­nen Nut­zer bei An­kauf­diens­ten im In­ter­net an­bie­ten.

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