Woh­nen in der eins­ti­gen Far­ben­fa­brik

Die Ent­wick­lung ei­nes neu­en Quar­tiers am Rö­mer­kas­tell hat be­gon­nen: Dort soll auf 1,9 Hekt­ar auch Wohn­raum ent­ste­hen.

Saarbruecker Zeitung - - ZEITUNG FUR SAARBRUCKEN - VON SIL­VIA BUSS

SAAR­BRÜ­CKEN. Der­zeit sieht das Be­co­lin-Glän­de am Saar­brü­cker Rö­mer­kas­tell eher wie ein Kriegs­ge­biet aus. Bag­ger rei­ßen al­le Fa­b­rik­ge­bäu­de nie­der, zu­rück bleibt nur ei­nes, das un­ter Denk­mal­schutz steht. Die Flä­che wird nicht lan­ge un­be­baut blei­ben. Schon ab März 2018 soll hier auf 1, 9 Hekt­ar ein neu­es In­nen­stadt­quar­tier ent­ste­hen.

Das Be­son­de­re dar­an: Es soll nicht mehr wie bis­her ein rei­nes Ge­wer­be­ge­biet mehr sein, son­dern ne­ben Ge­wer­be, Bü­ros und Di­enst­leis­tun­gen auch Raum für – mög­lichst viel – Woh­nen bie­ten. Auch das vom För­der­ver­ein Saar­phil­har­mo­nie an­ge­streb­te Mu­sik­zen­trum könn­te hier Platz fin­den. So sind die Plä­ne, die die In­ves­to­ren Tors­ten Schme­er und Die­ter Leis­mann zu­sam­men mit Ar­chi­tekt Wil­li Latz am Don­ners­tag bei ei­nem Ors­ter­min mit der SPDS­tadt­rats­frak­ti­on erst­mals der Öf­fent­lich­keit vor­stell­ten.

Latz’ Pütt­lin­ger Bü­ro hat mit sei­nem Ent­wurf für ei­ne klein­tei­li­ge Quar­tiers­be­bau­ung ei­nen von den In­ves­to­ren aus­ge­lob­ten städ­te­bau­li­chen Wett­be­werb ge­gen­über drei Kon­kur­ren­ten ge­won­nen. In der Ju­ry, die die Ent­schei­dung traf, sa­ßen ne­ben Ar­chi­tek­tur-Ex­per­ten auch Ver­tre­ter der Stadt­ver­wal­tung und der Rats­frak­tio­nen, er­klär­te SPD-Frak­ti­ons­vor­sit­zen­der Pe­ter Bau­er.

Der Stadt­rat muss noch über das Pro­jekt ab­stim­men, Bau­er zeig­te sich da­von schon mal be­geis­tert. Für ihn ver­wan­delt es das bis­her bau­lich chao­ti­sche Ge­wer­be­ge­biet in ei­nen „Zu­kunfts­stand­ort“. Vier- bis fünf­ge­schos­si­ge Ge­bäu­de mit grü­nen Dä­chern und grü­nen Frei­flä­chen (ent­wor­fen vom Bü­ro der Land­schafts­ar­chi­tek­ten Dutt & Kist) sol­len hier in drei bis vier Bau­ab­schnit­ten in rund fünf Jah­ren wach­sen. Die Au­tos ver­schwin­den in ei­ne Tief­ga­ra­ge mit 650 Plät­zen und Zu- und Aus­fahr­ten zur Main­zer Stra­ße und dem Lyo­ner­ring (Ver­kehrs­pla­nung: Schweit­zer be­ra­ten­de In­ge­nieu­re Saar­brü­cken). Im vor­de­ren Be­reich zur Main­zer Stra­ße soll das Quar­tier au­to­frei wer­den. Hin­ter ei­nem Ge­bäu­de mit ei­nem sie­ben­ge­schos­si­gen Turm, der ei­ne Art Stadt­tor dar­stel­len soll, könn­te hier in zwei­ter Rei­he auf bis zu 90 000 Qua­drat­me­tern das Mu­sik­zen­trum mit ei­nem Vor­platz ge­baut wer­den.

Für den Fall, dass der För­der­ver­ein Saar­phil­har­mo­nie die­ses Vor­ha­ben fi­nan­zi­ell nicht ge­stemmt be­kommt, sieht Latz als Plan B ein Bü­ro­ge­bäu­de vor. Da es bau­recht­lich bis­her schwie­rig war, in Ge­wer­be­o­der Misch­ge­bie­ten Woh­nen ge­neh­migt zu be­kom­men, hat­ten In­ves­to­ren und Ar­chi­tekt Wohn­raum ur­sprüng­lich nur in den obers­ten Ge­schos­sen Rich­tung Main­zer Stra­ße vor­ge­se­hen.

Ei­ne 2016 ver­ab­schie­de­te Bau­rechts­no­vel­le er­öff­net nun aber durch die Ein­füh­rung der neu­en Ka­te­go­rie „ur­ba­ne Ge­bie­te“neue Mög­lich­kei­ten, Woh­nen und Ar­bei­ten leich­ter zu ver­bin­den. Un­ter an­de­rem durch die Er­hö­hung der zu­läs­si­gen Lärm­im­mis­si­ons­wer­te. Auch um zu ver­hin­dern, dass ein abends „völ­lig to­tes“Bü­ro­vier­tel ent­steht, über­le­gen Leis­mann und Schme­er jetzt, nicht nur Ober­ge­schos­se, son­dern viel­leicht so­gar gan­ze Blö­cke an Wohn­raum zu schaf­fen.

Die­se Ab­sicht, Ar­bei­ten, Woh­nen und Kul­tur stär­ker zu mi­schen, ent­spricht laut Pe­ter Bau­er ge­nau dem, was die SPD-Frak­ti­on in Saar­brü­cker stär­ker vor­an­trei­ben möch­te. Das neu ge­ord­ne­te Be­co­lin-Quar­tier, da ist er sich mit den In­ves­to­ren ei­nig, kön­ne ei­nen Im­puls ge­ben, um das gan­ze Ge­wer­be­ge­biet stadt­ein­wärts bis zur Hein­rich-Bö­cking-Stra­ße ähn­lich zu ent­wi­ckeln.

Auf dem Ge­län­de, das sich jetzt zu ei­nem wei­te­ren alt­städ­ti­schen Quar­tier ent­wi­ckeln soll, wur­de 1934 ei­ne Far­ben­fa­brik er­baut. Von 2010 bis 2015 wur­den die Ge­bäu­de für Kul­tur­ver­an­stal­tun­gen und Par­tys ge­nutzt – un­ter an­de­rem als Club des deutsch-fran­zö­si­schen Thea­ter­fes­ti­vals „Per­spec­tives“

In­ves­tor Thors­ten Schme­er ist der­zeit auch an an­de­rer Stel­le der Stadt ak­tiv. Zu­sam­men mit zwei Ge­schäfts­part­nern will er das eins­ti­ge Ci­tro­ën-Ge­län­de zwi­schen Groß­her­zog-Fried­rich­stra­ße und Main­zer Stra­ße über­wie­gend zu ei­nem Wohn­vier­tel ent­wi­ckeln, des­sen Hö­fe tags­über al­len Saar­brü­ckern of­fen­ste­hen sol­len.

FO­TO: OLI­VER DIETZE

Die SPD lud am Don­ners­tag zu ei­ner Be­sich­ti­gung des ehe­ma­li­gen Be­co­lin-Ge­län­des am Rö­mer­kas­tell ein, Dort wer­den die al­ten Ge­bäu­de ab­ge­ris­sen. Künf­tig soll man dort nicht nur ar­bei­ten, son­dern auch woh­nen kön­nen.

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