Vom Bank­drü­cker zum Bank­drü­cker

Hol­ger Bad­stu­ber wech­sel­te im Win­ter zu Schal­ke 04, weil er spie­len woll­te. Doch vor der Rück­kehr nach München ist er wie­der nur Er­satz.

Saarbruecker Zeitung - - SPORT - VON THO­MAS LIPINSKI

GEL­SEN­KIR­CHEN (sid) Ein Tor für Schal­ke 04 hat Hol­ger Bad­stu­ber ge­gen den FC Bay­ern schon ge­schos­sen. Vor knapp sechs Jah­ren traf der deut­sche Na­tio­nal­spie­ler beim Münch­ner 4:1 ins ei­ge­ne Netz. Wenn er an die­sem Sams­tag (15.30 Uhr) als Kö­nigs­blau­er zu den Ro­ten zu­rück­kehrt, wird er je­doch sein, was er zu­letzt auch dort war – ein Bank­drü­cker.

„Ihm fehlt Spiel­pra­xis“, sagt Trai­ner Mar­kus Wein­zierl: „Er braucht sei­ne Zeit, bis er un­ser Spiel ver­steht.“Ei­gent­lich war der Ver­tei­di­ger mit der lan­gen Ver­let­zungs­ge­schich­te von den Bay­ern nach Gel­sen­kir­chen aus­ge­lie­hen wor­den, um eben die­se Spiel­pra­xis zu sam­meln. „Ich will spie­len, das ist das A und O“, hat­te der 27Jäh­ri­ge vor sei­nem Wech­sel be­tont. Un­ter Bay­ern-Trai­ner Car­lo An­ce­lot­ti spiel­te Bad­stu­ber im ers­ten hal­ben Jahr le­dig­lich 28 Bun­des­li­ga-Mi­nu­ten, neun Mi­nu­ten im Po­kal und 90 in der Cham­pi­ons Le­ague – in den ers­ten bei­den Bun­des­li­ga-Par­ti­en nach der Win­ter­pau­se aber nicht ei­ne Mi­nu­te. Ein Ein­satz in München ist eher un­wahr­schein­lich, auf Schal­ke ist Bad­stu­ber der­zeit nur In­nen­ver­tei­di­ger Num­mer vier.

„Wir woll­ten ei­ne Ab­si­che­rung, das ha­ben wir mit Hol­ger auch so be­spro­chen“, be­tont Sport­vor­stand Chris­ti­an Hei­del. Als Schal­ke den 27-Jäh­ri­gen aus­lieh, plag­te sich Ka­pi­tän Be­ne­dikt Hö­we­des mit Hüft­pro­ble­men, Ma­ti­ja Na­st­a­sic leg­te mit Achil­les­seh­nen­be­schwer­den die ei­ne oder an­de­re Trai­nings­pau­se ein. Doch zu­sam­men mit Ab­wehr­chef Nal­do spie­len die bei­den In­nen­ver­tei­di­ger wie­der – das Trio ist ers­te Wahl, vor al­lem, weil es die De­fen­si­ve der Schal­ker sta­bi­li­siert.

Seit Wein­zierl auf die Drei­erVer­tei­di­gung um­stell­te, hat Schal­ke in elf Bun­des­li­ga-Spie­len nur neun Ge­gen­to­re kas­siert. „Fakt ist, dass wir de­fen­siv kein Pro­blem ha­ben. Mit der Drei­er­ket­te bin ich zu­frie­den“, be­stä­tigt der Trai­ner. Al­ler­dings ha­ben al­le drei Schwä­chen in der Spiel­eröff­nung – ein Man­ko, das vor al­lem in der jüngs­ten Miss­er­folgs­se­rie mit nur vier Punk­ten aus sechs Bun­des­li­ga­spie­len über­deut­lich wur­de.

Ge­ra­de auch we­gen der Qua­li­tä­ten im Pass­spiel hat­te Hei­del Bad­stu­ber ver­pflich­tet. „Sei­ne Spiel­eröff­nung ge­hört mit zu den bes­ten in der Bun­des­li­ga“, schwärm­te der Ma­na­ger da­mals. Jetzt sagt er, er kön­ne ihn nicht ein­fach bei­spiels­wei­se Na­st­a­sic vor­zie­hen. „Er hat lan­ge nicht ge­spielt“, sagt Hei­del: „Er wird sei­ne Ein­sät­ze be­kom­men. Da bin ich si­cher.“Das glaubt auch Trai­ner Wein­zierl, der sei­nem Neu­zu­gang ein gu­tes Zeug­nis aus­stellt: „Er hat al­le Ein­hei­ten mit­ge­macht und ist ei­ner von 16 bis 18 Spie­lern, die fit sind. Er ist ein Baustein. Aber er weiß auch, dass er ei­ner von vier, fünf gu­ten Ver­tei­di­gern ist.“

Bis­lang fügt sich Bad­stu­ber, der be­reits 31 Län­der­spie­le ab­sol­viert hat, klag­los in sein Schick­sal – und übt sich in Ge­duld. Re­gel­mä­ßig twit­tert er Fo­tos vom Trai­ning. Zu­letzt ein Bild, auf dem er Ge­wich­te stemmt. Da­mit will er zei­gen: Nach zahl­rei­chen schwe­ren Ver­let­zun­gen be­fin­det er sich in glän­zen­der kör­per­li­cher Ver­fas­sung.

Wein­zierl ver­trös­tet ihn auf die kom­men­den eng­li­schen Wo­chen, wenn in 22 Ta­gen sie­ben Par­ti­en an­ste­hen. „Er wird mit Si­cher­heit wich­tig sein für die Mann­schaft – in den nächs­ten Mo­na­ten“, sagt er: „Er ist ei­ne wich­ti­ge Al­ter­na­ti­ve, wir ha­ben in den nächs­ten Mo­na­ten ein sehr en­ges und straf­fes Pro­gramm.“Ob Bad­stu­ber sich mit die­ser Rol­le zu­frie­den gibt, wird sich zei­gen. Zu­nächst ein­mal muss er das tun, was er zu­letzt in München ge­tan hat: bei den Spie­len von au­ßen zu­se­hen. Und das wohl auch an die­sem Sams­tag.

„Hol­ger ist ein Baustein. Aber er weiß auch, dass er ei­ner von vier, fünf gu­ten Ver­tei­di­gern ist.“

Schal­ke-Trai­ner Mar­kus Wein­zierl

über Neu­zu­gang Bad­stu­ber

FO­TO: IMA­GO

Hol­ger Bad­stu­ber hat seit sei­nem Wech­sel vom FC Bay­ern zum FC Schal­ke 04 noch kei­ne Bun­des­li­ga-Mi­nu­te ge­spielt.

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