Yo­ga-Leh­re­rin mit 98

Tao Por­chon-Lynch hat viel er­lebt – und kann­te Gandhi und Mar­le­ne Dietrich per­sön­lich.

Saarbruecker Zeitung - - PANORAMA - VON CATHERINE TRIOMPHE

HARTSDALE (afp) Tao Por­chonLynch ist ei­ne ele­gan­te, zar­te Frau, die ger­ne Schmuck trägt und hoch­ha­cki­ge Schu­he. Sie un­ter­rich­tet Yo­ga im Nor­den des Bun­des­staa­tes New York und fährt mit ih­rem klei­nen Smart ins Stu­dio. Klingt al­les ganz nor­mal, wä­re da nicht das Guin­ness-Buch der Re­kor­de, das sie als äl­tes­te Yo­gal­eh­re­rin der Welt lis­tet: Por­chonLynch ist 98 Jah­re alt und zähl­te in ih­rem be­weg­ten Le­ben Gandhi und Mar­le­ne Dietrich zu Weg­ge­fähr­ten.

Mit ei­ser­ner Ge­sund­heit und un­er­schüt­ter­li­chem Op­ti­mis­mus ist sie nicht nur in Hartsdale ei­ne Be­rühmt­heit. Noch im­mer nimmt sie an Yo­ga-Ver­an­stal­tun­gen welt­weit teil und zeigt in ih­ren fünf Kur­sen pro Wo­che vie­le As­a­nas, al­so Yo­ga-Übun­gen, selbst. „Habt kei­ne Angst“, be­schwört sie ih­re Schü­le­rin­nen. „Lasst Euch nicht von an­de­ren ein­re­den, dass Ihr et­was nicht könnt.“Trotz ei­ner Hüft­pro­the­se scheint die Grei­sin nie mü­de zu wer­den. Ge­ra­de zier­te sie die Titelseite des Ka­ta­logs von Ath­le­ta, ei­ner Mo­de­li­nie für Yo­ga- und Funk­ti­ons­klei­dung. Die Mi­schung aus Well­ness, prak­ti­scher Spi­ri­tua­li­tät und lan­gem Le­ben

Tao Por­chon-Lynch ist hoch­ak­tu­ell, in den so­zia­len Me­di­en hat die al­te Da­me ei­ne be­geis­ter­te Fan­ge­mein­de.

Tao ge­winnt Kraft aus ih­rer ei­ge­nen Le­bens­phi­lo­so­phie: „Ich glaub­te an die Na­tur und ans At­men. Ich woll­te nicht zu je­man­dem ir­gend­wo da drau­ßen be­ten, son­dern zu et­was in mir drin. Schau­en Sie die Bäu­me an. Sie sind Hun­der­te Jah­re alt, im Mo­ment sind sie al­le kahl, wie Ske­let­te, wie tot, aber sie er­neu­ern sich nur – die­se Bäu­me wer­den nicht äl­ter, sie blei­ben stark.“

Nicht im­mer stand ihr Le­ben un­ter ei­nem gu­ten Stern. Por­chon-Lynch kam am En­de des Ers­ten Welt­kriegs am 13. Au­gust 1918 zur Welt, sie­ben Mo­na­te spä­ter starb ih­re Mut­ter. Ihr Va­ter ließ das klei­ne Mäd­chen bei On­kel und Tan­te, die sie in Pon­di­cher­ry (heu­te Pu­du­cher­ry) im da­ma­li­gen Fran­zö­sisch-In­di­en auf­zo­gen. Die klei­ne Tao wuchs als Ve­ge­ta­rie­rin auf, lern­te Fran­zö­sisch und Hin­di, reis­te viel. Als sie zwölf war, kam Gandhi ins Haus der Fa­mi­lie: „Ein lus­ti­ger klei­ner Mann mit Bril­le, der auf dem Bo­den saß, und vor dem sich al­le ver­beug­ten“, er­in­nert sich die heu­ti­ge Yo­ga-Leh­re­rin. Drei Wo­chen spä­ter nahm sie am be­rühm­ten Salz­marsch Gandhis teil.

Zu Be­ginn des Zwei­ten Welt­krie­ges ging Por­chon-Lynch nach Eu­ro­pa und kam bei ei­ner Tan­te im Rho­ne­tal un­ter, die sie in die fran­zö­si­sche Ré­sis­tan­ce ein­führ­te. Nach der Ver­haf­tung ei­nes Ka­me­ra­den floh sie nach London, wo sie vor US-Sol­da­ten in­di­sche Tän­ze auf­führ­te und Mar­le­ne Dietrich ken­nen lern­te, „ei­ne sehr gu­te Freun­din“. Nach dem Krieg ar­bei­te­te sie in Frank­reich als Man­ne­quin für Lan­vin, ab 1949 war sie bei MGM in Hol­ly­wood als Schau­spie­le­rin un­ter Ver­trag. In Ka­li­for­ni­en be­schloss sie, ih­re Lei­den­schaft Yo­ga zu ih­rem Be­ruf zu ma­chen, die kürz­lich ver­stor­be­ne Schau­spie­le­rin Deb­bie Reynolds war ei­ne ih­rer ers­ten Schü­le­rin­nen. Auch ver­hei­ra­tet war Tao 20 Jah­re lang, mit dem Ver­si­che­rungs­mak­ler Bill Lynch, bis er 1982 starb. Kin­der oder en­ge Ver­wand­te hat Por­chon-Lynch kei­ne. Und wenn Lan­ge­wei­le auf­kommt, lernt sie Ge­sell­schafts­tän­ze – mit 70 Jah­re jün­ge­ren Part­nern.

„Lasst Euch nicht von an­de­ren ein­re­den, dass Ihr et­was nicht könnt.“

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.