„Sir Rolf” hat die Royals im Blick

Rolf Seel­mann-Eg­ge­bert fei­ert am Sonn­tag sei­nen 80. Ge­burts­tag. Er ist Deutsch­lands be­kann­tes­ter Adels­ex­per­te.

Saarbruecker Zeitung - - PANORAMA - VON DORIT KOCH

HAMBURG (dpa) „Die Queen wird nicht ab­dan­ken“– Rolf Seel­man­nEg­ge­bert, seit Jahr­zehn­ten oft be­frag­ter Adels­ex­per­te, er­klärt es in In­ter­views im­mer wie­der. Ob zu­letzt bei dem Deutsch­land-Be­such oder dem 90. Ge­burts­tag von Eliz­a­beth II., stets be­tont er, dass sie ih­re Pflicht als Kö­ni­gin bis zum letz­ten Atem­zug wahr­neh­men wird. Die State­ments von „Sir Rolf“, wie ihn vie­le nen­nen, sind nicht nur bei sei­nem ARD-Hei­mat­sen­der ge­fragt, auch an­de­re Me­di­en las­sen sich gern von ihm die Kö­nigs­häu­ser er­klä­ren. 80 Jah­re alt wird er am Sonn­tag, ei­nen Tag vor dem 65. Ju­bi­lä­um der Thron­be­stei­gung der Queen. Sie wird nicht ab­dan­ken – und er?

„Ich füh­le mich eher wie 65, weil ich mei­ne Pen­sio­nie­rung gar nicht zur Kennt­nis ge­nom­men ha­be. Ich ha­be ein­fach wei­ter­ge­macht“, sagt er im In­ter­view in den Räu­men der Pro­duk­ti­ons­fir­ma Seel­mann­film, die sein Sohn Flo­ri­an in Hamburg führt. „Erst jetzt mer­ke ich, dass es an der Zeit ist, ein biss­chen we­ni­ger zu ar­bei­ten.“

Ein mög­li­ches roya­les High­light 2017 für ihn? Die Hoch­zeit von Prinz Har­ry und Meg­han Mark­le. „Bei Har­ry ist al­les mög­lich“, sagt er und lacht. Fest ste­hen an­de­re Termine für die­ses Jahr: der To­des­tag von Prin­zes­sin Dia­na, Mut­ter von Har­ry und Wil­li­am, jährt sich am 31. Au­gust zum 20. Mal. Und in Schwe­den fei­ert Kron­prin­zes­sin Vic­to­ria am 14. Ju­li ih­ren 40. Ge­burts­tag.

Das schwe­di­sche Kö­nigs­haus mit Kö­ni­gin Sil­via und ih­ren deut­schen Wur­zeln sei das, zu dem er den bes­ten Zu­gang ha­be, er­zählt er, am meis­ten be­rich­tet aber ha­be er über das eng­li­sche. Rück­blen­de: 1978 war der ARD-Jour­na­list für knapp vier Jah­re als TVKor­re­spon­dent und Stu­dio­lei­ter nach London ge­gan­gen. Im Ma­ga­zin „Rund um Big Ben“nahm er die Bri­ten un­ter die Lu­pe. Trä­ger des Or­dens „Com­man­der of the Bri­tish Em­pi­re (CBE)“und Eh­ren­mit­glied der Deutsch-Bri­ti­schen Ge­sell­schaft ist Seel­mann-Eg­ge­bert – vom Br­ex­it-Vo­tum fühlt er sich „per­sön­lich dü­piert“. „Ich ha­be mich vie­le Jah­re mei­nes be­ruf­li­chen Le­bens auch um die deutsch-bri­ti­sche Ver­stän­di­gung ge­küm­mert.“

Auch nach acht Jah­ren als Fern­seh­pro­gramm­di­rek­tor beim Nord­deut­schen Rund­funk (NDR) – in je­ne Zeit fiel die Sil­ves­ter­pan­ne 1986, als der NDR in der ARD die Neu­jahrs­an­spra­che des da­ma­li­gen Bun­des­kanz­lers Hel­mut Kohl vom Vor­jahr wie­der­hol­te – ging er 1990 wie­der ins Reich der Queen. Hat sei­ne dis­tin­gu­ier­te Art nicht selbst et­was Blau­blü­ti­ges?, hieß es im­mer wie­der über ihn. Der Klap­per­storch müs­se sich da­mals ver­flo­gen ha­ben und ha­be nicht in Ber­lin, son­dern in ei­ner eng­li­schen Graf­schaft lan­den wol­len, sag­te Ex-„heu­te-jour­nal“-Mo­de­ra­tor Wolf von Lo­je­w­ski in ei­nem frü­he­ren TV-Porträt über ihn.

Für vie­le ge­hört Seel­mann-Eg­ge­bert zu roya­len Trau­un­gen wie Kro­ne und Kir­che. Ob 1981 Charles und Dia­na oder 2011 Wil­li­am und Ka­te – kaum ein kö­nig­li­ches Ja­wort im Fern­se­hen oh­ne ihn. „Ich wer­de si­cher nicht Nein sa­gen, wenn wie­der et­was Wich­ti­ges an­steht“, sagt er. Aber: „Die Zeit, die man noch hat, muss man sich auch ein biss­chen ein­tei­len“, gibt er zu be­den­ken, „und da­zu ge­hört für mich auch Afri­ka“.

Denn jen­seits von Glanz und Gla­mour mach­te der Jour­na­list im­mer wie­der auf Ar­mut und Hun­ger in der Drit­ten Welt auf­merk­sam. Auch wenn sei­ne ei­ge­ne Zeit dort lan­ge zu­rück­liegt: Von 1968 bis 1976 ar­bei­te­te er als ARDRe­por­ter in Afri­ka. Er ha­be das Ge­fühl, dass er sich auf sei­ne al­ten Ta­ge noch ein­mal da­mit be­fas­sen soll­te. „Die Be­völ­ke­rungs­zahl dort wächst enorm“, sagt das Stif­tungs­rats­mit­glied der Deut­schen Stif­tung Welt­be­völ­ke­rung.

Doch erst ein­mal steht der 80. an – mög­lichst oh­ne per­sön­li­che Ge­schen­ke, wenn es nach dem drei­fa­chen Va­ter geht. „Es gibt noch zu vie­le un­ge­le­se­ne Bü­cher und nicht ge­hör­te CDs“, sagt er. Sei­ne Frau küm­me­re sich um ei­ne af­gha­ni­sche Flücht­lings­fa­mi­lie, Spen­den da­für wä­ren die bes­ten Ge­schen­ke.

Das NDR-Fern­se­hen wür­digt den Ge­burts­tag sei­nes Adels­ex­per­ten mit dem Porträt „Der Chro­nist der Kö­ni­ge – Rolf Seel­mann Eg­ge­bert wird 80“. Der Film, den der Sen­der am Sonn­tag um 14.30 Uhr zeigt, lässt das Pu­bli­kum an sei­nen wich­tigs­ten Er­leb­nis­sen und Be­geg­nun­gen teil­ha­ben, wie der NDR mit­teil­te.

FO­TOS: DPA

Der Adels­ex­per­te hin­ter sei­nem Schreib­tisch in den Räu­men sei­ner Pro­duk­ti­ons­fir­ma in Hamburg.

„Sir Rolf“mit der Kö­ni­gin Sil­via von Schwe­den im Jahr 1997.

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