Auf den Spu­ren des Salz­berg­baus

Statt hoch hin­auf in die Al­pen kön­nen Rei­sen­de des Berch­tes­ga­de­ner Lan­des in Ober­bay­ern auch 130 Me­ter in die Tie­fe fah­ren: Im 500 Jah­re al­ten Salz­berg­werk Berch­tes­ga­den ler­nen Be­su­cher das Le­ben un­ter Ta­ge ken­nen.

Saarbruecker Zeitung - - REISE - VON LA­RIS­SA LOGES

BERCH­TES­GA­DEN Im schwar­zen Schutz­an­zug mit wei­ßen Warn­strei­fen füh­len sich Be­su­cher wie ech­te Gru­ben­ar­bei­ter. „Glück auf“, sagt die Ein­wei­se­rin, ge­folgt von „Auf­stei­gen, im Rei­ter­sitz“. Und dann geht es auch schon los: 650 Me­ter fährt die klei­ne, grü­ne Elek­tro­bahn in den Berg hin­ein. Ge­nau­er ge­sagt zu­nächst ein­mal in die Salz­ka­the­dra­le, die dem da­ma­li­gen Kai­ser Franz I von Ös­ter­reich ge­wid­met wur­de und den Na­men „Kai­ser-Franz-Sink­werk“trägt. Nach­dem es kurz ein Stück zu Fuß wei­ter­geht, er­war­tet die Frei­zeit­berg­leu­te ei­ne Holz­rut­sche, die sie wei­te­re 34 Me­ter in die Tie­fe führt.

Das Salz­berg­werk Berch­tes­ga­den ist das äl­tes­te ak­ti­ve Berg­werk Deutsch­lands und bie­tet Ein­bli­cke in die 500-jäh­ri­ge Ge­schich­te des Salz­ab­baus. Im Jahr 1517 wur­de hier der ers­te Stol­len an­ge­schla­gen. Heu­te ar­bei­ten noch 50 ak­ti­ve Berg­leu­te un­ter Ta­ge, er­zählt Pe­ter Botz­lei­ner-Re­ber, Tou­ris­mus-Lei­ter beim Salz­berg­werk. Kein Ver­gleich zu den rund 360 000 Be­su­chern pro Jahr.

Die Zei­t­rei­se un­ter Ta­ge führt zum Spie­gel­see, der den tiefs­ten Punkt der Be­su­ch­er­füh­rung mar­kiert. Sein Salz­ge­halt liegt bei knapp 30 Pro­zent und ist da­mit bei­na­he so hoch wie der des To­ten Mee­res (33 Pro­zent). Auf ei­ne Floß­fahrt über den 100 Me­ter lan­gen un­ter­ir­di­schen See fol­gen In­for­ma­tio­nen zur Sal­zent­ste­hung, Berg­knap­pen­uni­for­men mit „Ar­sch­le­der“und Schacht­hut, gro­ßen Ma­schi­nen, end­lo­sen Pi­pe­lines und Wet­ter­schäch­ten. Noch ei­ne Rut­sche und ein Auf­zug, und schon spuckt die Gru­ben­bahn die Be­su­cher wie­der aus.

We­ni­ger aben­teu­er­lich, aber nicht min­der loh­nens­wert ist ein Be­such im Salz­heil­stol­len des Berg­werks. Der wur­de im Jahr 1990 für die Be­hand­lung von Atem­wegs­er­kran­kun­gen wie Asth­ma, Bron­chi­tis oder Heu­schnup­fen ge­baut und ist in We­st­eu­ro­pa der ein­zi­ge sei­ner Art.

Mit Ku­schel­de­cke geht es für die Be­su­cher auf ei­ne der 70 Lie­gen am So­le­brun­nen. Die Luft­tem­pe­ra­tur im Salz­heil­stol­len liegt zwi­schen zwölf und 14 Grad. Klei­ne Lam­pen schim­mern in gel­ben, ro­ten und grü­nen Far­ben. Bei ei­ner Luft­feuch­tig­keit von 85 Pro­zent fin­den Be­su­cher Ru­he und Er­ho­lung im 260 Mil­lio­nen Jah­re al­ten Salz­stock. Sanf­tes Was­ser­rau­schen, Sphä­ren­klän­ge und ein Glas kal­tes Was­ser sol­len das Wohl­be­fin­den stär­ken. Für Be­su­cher, die an chro­ni­schen Atem­weg­skrank­hei­ten lei­den, ge­be es ei­ne zu­sätz­li­che The­ra­pie, die an­ti­all­er­gisch und be­ru­hi­gend auf die Atem­we­ge wir­ken soll, er­klärt Jan von Wer­t­hern vom Heil­stol­len-Mar­ke­ting.

FO­TO: SALZ­BERG­WERK BERCH­TES­GA­DEN

Auf den 70 Lie­gen am So­le­brun­nen fin­den Be­su­cher im Salz­heil­stol­len Berch­tes­ga­den Ru­he und Ent­span­nung.

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