Zwei Drit­tel der Deut­schen für Ver­bleib in EU

Die EU-Skep­sis in vie­len Län­dern mag wach­sen. Die Deut­schen blei­ben Eu­ro­pa laut ei­ner Um­fra­ge treu. Doch der Bun­des­prä­si­dent for­dert mehr Be­geis­te­rung.

Saarbruecker Zeitung - - ERSTE SEITE -

BRÜS­SEL/MAAS­TRICHT (afp/dpa) Groß­bri­tan­ni­en be­rei­tet sich auf den Br­ex­it vor, in Frank­reich ist die rechts­ex­tre­me Par­tei Front Na­tio­nal mit ei­ner An­ti-EU-Kam­pa­gne im Auf­wind. Ei­ne deut­li­che Mehr­heit der Deut­schen will hin­ge­gen in der EU blei­ben und hält auch die Na­to wei­ter für wich­tig. In ei­ner Re­prä­sen­ta­tiv-Um­fra­ge des Mei­nungs­for­schungs­in­sti­tuts You­Gov ga­ben knapp zwei Drit­tel der Be­frag­ten an, bei ei­nem Re­fe­ren­dum für ei­nen Ver­bleib der Bun­des­re­pu­blik in der Eu­ro­päi­schen Uni­on stim­men zu wol­len. 26 Pro­zent wür­den für ei­nen Aus­tritt vo­tie­ren. Hier­zu­lan­de sind Volks­ab­stim­mun­gen auf Bun­des­ebe­ne recht­lich al­ler­dings nicht vor­ge­se­hen.

Im Ver­gleich mit den EU-Län­dern Dä­ne­mark, Schwe­den und Finn­land, in de­nen eben­falls Men­schen nach ih­rer Ein­stel­lung zur Eu­ro­päi­schen Uni­on be­fragt wur­den, liegt da­mit die Zu­stim­mung in Deutsch­land am höchs­ten. Für Frank­reich lie­gen nur Um­fra­ge-Er­geb­nis­se von De­zem­ber vor: Dem­nach war we­ni­ger als die Hälf­te der Fran­zo­sen (45 Pro­zent) für ei­nen Ver­bleib in der EU. 35 Pro­zent hät­ten für ei­nen Aus­tritt ge­stimmt. Im April und Mai wird in Frank­reich ein neuer Prä­si­dent ge­wählt. Die Kan­di­da­tin des rechts­ex­tre­men Front Na­tio­nal, Ma­ri­ne Le Pen, hat an­ge­kün­digt, im Fal­le ei­nes Sie­ges ein Re­fe­ren­dum über ei­nen Aus­tritt Frank­reichs aus der EU („Fr­ex­it“) an­zu­set­zen.

Auch die Na­to spielt in den Au­gen von knapp zwei Drit­teln der Be­frag­ten in Deutsch­land wei­ter ei­ne wich­ti­ge Rol­le bei der Ver­tei­di­gung west­li­cher Län­der. 15 Pro­zent hin­ge­gen hal­ten die west­li­che Mi­li­tär­al­li­anz nicht län­ger für be­deut­sam. Da­mit mes­sen die Deut­schen dem Ver­tei­di­gungs­bünd­nis ei­ne ge­rin­ge­re Be­deu­tung bei als die Be­frag­ten aus den meis­ten an­de­ren un­ter­such­ten Län­dern. Ein­zig in Frank­reich hal­ten die Stu­di­en­teil­neh­mer die Na­to für un­wich­ti­ger.

Der­weil hat Bun­des­prä­si­dent Joa­chim Gauck an­läss­lich der Un­ter­zeich­nung des EU-Grün­dungs­ver­trags vor 25 Jah­ren mehr En­ga­ge­ment für das eu­ro­päi­sche Pro­jekt ge­for­dert. „Las­sen Sie uns Eu­ro­pa wie­der stär­ker zu un­se­rer ei­ge­nen Sa­che ma­chen, zur Sa­che der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger“, sag­te Gauck bei ei­nem Fest­akt in der Uni­ver­si­tät Maas­tricht. Zur­zeit wer­de die EU „von Kri­sen und Zwei­feln er­schüt­tert“, sag­te Gauck. Die Be­geis­te­rung für Eu­ro­pa müs­se neu be­lebt wer­den. „Die Eu­ro­päi­sche Uni­on kann nicht im Al­lein­gang der Eli­ten ge­stal­tet wer­den“, sag­te der Bun­des­prä­si­dent. Der Maas­tricht-Ver­trag über die Eu­ro­päi­sche Uni­on war am 7. Fe­bru­ar 1992 un­ter­zeich­net wor­den. Er grün­de­te 1993 die EU als po­li­ti­sche Or­ga­ni­sa­ti­on und wei­te­te die Zu­sam­men­ar­beit auf Au­ßen- und Si­cher­heits­po­li­tik so­wie Jus­tiz und In­ne­res aus.

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