Deutsch­land setzt auf Wind

Bun­des­weit dre­hen sich schon 27 000 Wind­rä­der. Die Bran­che boomt – noch.

Saarbruecker Zeitung - - THEMEN DES TAGES - VON WER­NER KOLHOFF

BER­LIN Es ist vi­el­leicht ei­ne klei­ne Tor­schluss­pa­nik: In Deutsch­land wer­den zur­zeit mas­sen­haft Wind­rä­der auf­ge­stellt. Mit ei­ner neu in­stal­lier­ten Leis­tung von 4625 Me­ga­watt, ver­teilt auf 1624 An­la­gen, liegt die Bi­lanz des letz­ten Jah­res nur ganz knapp hin­ter dem Re­kord­jahr 2014. Für 2017 wird so­gar ein All­zeit­hoch er­war­tet; 6100 Me­ga­watt Neu­bau­vo­lu­men sind be­reits ge­neh­migt. Spä­tes­tens ab 2018 aber er­war­tet die Bran­che ei­nen deut­li­chen Dämp­fer.

Ins­ge­samt dre­hen sich in Deutsch­land jetzt 27 270 Wind­rä­der, da­von je­des fünf­te in Nie­der­sa­chen. Dort ka­men al­lein im letz­ten Jahr 312 da­zu, ge­folgt von Schles­wig-Hol­stein (plus 217), Nord­rhein-West­fa­len (plus 211) und Bran­den­burg (plus 173). Auf dem fünf­ten Platz liegt beim Zu­bau er­staun­li­cher­wei­se Ba­denWürt­tem­berg mit 124 neu­en An­la­gen. Das ist mehr als ei­ne Ver­dopp­lung ge­gen­über dem Vor­jahr. Die Po­li­tik der von den Grü­nen ge­führ­ten Lan­des­re­gie­rung macht sich jetzt be­merk­bar. Bun­des­wei­tes Schluss- und Sor­gen­kind der Bran­che ist wei­ter­hin Sach­sen, wo die Wi­der­stän­de ge­gen die Wind­ener­gie im­mer groß wa­ren.

Bay­ern lag mit 124 Neu­bau­ten im letz­ten Jahr auf Platz sechs – wohl zum letz­ten Mal. Künf­tig müs­sen die An­la­gen dort näm­lich ei­nen Ab­stand des Zehn­fa­chen ih­rer Hö­he von Sied­lun­gen ein­hal­ten, was die Zahl der Ge­neh­mi­gun­gen stark ver­rin­gern dürf­te. Die ma­xi­ma­le Ge­samt­leis­tung al­ler An­la­gen be­trägt jetzt fast 46 000 Me­ga­watt – auf dem Pa­pier. Weil der Wind nicht im­mer bläst, lag die rea­le Strom­aus­beu­te im Jah­res­mit­tel bei nur 17 Pro­zent der Ka­pa­zi­tät. In den Win­ter­mo­na­ten geht das bis 30 Pro­zent hoch, in den Som­mer­mo­na­ten bis zehn Pro­zent run­ter. Ins­ge­samt trug der an Land er­zeug­te Wind­strom mit elf Pro­zent zur De­ckung des Ge­samt­strom­be­darfs bei.

Ab 2019 flaut der Zu­bau-Wind üb­ri­gens deut­lich ab – die Po­li­tik hat der Bran­che näm­lich nur noch 2900 Me­ga­watt Neu­an­la­gen pro Jahr be­wil­ligt, für die die Bau­ge­neh­mi­gun­gen nach ei­nem Bie­ter­ver­fah­ren er­teilt wer­den. Wer die ge­rings­ten Strom­kos­ten nach­wei­sen kann, be­kommt den Zu­schlag. Weil ab 2020 im­mer mehr un­ren­ta­ble Alt­an­la­gen vom Netz ge­hen wer­den, könn­te es nach An­ga­ben des Bun­des­ver­ban­des Wind­ener­gie mit­tel­fris­tig so­gar zu ei­nem Rück­gang der Wind­ener­gie in Deutsch­land kom­men, denn die vor­ge­ge­be­nen Neu­bau­kon­tin­gen­te reich­ten zur Kom­pen­sa­ti­on nicht aus. Sor­gen um die in­zwi­schen 135 000 Ar­beits­plät­ze hat die Bran­che gleich­wohl nicht.

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