Is­ra­el geht in die Of­fen­si­ve

Mit dem neu­en Sied­lungs­ge­setz für das West­jor­dan­land sorgt die Re­gie­rung Ne­tan­ja­hu für mas­si­ve Kri­tik.

Saarbruecker Zeitung - - THEMEN DES TAGES - VON STEFANIE JÄR­KEL UND LAU­RENT LOZANO

TEL AVIV (dpa/afp) Tau­sen­de neuer Woh­nun­gen für jü­di­sche Sied­ler im West­jor­dan­land und in Os­tJe­ru­sa­lem. Die Grün­dung ei­ner neu­en Sied­lung. Und nun ein Ge­setz, das Sied­lun­gen im West­jor­dan­land nach­träg­lich le­ga­li­siert. Al­le paar Ta­ge gibt es neue Meldungen aus Is­ra­el, die in­ter­na­tio­nal für Kri­tik sor­gen. Mit dem Ge­setz wer­de ei­ne „sehr brei­te ro­te Li­nie“über­schrit­ten, er­klär­te der UN-Son­der­ge­sand­te Ni­ko­lai Mla­de­now ges­tern. Das am Mon­tag­abend von der Knes­set be­schlos­se­ne Ge­setz ber­ge die Mög­lich­keit ei­ner „vol­len Anne­xi­on des West­jor­dan­lan­des“und un­ter­gra­be da­mit die Zwei-Staa­ten-Lö­sung. Pa­läs­ti­nen­ser­prä­si­dent Mahmud Ab­bas sprach von ei­nem „An­griff auf un­ser Volk“.

Die Knes­set-Ab­ge­ord­ne­ten hat­ten mit 60 ge­gen 52 Stim­men ein Ge­setz ver­ab­schie­det, mit dem il­le­ga­le Sied­ler-Au­ßen­pos­ten auf pa­läs­ti­nen­si­schem Pri­vat­land nach­träg­lich für recht­mä­ßig er­klärt wer­den. Für die Pa­läs­ti­nen­ser ist ei­ne fi­nan­zi­el­le Ent­schä­di­gung oder die Zu­tei­lung von Er­satz-Land­flä­chen vor­ge­se­hen.

Seit dem Amts­an­tritt von USPrä­si­dent Trump ge­bär­det sich Is­ra­els rechts-re­li­giö­se Re­gie­rung, als sei­en al­le Schran­ken ge­fal­len. Selbst die jüngs­te Dis­tan­zie­rung der USA ge­gen­über der Sied­lungs­po­li­tik bremst sie nicht. Nach dem schwie­ri­gen Ver­hält­nis mit Trumps Vor­gän­ger Ba­rack Oba­ma hofft Mi­nis­ter­prä­si­dent Ben­ja­min Ne­tan­ja­hu wei­ter auf Un­ter­stüt­zung für den Sied­lungs­aus­bau.

Is­ra­el hat­te 1967 im Sechs­ta­ge­krieg un­ter an­de­rem das West­jor­dan­land und Ost-Je­ru­sa­lem er­obert. Mitt­ler­wei­le le­ben dort rund 600 000 Is­rae­lis in mehr als 200 Sied­lun­gen – zwi­schen rund 2,9 Mil­lio­nen Pa­läs­ti­nen­sern.

Kri­ti­ker wie die Men­schen­rechts­or­ga­ni­sa­ti­on Pe­ace Now wer­fen Ne­tan­ja­hu vor, mit den ak­tu­el­len Ent­schei­dun­gen vor al­lem von sei­nen ei­ge­nen Pro­ble­men ab­len­ken zu wol­len: den Vor­wür­fen ge­gen ihn we­gen Vor­teils­nah­me. Seit Mo­na­ten treibt Ne­tan­ja­hu auch sein re­gie­rungs­in­ter­ner Kon­kur­rent, der ul­tra-rech­te Bil­dungs­mi­nis­ter Nafta­li Ben­nett (Sied­ler­par­tei), mit im­mer ra­di­ka­le­ren Vor­stö­ßen vor sich her. Sein Ziel: Die An­nek­tie­rung von wei­ten Tei­len des West­jor­dan­lan­des.

Ne­tan­ja­hu hat­te nach Me­dien­be­rich­ten noch ver­sucht, die Ab­stim­mung über das Ge­setz zur nach­träg­li­chen Le­ga­li­sie­rung von Sied­lun­gen zu ver­schie­ben. Be­grün­dung: Das Ge­setz müs­se mit Trump ab­ge­spro­chen wer­den. Is­ra­els Ge­ne­ral­staats­an­walt Avich­ai Man­delblit hat un­ter­des­sen be­reits er­klärt, das Ge­setz ver­sto­ße sei­ner An­sicht nach ge­gen is­rae­li­sches und in­ter­na­tio­na­les Recht. Er wer­de es im Fal­le ei­nes Ver­fah­rens nicht vor dem Höchs­ten Ge­richt Is­ra­els ver­tei­di­gen.

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