Schwe­res Ge­schütz: Wie Trump den Me­di­en die Eh­re ab­spricht

Saarbruecker Zeitung - - THEMEN DES TAGES - VON MAR­TIN BIALE­CKI

WA­SHING­TON (dpa) Do­nald Trump, das kann man si­cher sa­gen, hat welt­weit das Me­di­en­nut­zungs­ver­hal­ten am Mor­gen ge­än­dert. Was hat er get­wit­tert? Wen be­lo­bigt, wen be­schimpft? Die­ser Klein­krieg mit den Me­di­en, er ist für den Prä­si­den­ten All­tag ge­wor­den. Er lässt auch die un­ge­wöhn­lichs­ten und ferns­ten An­läs­se nicht aus, um die „Ver­sa­ger der New York Ti­mes“zu be­schimp­fen, „Fa­ke News CNN“, ABC oder MSNBC. Was Trump aber ges­tern in Tam­pa aus­pack­te, war noch schwe­re­res Ge­schütz. Bei Ter­ror­an­schlä­gen ge­be es ak­ti­ve Nach­rich­ten­un­ter­drü­ckung, raun­te er mit dunk­lem Blick vor Mi­li­tärs, man wis­se schon war­um. Ei­ne Qu­el­le oder ei­nen Be­weis nann­te der mäch­tigs­te Mann der Welt nicht. Das Wei­ße Haus lie­fer­te spä­ter ei­ne Lis­te mit 78 An­schlä­gen nach, über die nicht aus­rei­chend be­rich­tet wor­den sei. Dar­un­ter die Atta­cken in Ber­lin, Pa­ris und Niz­za mit vie­len To­ten. Es gibt ein be­rühm­tes Zitat: Das Ers­te, was im Krieg stirbt, ist die Wahr­heit.

Me­di­en in den USA weh­ren sich. Be­rich­ten nach Kräf­ten, was ist. Stu­di­en zei­gen, dass Trumps Tak­tik, den Me­di­en die Eh­re ab­zu­spre­chen, in sei­ner An­hän­ger­schaft zum ei­nen bes­tens ver­fängt. Zum an­de­ren ist vie­len des Prä­si­den­ten Krieg mit den Me­di­en nur fer­ner Ge­schütz­don­ner von der Ost­küs­te. Sie se­hen

Fox News und le­sen Breit­bart. „New York Ti­mes“, CNN oder MSNBC neh­men sie gar nicht wahr. An­ders als Trump. Denn bei al­lem Get­wit­ter, Trump ist ein Kind des Fern­se­hens. Er be­herrscht das Me­di­um per­fekt. Fünf­ein­halb St­un­den sieht der durch­schnitt­li­che Ame­ri­ka­ner täg­lich fern. Auch dar­auf grün­det der Prä­si­dent sei­ne Stra­te­gie, in­sze­niert sich mög­lichst viel vor Ka­me­ras. Die be­harr­lich lau­fen­den Bil­der ver­mit­teln den Ein­druck ei­nes ge­schäf­ti­gen, flei­ßi­gen Prä­si­den­ten. Me­di­en­wis­sen­schaft­ler Neil Post­man: „Pro­ble­ma­tisch am Fern­se­hen ist nicht, dass es uns un­ter­halt­sa­me The­men prä­sen­tiert, pro­ble­ma­tisch ist, dass es je­des The­ma als Un­ter­hal­tung prä­sen­tiert.“

Ge­än­dert hat sich ei­ni­ges im täg­li­chen Brie­fing des Wei­ßen Hau­ses. Spre­cher Se­an Spi­cer hält es knap­per, was nicht schlecht sein muss. Er hat aber in In­ter­views klar­ge­stellt, dass er von sei­nem um­strit­te­nen Pre­mie­re-An­pfiff-Auf­tritt ge­gen die Me­di­en nichts zu­rück­zu­neh­men ha­be. Spi­cer lässt aber Nach­fra­gen zu, ant­wor­tet oft sehr scharf. Und man kann sich jetzt on­line zu­schal­ten. Sky­pe-Kon­fe­ren­zen sind vie­ler­orts All­tag, im Wei­ßen Haus sind sie neu. Min­des­tens zwei Ra­dio- oder TV-Men­schen aus Ohio, Te­xas oder Flo­ri­da kön­nen nun li­ve fra­gen. Hilf­reich im Sin­ne der Auf­klä­rung ist das nur be­grenzt. „Ver­gesst die­sen ver­meint­li­chen Zu­gangs-Jour­na­lis­mus“, for­dert Jay Ro­sen von der New York Uni­ver­si­ty. „Lasst das die Prak­ti­kan­ten ma­chen. Küm­mert euch um das wirk­lich Wich­ti­ge.“Das dürf­te Trumps Chef­stra­te­ge Ste­ve Ban­non ver­hin­dern wol­len.

FO­TO: AFP

Trump sa­lu­tiert vor den Mi­li­tärs und be­rich­tet von ak­ti­ver Nach­rich­ten­un­ter­drü­ckung.

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