„Wir wer­den eng zu­sam­men­ar­bei­ten”

Trotz Un­stim­mig­kei­ten: Die Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel und Po­lens Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Bea­ta Szydlo sind um ei­ne star­ke Ach­se be­müht.

Saarbruecker Zeitung - - POLITIK - VON KRIS­TI­NA DUNZ UND MICHA­EL FI­SCHER

WAR­SCHAU (dpa) Bun­des­kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel (CDU) hat Po­lens rechts­kon­ser­va­ti­ve Re­gie­rung zur Wah­rung der Rech­te der Op­po­si­ti­on, Jus­tiz, Ge­werk­schaf­ten und Me­di­en auf­ge­ru­fen. Zu­gleich warb sie ges­tern bei Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Bea­ta Szydlo in War­schau trotz be­ste­hen­der Pro­ble­me im deutsch-pol­ni­schen Ver­hält­nis für en­ge Be­zie­hun­gen so­wie den Zu­sam­men­halt der 27 Staa­ten der Eu­ro­päi­schen Uni­on nach dem an­ge­kün­dig­ten Aus­tritt Groß­bri­tan­ni­ens. Szydlo, die kurz nach ih­rem Amts­an­tritt Mer­kels Flücht­lings­po­li­tik scharf kri­ti­siert hat­te, ver­si­cher­te ihr: „Wir wer­den sehr eng zu­sam­men­ar­bei­ten.“

Mit dem Br­ex­it ver­liert die pol­ni­sche Re­gie­rung ih­ren nach ei­ge­nen An­ga­ben wich­tigs­ten EUPart­ner und muss sich Ex­per­ten zu­fol­ge um ein bes­se­res Ver­hält­nis zu Deutsch­land be­mü­hen. Seit Aus­bruch der Ukrai­ne­kri­se fühlt sich Po­len von Mos­kau be­droht. Mer­kel und Szydlo spra­chen sich für die Auf­recht­er­hal­tung der Sank­tio­nen ge­gen Russ­land aus. Die­se könn­ten nur ge­lo­ckert wer­den, wenn es Fort­schrit­te bei der Um­set­zung des Mins­ker Frie­dens­ab­kom­mens für die Ost­ukrai­ne ge­be. Dort kommt es der­zeit wie­der zu Kämp­fen zwi­schen pro­rus­si­schen Se­pa­ra­tis­ten und ukrai­ni­schen Re­gie­rungs­trup­pen. USPrä­si­dent Do­nald Trump hat­te ei­ne De­bat­te über ei­ne Lo­cke­rung der Sank­tio­nen er­öff­net.

Deut­sche Po­li­ti­ker hat­ten Mer­kel vor dem Be­such auf­ge­ru­fen, De­mo­kra­tie­ver­stö­ße der pol­ni­schen Re­gie­rung zu kri­ti­sie­ren. Mer­kel er­in­ner­te dann in War­schau in ei­ner „sehr per­sön­li­chen“Er­klä­rung an ihr Le­ben in der DDR oh­ne un­ab­hän­gi­ge Jus­tiz und Me­di­en so­wie die Hoff­nung auf die Frei­heits­be­we­gung im so­zia­lis­ti­schen Po­len durch die Ge­werk­schaft So­li­dar­nosc.

Mer­kel: „Die So­li­dar­nosc hat auch mein Le­ben ge­prägt.“Oh­ne sie hät­te es wo­mög­lich we­der die eu­ro­päi­sche Ei­ni­gung und das En­de des Kal­ten Krie­ges noch die deut­sche Ein­heit so schnell ge­ge­ben, sag­te Mer­kel. „Aus die­ser Zeit wis­sen wir, wie wich­tig plu­ra­le Ge­sell­schaf­ten sind, wie wich­tig ei­ne un­ab­hän­gi­ge Jus­tiz und Me­di­en sind. Denn das hat da­mals al­les ge­fehlt.“Sie wün­sche sich, dass die Kon­sul­ta­tio­nen der pol­ni­sche

„Die So­li­dar­nosc

hat auch mein Le­ben ge­prägt.“

An­ge­la Mer­kel

in War­schau über ihr Le­ben in der DDR

Re­gie­rung und der EU-Kom­mis­si­on gut vor­an­kom­men. Die EUKom­mis­si­on führt ein Ver­fah­ren ge­gen War­schau we­gen mög­li­cher Ver­stö­ße ge­gen die Rechts­staat­lich­keit. Kri­ti­ker sa­gen, mit ih­ren Re­for­men ha­be die Re­gie­rungs­par­tei Recht und Ge­rech­tig­keit PiS das Ver­fas­sungs­ge­richt so­wie öf­fent­lich-recht­li­che Me­di­en un­ter ih­re Kon­trol­le ge­bracht.

Mer­kel woll­te ges­tern Abend auch mit PiS-Chef Ja­roslaw Kac­zyn­ski spre­chen, der kein Re­gie­rungs­amt in­ne hat, aber als Po­lens mäch­tigs­ter Mann gilt. Eben­so wa­ren Ge­sprä­che mit den Op­po­si­ti­ons­par­tei­en Bür­ger­platt­form (PO) und PSL so­wie der deut­schen Min­der­heit ge­plant.

Die po­li­ti­sche Zu­kunft des pol­ni­schen EU-Rats­vor­sit­zen­den Do­nald Tusk in Brüs­sel ist Szydlo zu­fol­ge noch nicht ge­klärt. „Es ist noch zu früh, um ei­nen end­gül­ti­gen Stand­punkt vor­zu­stel­len.“ Dies hän­ge mit der Zu­kunft Eu­ro­pas und den an­ste­hen­den Re­for­men zu­sam­men. „Wir wer­den recht­zei­tig be­reit sein“, sag­te sie.

Der 59-jäh­ri­ge Tusk ist seit gut zwei Jah­ren EU-Rats­chef. Er möch­te ger­ne wei­ter­ma­chen und Mer­kel un­ter­stützt die­ses Vor­ha­ben. Tusk gilt als Mer­kel-Ver­trau­ter. Die PiS ist bis­her ge­gen ei­ne Wie­der­wahl des ehe­ma­li­gen li­be­ral-kon­ser­va­ti­ven pol­ni­schen Mi­nis­ter­prä­si­den­ten.

FO­TO: AFP

Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel und Mi­nis­ter­prä­si­den­tin Bea­ta Szydlo bei der Will­kom­mens-Ze­re­mo­nie in War­schau.

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