Ge­ne­ral Electric schließt Werk Bex­bach

Trotz ei­nes lan­gen Kamp­fes der über 160 Mit­ar­bei­ter gibt es kei­ne Zu­kunft für den Stand­ort. En­de 2017 ist Schluss.

Saarbruecker Zeitung - - WIRTSCHAFT - VON THO­MAS SPONTICCIA

BEX­BACH Fas­sungs­lo­ses Ent­set­zen spie­gelt sich in den Ge­sich­tern der Mit­ar­bei­ter des Bex­ba­cher Werks von Ge­ne­ral Electric. Vie­le bli­cken ins Lee­re, an­de­re kämp­fen ge­gen Trä­nen, ei­ner macht sei­nem Frust laut Luft: „Was soll ich sa­gen? Ich ha­be ge­ra­de mei­ne Ar­beit ver­lo­ren. Nach 30 Jah­ren. Ich könn­te durch­dre­hen.“Kol­le­gen ver­su­chen ihn zu be­ru­hi­gen. Zu­vor hat die Werks­lei­tung auf ei­ner Be­triebs­ver­samm­lung den end­gül­ti­gen Schlie­ßungs­be­schluss zum Jah­res­en­de ver­kün­det. Dies trotz ei­nes über ein­jäh­ri­gen er­bit­ter­ten Kamp­fes der Be­leg­schaft um ih­re Ar­beits­plät­ze in­klu­si­ve Vor­schlä­gen, wie man das Werk mit neu­en Pro­duk­ten auf dem Markt für Flug­zeug­tur­bi­nen po­si­tio­nie­ren könn­te. Vor­schlä­ge, die bis zur Lan­des­re­gie­rung und so­gar Sig­mar Ga­b­ri­el in Ber­lin ge­lang­ten. Ver­ge­bens.

Als die Werk­lei­tung den Stand­ort ver­lässt, wird sie mit lau­ten Ru­fen „heim zu Ma­ma“ge­schickt. Nichts ha­be sie ge­tan, nichts un­ter­nom­men, um die Pro­duk­ti­on von Tur­bi­nen­schau­feln für die Kraft­werks­wirt­schaft zu ret­ten. Tho­mas May­er, der hier seit 38 Jah­ren als Sys­tem­be­trei­ber ar­bei­tet, fällt ein ver­nich­ten­des Ur­teil: „So ver­arscht und be­lo­gen wur­den wir noch nie.“Rund 85 Pro­zent der Be­leg­schaft, die jetzt noch da ist, ar­bei­te schon sehr lan­ge hier, teil­wei­se über meh­re­re Jahr­zehn­te hin­weg. „Wo will man mit 53 oder 55 Jah­ren noch ei­nen Ar­beits­platz fin­den?“, gibt May­er zu be­den­ken.

Of­fen­sicht­lich hat es das Ma­nage­ment ei­lig mit der Schlie­ßung. Wer so­fort geht, be­kommt ei­ne Ab­fin­dung, an­de­re kön­nen in ei­ne Trans­fer­ge­sell­schaft wech­seln, die mit ei­ner Wei­ter­qua­li­fi­zie­rung die Über­gangs­chan­cen in ei­nen an­de­ren Be­trieb ver­bes­sern soll. Wer kei­nes der bei­den An­ge­bo­te an­nimmt, muss noch im lau­fen­den Quar­tal mit ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kün­di­gung rech­nen.

Be­triebs­rats­chef Kai Mül­ler weiß seit dem 4. Ja­nu­ar 2016 vom Schlie­ßungs­be­schluss, denn er ge­hört auch dem eu­ro­päi­schen Be­triebs­rat von Ge­ne­ral Electric an. Über 100 Sit­zun­gen mit dem Ma­nage­ment ha­be es seit­dem ge­ge­ben in­klu­si­ve mas­si­ver Er­pres­sungs­ver­su­che, auch auf die Be­schäf­tig­ten in Bex­bach, so Mül­ler. Die Ame­ri­ka­ner hät­ten da­mit ge­droht, kein Geld für ei­nen So­zi­al­plan zur Ver­fü­gung zu stel­len, soll­te es Wi­der­stand ge­gen ei­ne Schlie­ßung schon Mit­te 2017 ge­ben. Erst der Gang zur Ei­ni­gungs­stel­le ha­be die jet­zi­ge Lö­sung ge­bracht – mit laut Mül­ler „gu­ten Ab­fin­dun­gen“. Das Un­ter­neh­men selbst teilt mit: „Wir sind sehr froh, dass wir die­sen Kom­pro­miss er­zie­len konn­ten“, sagt ein Spre­cher. „Der So­zi­al­plan fe­dert die Här­ten gut ab.“Auch am Schwes­ter­stand­ort Mann­heim fal­len 600 Stel­len weg, 700 blei­ben er­hal­ten. Theo­re­tisch sei der Ver­kauf in Bex­bach an ei­nen In­ves­tor im­mer noch mög­lich. „Mo­men­tan gibt es aber kei­nen In­ves­tor am Ho­ri­zont.“Die In­ves­to­ren, die bis­her In­ter­es­se si­gna­li­siert ha­ben, „ge­nüg­ten nicht un­se­ren An­sprü­chen für ei­nen se­riö­sen Bu­si­ness­plan“, sagt der Spre­cher. Be­triebs­rat Mül­ler wird da­ge­gen den Ver­dacht nicht los, dass Ge­ne­ral Electric das Werk nur von Al­st­om ge­kauft ha­be, um ei­nen läs­ti­gen Kon­kur­ren­ten zu be­sei­ti­gen.

Wie gespenstisch sich die La­ge dar­stellt, zeigt sich vor dem Werk. Dort ste­hen Kreu­ze, die blaue Werks­klei­dung tra­gen. Die Kreu­ze ste­hen für Kol­le­gen. Auf ei­nem Gr­ab­stein da­ne­ben ist zu le­sen: „Die Hoff­nung war von kur­zer Dau­er.“Wei­ter heißt es: „Die Ver­bre­cher sind nun be­kannt. Sie ha­ben uns ver­ra­ten und ver­kauft.“

FO­TOS: THORS­TEN WOLFF

Nach der Be­triebs­ver­samm­lung in Bex­bach gab es zahl­rei­che fas­sungs­lo­se Ge­sich­ter.

Be­triebs­rats­chef Mül­ler am Gr­ab­stein vor dem Werk. „Wir sind am En­de al­ler Mög­lich­kei­ten“, sagt er.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.