Grü­ne wer­fen RAG ju­ris­ti­sche Trick­se­rei­en vor

Die Frak­ti­on sieht den Berg­bau­kon­zern in der Pflicht, das Gru­ben­was­ser im Saar­land ewig zu pum­pen.

Saarbruecker Zeitung - - LANDESPOLITIK - VON NO­RA ERNST

SAAR­BRÜ­CKEN Ist der Berg­bau­kon­zern RAG ver­trag­lich ver­pflich­tet, das Gru­ben­was­ser im Saar­land ewig ab­zu­pum­pen oder nicht? Aus Sicht der Grü­nen-Land­tags­frak­ti­on lau­tet die Ant­wort ein­deu­tig Ja. Sie be­zieht sich da­bei auf den Erb­las­ten­ver­trag, der 2007 zwi­schen dem Saar­land, Nord­rhein-West­fa­len und der RAGStif­tung ab­ge­schlos­sen wur­de. Dar­in heißt es, die RAG müs­se ein Kon­zept zur „lang­fris­ti­gen Op­ti­mie­rung der Gru­ben­was­ser­hal­tung“ent­wi­ckeln. Doch was steckt hin­ter dem Be­griff? Aus Sicht der RAG be­inhal­tet dies auch die Mög­lich­keit, die Gru­ben kom­plett zu flu­ten.

Ge­nau das plant der Kon­zern in zwei Schrit­ten: Zu­nächst soll das Gru­ben­was­ser auf 320 Me­ter un­ter Null stei­gen, im zwei­ten Schritt soll es dann bei 190 Me­tern über Null in die Saar flie­ßen. Ge­neh­migt ist bis­lang we­der die ers­te noch die zwei­te Stu­fe, son­dern nur ei­ne Teil­flu­tung auf 400 Me­ter un­ter Null.

Die Grü­nen ver­ste­hen den Erb­las­ten­ver­trag je­doch als Ver­pflich­tung für die RAG, ewig zu pum­pen. „Die RAG ver­sucht, mit ju­ris­ti­schen Tricks hin­ter die­se ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung zu­rück­zu­fal­len, um die kom­plet­te Flu­tung der Schäch­te zu recht­fer­ti­gen“, sag­te Hu­bert Ul­rich (Grü­ne) ges­tern nach ei­ner Sit­zung des Un­ter­su­chungs­aus­schus­ses Gru­ben­was­ser, des­sen Vor­sit­zen­der er ist. Auch in ei­nem KPMG-Gut­ach­ten aus dem Jahr 2006, das dem Ver­trag zu­grun­de liegt, heißt es, die RAG ge­he „aus heu­ti­ger Sicht“von ei­ner „ewi­gen Gru­ben­was­ser­he­bung“aus.

RAG-Chef Bernd Tön­jes nann­te Ul­richs Vor­wür­fe „un­ver­schämt“und be­ton­te, dass das KPMG-Gut­ach­ten le­dig­lich den Fi­nanz­be­darf für die Still­le­gung der Gru­ben er­mit­teln soll­te. Da­bei sei man vom „Worst Ca­se“aus­ge­gan­gen: dass ewig ge­pumpt wer­den müs­se. Der Erb­las­ten­ver­trag ver­pflich­te die RAG, ei­ne op­ti­ma­le Lö­sung zu fin­den. Aus sei­ner Sicht sei die bes­te Lö­sung für die Um­welt die kom­plet­te Flu­tung, weil dann 70 Ki­lo­me­ter Fließ­ge­wäs­ser von Gru­ben­was­ser be­freit und der CO2-Aus­stoß weg­fal­len wür­de.

Die Wort­ge­fech­te im Aus­schuss wer­den von Mal zu Mal hit­zi­ger – was auch der nä­her­rü­cken­den Land­tags­wahl ge­schul­det sein dürf­te. CDU und SPD sind es leid, dass Ul­richs Fra­gen im­mer wie­der auf die kom­plet­te Flu­tung und das künf­ti­ge Vor­ha­ben der RAG ab­zie­len. „Lang­sam neigt sich un­se­re Ge­duld mit dem Aus­schuss­vor­sit­zen­den ih­rem En­de zu“, sag­te Magnus Jung (SPD). Un­ter­su­chungs­ge­gen­stand des Aus­schus­ses sei al­lein das zu­rück­lie­gen­de Han­deln der Lan­des­re­gie­rung, be­ton­te Jung. Und in die­ser Hin­sicht ha­be sich ge­zeigt, dass die Ge­neh­mi­gung des An­stiegs auf -400 Me­ter dem Erb­las­ten­ver­trag nicht wi­der­spre­che. Er warf Ul­rich vor, sei­ne Rol­le als Aus­schuss­vor­sit­zen­der zu miss­brau­chen, um Wahl­pro­pa­gan­da zu be­trei­ben.

Zwei Mal wird der U-Aus­schuss vor der Land­tags­wahl noch ta­gen. Dann wird auch Ex-Mi­nis­ter­prä­si­dent Pe­ter Mül­ler (CDU), der ges­tern we­gen Ter­min­pro­ble­men nicht er­schien, be­fragt wer­den.

FO­TO: ROLF VENNENBERND/DPA

Bernd Tön­jes

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