Stadt­rat stimmt Wild­tier­ver­bot in Saar­brü­cken zu

Frak­tio­nen un­ter­stüt­zen den Zir­kus-An­trag der FDP. Die Mehr­heit im Stadt­rat stimm­te au­ßer­dem ge­gen die Wind­kraft­plä­ne in Gers­wei­ler.

Saarbruecker Zeitung - - ZEITUNG FÜR SAARBRÜCKEN - VON MAR­KUS SAEFTEL

SAAR­BRÜ­CKEN Zir­kus­se mit Wild­tie­ren wer­den aus Saar­brü­cken ver­bannt. Die Stadt darf ih­nen kei­ne Flä­chen mehr zur Ver­fü­gung stel­len. Das hat ges­tern Abend der Stadt­rat ein­stim­mig so be­schlos­sen. Nur Bernd Rich­ter (Freie Wäh­ler) ent­hielt sich der Stim­me. Die FDP-Frak­ti­on hat­te den An­trag ge­stellt.

Al­ler­dings steht der Stadt­rats­be­schluss un­ter dem Vor­be­halt, dass die Kom­mu­nal­auf­sicht kei­ne Be­den­ken hat. To­bi­as Ra­ab (FDP) be­ton­te ges­tern wäh­rend der Sit­zung: „Es geht nicht um Tier­quä­le­rei, son­dern dar­um, ob ei­ne tier­ge­rech­te Hal­tung mög­lich ist.“Das ver­nein­te Ra­ab. Über 80 Kom­mu­nen hät­ten be­reits be­schlos­sen, Zir­kus­sen mit Wild­tie­ren kei­ne Flä­chen mehr zur Ver­fü­gung zu stel­len. Der Saar­brü­cker Be­schluss be­trifft nun Zooat­trak­tio­nen wie Lö­wen, Ti­ger und Ele­fan­ten, aber auch Al­li­ga­to­ren, Am­phi­bi­en, Fla­min­gos, Greif­vö­gel, Kro­ko­di­le, Pin­gui­ne, Strau­ße und Rie­sen­schlan­gen. In ih­rem An­trag schreibt die FDP, nach heu­ti­gem Wis­sens­stand sei in Zir­kus­be­trie­ben ei­ne art­ge­rech­te Hal­tung von Wild­tie­ren prak­tisch nicht mög­lich. Das un­ter­strich auch CDUFrak­ti­ons­chef Pe­ter Stro­bel und nann­te als Bei­spiel die Ele­fan­ten. So sei die selbst­be­stimm­te Be­we­gung die­ser Tie­re in ei­nem Zir­kus, der stän­dig auf Rei­sen ist, zwangs­läu­fig stark ein­ge­schränkt.

Clau­dia Will­ger von den Grü­nen wies dar­auf hin, dass die Frak­ti­on zu­nächst recht­li­che Be­den­ken ge­habt ha­be. Mit dem Vor­be­halt sei­en die­se Be­den­ken aber aus­ge­räumt. In ih­rem An­trag wei­sen die Li­be­ra­len zu­dem dar­auf hin, dass nach ei­ner re­prä­sen­ta­ti­ven Um­fra­ge 2014 mitt­ler­wei­le 82 Pro­zent der Deut­schen der Auf­fas­sung sei­en, dass Wild­tie­re nicht art­ge­recht im Zir­kus ge­hal­ten wer­den kön­nen. Fest steht be­reits jetzt, dass die Ent­schei­dung des Saar­brü­cker Stadt­rats ein ju­ris­ti­sches Nach­spiel ha­ben wird. Die Spre­che­rin ei­nes Weih­nachts­zir­kus hat­te schon im De­zem­ber 2016 ei­ne Kla­ge an­ge­kün­digt.

Ein wei­te­res wich­ti­ges The­ma wa­ren die Wind­kraft­plä­ne ei­nes In­ves­tors in Gers­wei­ler. Der Stadt­rat lehn­te die Plä­ne ab, nach­dem be­reits der Be­zirks­rat West und der Bau­aus­schuss so ent­schie­den hat­ten. Das Vo­tum des Stadt­rats sei ei­ne rück­wir­ken­de Be­stä­ti­gung die­ser Ab­leh­nung, er­klär­te der Ver­wal­tungs­de­zer­nent Jür­gen Wohl­farth. Das Nein ha­be die Ver­wal­tung dem Lan­des­amt für Um­welt­und Ar­beits­schutz (LUA) be­reits frist­ge­recht mit­ge­teilt. Die Be­hör­de hat das letz­te Wort und könn­te die drei Wind­rä­der trotz­dem noch ge­neh­mi­gen. Dann müss­te die Stadt Saar­brü­cken da­ge­gen kla­gen, sag­te Wohl­farth. Ga­b­rie­le Herr­mann (CDU) wies dar­auf­hin, dass die Ro­to­ren der drei An­la­gen die aus­ge­wie­se­ne „Kon­zen­tra­ti­ons­zo­ne“für Wind­rä­der über­schrei­ten wür­den. Au­ßer­dem be­fürch­tet sie viel Lärm – auch durch die Lkw, die beim Bau der Wind­rä­der durch Gers­wei­ler fah­ren wür­den. Die fran­zö­si­schen Nach­bar­ge­mein­den hät­ten sich eben­falls ge­gen die Wind­rä­der aus­ge­spro­chen. Die Grü­nen stimm­ten nicht zu, son­dern spra­chen sich für ei­ne Ener­gie­ver­sor­gung vor Ort aus. Da­mit stan­den sie aber al­lei­ne.

SZ-AR­CHIV­FO­TO: PLEUL/DPA

Die Stadt er­höht die Grund­steu­er schritt­wei­se bis 2022.

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