Stadt: Stu­die zu ho­hen Ne­ben­kos­ten ist falsch

Bund der Steu­er­zah­ler räumt Feh­ler bei Un­ter­su­chung ein.

Saarbruecker Zeitung - - ZEITUNG FÜR SAARBRÜCKEN - VON MAR­KUS SAEFTEL

SAAR­BRÜ­CKEN „Mün­chen ist güns­tig, Saar­brü­cken ist Lu­xus“– zu die­sem Er­geb­nis kommt der Bund der Steu­er­zah­ler (BdSt) in ei­nem Ver­gleich der Wohn­ne­ben­kos­ten der Lan­des­haupt­städ­te im Jahr 2016 (die SZ be­rich­te­te im über­re­gio­na­len Teil). Doch ges­tern muss­te der BdSt zu­rück­ru­dern. Die Zah­len stimm­ten so nicht, es han­de­le sich um ei­nen Über­tra­gungs­feh­ler.

Von den (Ab-) Was­ser­ge­büh­ren bis zur Grund­steu­er hat­te der BdSt für ei­nen „Mus­ter­haus­halt mit drei Per­so­nen in in­ner­städ­ti­scher La­ge“die Ne­ben­kos­ten er­mit­telt. Da­bei be­rück­sich­tig­te der BdSt auch die Ab­fall- und Stra­ßen­rei­ni­gungs­ge­büh­ren oder die Kos­ten für ei­nen An­woh­ner­park­aus­weis.

Al­les zu­sam­men­ge­rech­net, schnitt Mün­chen nach den Zah­len des BdSt mit 1643 Eu­ro pro Jahr am bes­ten ab, Saar­brü­cken mit 2196 Eu­ro am schlech­tes­ten. Nach den kor­ri­gier­ten Zah­len lan­det Saar­brü­cken auf dem fünft­letz­ten Platz, Schluss­licht ist Ber­lin.

Be­son­ders gro­ße Un­ter­schie­de zwi­schen den un­ter­such­ten Städ­ten gibt es nach An­ga­ben des BdSt bei den Schmutz­was­ser- oder Nie­der­schlag­was­ser­ge­büh­ren. „Der Fis­kus ist der Wohn­kos­ten­trei­ber Num­mer eins“, kri­ti­siert BdStPrä­si­dent Rei­ner Holz­na­gel in ei­ner Pres­se­mit­tei­lung. „Woh­nen ist teu­er ge­nug – da­zu trägt der Staat durch Grund­steu­er, Grund­er­werb­steu­er, Ge­büh­ren und sons­ti­ge Ab­ga­ben bei“, meint Holz­na­gel.

Schar­fe Kri­tik kam ges­tern von Saar­brü­ckens Bür­ger­meis­ter Ralf Latz (SPD): „Die Stu­die ist falsch.“Latz macht das an der Grund­steu­er­be­rech­nung fest. Die ha­be für das dem Ver­gleich zu­grun­de lie­gen­de Ein­fa­mi­li­en­haus 460 Eu­ro in Saar­brü­cken be­tra­gen und nicht 646,20 Eu­ro, wie der BdSt be­haup­tet. Latz: „Mün­chen hat­te 2016 ei­nen deut­lich hö­he­ren Grund­steu­er-He­be­satz als Saar­brü­cken, ist aber laut Ver­gleich mehr als 100 Eu­ro güns­ti­ger. Al­lein die Kor­rek­tur die­ses Feh­lers macht mehr als 180 Eu­ro und ei­ni­ge Plät­ze im Ran­king aus.“

Der Stadt­rat hat­te aber En­de 2016 die schritt­wei­se Er­hö­hung der Ge­wer­be­steu­er be­schlos­sen. Der He­be­satz steigt nach An­ga­ben der Stadt in die­sem Jahr auf 470 Pro­zent und bis 2022 auf 520 Pro­zent. Latz hat­te das mit der Haus­halts­sa­nie­rung be­grün­det. Sei­ne Kri­tik an der Stu­die geht noch wei­ter: Es sei schwie­rig, Ge­büh­ren über Lan­des­gren­zen hin­weg zu ver­glei­chen, da die Be­rech­nungs­grund­la­gen zu un­ter­schied­lich sind. Er ist über­zeugt: „Das Woh­nen in Saar­brü­cken ist im Ver­gleich zu Städ­ten wie Mün­chen oder Ham­burg deut­lich güns­ti­ger.“Für Burk­hard Bland­fort, Vor­sit­zen­der des Im­mo­bi­li­en­ver­ban­des IVD West, ist die Kri­tik der Stadt aber ei­ne „Schutz­be­haup­tung“. Schon seit Jah­ren lie­ge Saar­brü­cken bei den Ne­ben­kos­ten mit an der Spit­ze. Bland­fort kri­ti­siert die jüngs­te Grund­steu­er­er­hö­hung, auch die Ab­was­ser­ge­büh­ren sei­en zu hoch. Gleich­zei­tig räumt er ein, dass Saar­brü­cken den Haus­halt sa­nie­ren müs­se und des­halb an der Steu­er­schrau­be dreht. Trotz­dem stellt er klar: Die ho­hen Ne­ben­kos­ten sei­en ei­ne sehr gro­ße Be­las­tung.

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