Nun über­neh­men die Stu­den­ten wie­der

Für Dr. Kurt Be­cker, den lang­jäh­ri­gen Or­ga­ni­sa­tor von „Kunst in der Mensa“, ist die­se Schau die letz­te, die er fe­der­füh­rend ver­ant­wor­tet.

Saarbruecker Zeitung - - REGIONALVERBAND/NACHBARN - VON THORS­TEN WOLF

HOM­BURG In dem klei­nen Zim­mer ist es mä­ßig hell. Ein Bea­mer wirft Vi­deo-Auf­nah­men ei­ner Tan­zPer­for­mance auf ei­ne Lein­wand. Mal da­vor, mal da­ne­ben: Vio­la Klos­ter­mann, Me­di­zin­stu­den­tin in Hom­burg. Sie ist es auch, die im Vi­deo In­dus­trie­bra­chen in Hom­burg „er­t­anzt“– in Schwarz-Weiß, raum­grei­fend, aus­drucks­stark und mit ei­nem tie­fe­ren Sinn, der weit über die Kunst des Tan­zens hin­aus­geht. Al­les zu­sam­men ist Teil der 17. Aus­stel­lung „Kunst in der Mensa“. Doch was se­hen die Gäs­te der Ver­nis­sa­ge am Don­ners­tag­abend im An­ge­sicht der Ar­beit von Vio­la Klos­ter­mann? „Der Tanz stellt die Fu­si­on von Mensch und Ma­schi­ne dar“, er­klärt die ge­lern­te Büh­nen­tän­ze­rin, die im sieb­ten Se­mes­ter auf dem Weg zur Ärz­tin ist. „Wir Men­schen sind al­le Ma­schi­nen, wir sind al­le auf­ge­baut aus den glei­chen Tei­len. Und trotz­dem ha­ben wir et­was, das uns mensch­lich macht.“Die Bot­schaft, dass Men­schen durch Be­we­gung zu ei­nem Be­wusst­sein über die Welt kä­men, klei­det Klos­ter­mann auch in ein Ge­dicht, das als Ton­schlei­fe die Vi­deo-Per­for­mance nicht nur akus­tisch un­ter­legt. Und auch die Ver­gäng­lich­keit des „Jetzt“vor dem Hin­ter­grund des an­hal­ten­den „Im­mer neu“fasst Klos­ter­mann in ih­ren Tanz. Auf die Fra­ge, wie viel von ei­ner zu­künf­ti­gen Ärz­tin Klos­ter­mann in der Per­for­mance der Tän­ze­rin Klos­ter­mann steckt, sagt sie: „Im Tanz tat­säch­lich sehr we­nig, aber im Ge­dicht sehr, sehr viel.“

Vio­la Klos­ter­manns Kunst ist ei­ne von vie­len Fa­cet­ten ei­ner wie im­mer viel­sei­ti­gen „Kunst in der Mensa“, die auch mit ih­rer nun­mehr 17. Auf­la­ge das Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum des Saar­lan­des in Hom­burg und den Cam­pus der Me­di­zi­ni­schen Fa­kul­tät aus ei­nem an­de­ren Blick­win­kel er­leb­bar macht: Jen­seits des me­di­zi­ni­schen All­tags und des Le­bens als Stu­dent prä­sen­tie­ren sich Ärz­te, Pfle­ger und vie­le an­de­re Be­rufs­grup­pen des UKS zu­sam­men mit der Stu­den­ten­schaft von ih­rer künst­le­risch­krea­ti­ven Sei­te. Der Grund­satz „Al­les geht“führt auch 2017 zu ei­nem Qu­er­schnitt des­sen, was Men­schen an Ge­mäl­den, Fo­to­gra­fi­en, Skulp­tu­ren und In­stal­la­tio­nen zu er­schaf­fen in der La­ge sind – die Band­brei­te reicht da­bei von Kitsch bis Kunst. Das ist ge­wollt. Ei­ne Aus­wahl der ein­ge­reich­ten Ar­bei­ten gibt es nicht. Für je­den wird ein Plätz­chen im Bau der Mensa ge­schaf­fen.

Der, der da­für seit der zwei­ten „Kunst in der Mensa“ver­ant­wort­lich ist, hat­te am Donnerstag sei­nen letz­ten Auf­tritt als Or­ga­ni­sa­tor der Ge­mein­schafts­aus­stel­lung: Dr. Kurt Be­cker vom Ana­to­mi­schen In­sti­tut des Uni­k­li­ni­kums. Im Sep­tem­ber geht Be­cker in den Ru­he­stand – und nicht we­ni­ge fra­gen sich am Don­ners­tag­abend recht be­sorgt, was denn dann mit der Aus­stel­lungs­rei­he pas­sie­ren soll. Die kur­ze Ant­wort auf die­se Fra­ge: Es geht zu­rück zu den Wur­zeln. Die Stu­den­ten selbst über­neh­men, so wie bei der ers­ten „Kunst in der Mensa“im Jahr 2000, wie­der die Or­ga­ni­sa­ti­on. Be­cker selbst will aber als „Be­ra­ter“ wei­ter­hin zur Ver­fü­gung ste­hen. „Denn das muss schon wei­ter­ge­hen – weil es zu ei­ner so tol­len Sa­che ge­wor­den ist“, macht Be­cker klar. Mit den Jah­ren ha­be sich „Kunst in der Mensa“ver­än­dert, ist sich Be­cker si­cher. Ha­be man am An­fang noch mit eher ein­fa­chen Port­fo­li­os und Tech­ni­ken aus­ge­stellt, so ge­be es jetzt ei­ne we­sent­lich grö­ße­re Aus­wahl an un­ter­schied­li­chen Aus­drucks­for­men. Auch er selbst ha­be sich als aus­stel­len­der Künst­ler – Be­ckers Schwarz-Weiß-Fo­to­gra­fi­en ge­hö­ren zum gu­ten Ton der Ge­mein­schafts­aus­stel­lung – ver­än­dert, spre­che heu­te ei­ne mehr do­ku­men­ta­ri­sche Spra­che.

FO­TO: THORS­TEN WOLF

Vio­la Klos­ter­mann be­tei­ligt sich mit ei­ner Tan­zper­for­mance, kul­ti­viert als Vi­deo, an der 17. Auf­la­ge der Ge­mein­schafts­aus­stel­lung „Kunst in der Mensa“– ei­ne von vie­len künst­le­ri­schen Aus­druck­for­men, die noch bis zum 17. Fe­bru­ar im Men­sa­ge­bäu­de am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum zu se­hen sind.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.