In Hoch­fil­zen soll es Me­dail­len reg­nen

Die deut­schen Bi­ath­le­ten Si­mon Sch­empp und Lau­ra Dahl­mei­er sol­len und wol­len bei der Welt­meis­ter­schaft in Hoch­fil­zen ab­räu­men. Bi­ath­lon-WM: Zeit­plan

Saarbruecker Zeitung - - SPORT - VON NI­CO­LAS REI­MER

HOCH­FIL­ZEN (sid) Si­mon Sch­empp träumt von sei­ner ers­ten Ein­zel­me­dail­le, Lau­ra Dahl­mei­er von ih­rem nächs­ten Wintermärchen: Mit ho­hen Er­war­tun­gen und viel Zu­ver­sicht neh­men Deutsch­lands Bi­ath­lon-As­se die Welt­meis­ter­schaft in Hoch­fil­zen in An­griff. Sch­empp und Dahl­mei­er sind die Trümp­fe in der stark be­setz­ten deut­schen Mann­schaft, die aus Ös­ter­reich min­des­tens fünf Mal Edel­me­tall mit­brin­gen soll.

Wie im Vor­jahr könn­te Über­flie­ge­rin Dahl­mei­er die­se Vor­ga­be schon ganz al­lei­ne er­fül­len – wenn al­les nach Plan läuft. „Wenn ich mei­ne Best­leis­tung ab­ru­fe, kann es für ei­ne Me­dail­le rei­chen“, sagt die Ge­samt­welt­cup-Füh­ren­de zwar be­schei­den. Die vier Sai­son­sie­ge und fünf wei­te­ren Po­dest­plät­ze aus 13 Ren­nen rü­cken Dahl­mei­er bei den Frau­en je­doch in die Rol­le der Top­fa­vo­ri­tin.

Die nimmt Sch­empp bei den Män­nern zwar nicht ein, an Selbst­be­wusst­sein man­gelt es dem 28-Jäh­ri­gen auch we­gen zu­letzt an­stei­gen­der Form und Tri­um­phen ge­gen Do­mi­na­tor Mar­tin Four­ca­de aus Frank­reich aber nicht. „Er ist in je­dem Ren­nen zu schla­gen“, sagt Sch­empp: „Es wird al­ler­dings sehr, sehr schwer. Weil er noch ei­nen Tick bes­ser ist als in den ver­gan­ge­nen Jah­ren.“

Zehn Mal hat Four­ca­de in die­sem Win­ter be­reits ge­won­nen, der Sieg im Ge­samt-Welt­cup ist ihm prak­tisch nicht mehr zu neh­men. Bei der mor­gen be­gin­nen­den WM, bei der Mi­xed-Staf­fel, Staf­fel und zu­dem je­weils vier Ein­zel­ren­nen bei Män­nern und Frau­en an­ste­hen, könn­te er der gro­ße Me­dail­len­lie­fe­rant wer­den. Dahl­mei­er war ge­nau das 2016 mit fünf Me­dail­len in Os­lo ge­lun­gen. Am Hol­men­kol­len hat­ten die deut­schen Ski­jä­ger ins­ge­samt sie­ben Mal Edel­me­tall ge­won­nen – ei­ne Gold-, drei Sil­ber-, drei Bron­ze­me­dail­len. „Ich bin wie­der sehr gut drauf“, sagt die 23-Jäh­ri­ge aus Par­ten­kir­chen über ih­re ak­tu­el­le Ver­fas­sung, oh­ne da­bei über­heb­lich zu wir­ken: „Ich wür­de mich schon über ei­ne ein­zi­ge Me­dail­le freu­en. Wenn es Gold wird, wä­re das na­tür­lich der Wahn­sinn.“

Die Chan­cen da­für ste­hen gut, nicht nur we­gen Dahl­mei­ers Aus­nah­me­stel­lung. In der Staf­fel scheint das Quar­tett des Deut­schen Ski-Ver­ban­des auch oh­ne die er­krank­te Fran­zis­ka Preuß (In­fekt) un­schlag­bar. Zu­dem liegt Dahl­mei­er die Stre­cke in Hoch­fil­zen. „Ich ver­bin­de da­mit sehr po­si­ti­ve Emo­tio­nen, es ist su­per­schön dort“, sagt die Hob­by-Berg­stei­ge­rin, die 2015 die Welt­cup­Ver­fol­gung in Hoch­fil­zen ge­won­nen hat­te. Das Jagd­ren­nen steht bei Dahl­mei­er üb­ri­gens hoch im Kurs, denn „ich mag es, wenn je­mand vor mir ist und ich an­grei­fen kann“. Ei­ne Lieb­lings­dis­zi­plin hat Sch­empp zwar nicht, „weil es beim Bi­ath­lon im­mer auf das Schie­ßen und Lau­fen an­kommt“. Da­für ist das Ziel um­so kla­rer for­mu­liert. „Ich wün­sche mir, dass ich ein­mal un­ter die ers­ten Drei lau­fen kann“, sagt der Uhin­ger. Mit der Mann­schaft war ihm das bei ei­ner WM be­reits sechs Mal ge­lun­gen. Als Ein­zel­kämp­fer fehl­te oft das Quänt­chen Glück. „Wenn ich das per­fek­te Ren­nen ab­lie­fern wer­de, kann ich um die vor­de­ren Plät­ze kämp­fen. Ich den­ke, dass die WM zu ei­nem gu­ten Zeit­punkt kommt“, sagt Sch­empp.

Be­vor die Leis­tun­gen der Ath­le­ten al­ler­dings im Mit­tel­punkt ste­hen, muss der Bi­ath­lon-Welt­ver­band (IBU) noch die dunk­le Ver­gan­gen­heit auf­ar­bei­ten und für ei­nen do­ping­frei­en Sport sor­gen. Bei ei­nem au­ßer­or­dent­li­chen Kon­gress sol­len heu­te zu­nächst här­te­re Stra­fen für Be­trü­ger ein­ge­führt wer­den, die dann schon ei­nen Tag spä­ter an­ge­wandt wer­den könn­ten. Dann be­rät der Vor­stand über das wei­te­re Vor­ge­hen im rus­si­schen Do­ping­skan­dal. „Es ist die vi­el­leicht größ­te Kri­se in un­se­rem Sport, die IBU muss han­deln“, sagt Ath­le­ten-Spre­cher Lo­well Bai­ley aus den USA. Höchst­stra­fen von acht Jah­ren bei ei­nem po­si­ti­ven Do­ping-Be­fund, mil­lio­nen­schwe­re Geld­bu­ßen und vor al­lem der Ver­lust von Start­plät­zen der be­trof­fe­nen Na­tio­nen lau­ten die For­de­run­gen der Ath­le­ten, die sie in ei­nem of­fe­nen Brief an den Ver­band for­mu­liert hat­ten. „Wir neh­men die An­stren­gun­gen der Sport­ler ernst“, sagt IBU-Prä­si­dent An­ders Bes­se­berg.

FO­TO: HOP­PE/DPA

Lau­ra Dahl­mei­er war die Über­flie­ge­rin bei der Welt­meis­ter­schaft vor ei­nem Jahr in Os­lo, als sie fünf Me­dail­len ge­wann. Auch bei der mor­gen be­gin­nen­den WM in Hoch­fil­zen ist sie die Top-Fa­vo­ri­tin.

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