Ein ganz nor­ma­ler Mensch ge­blie­ben

Horst Eckel, ei­ner von noch zwei le­ben­den Fuß­ball-Welt­meis­tern von 1954, fei­ert heu­te sei­nen 85. Ge­burts­tag.

Saarbruecker Zeitung - - SPORT - VON ALEX­AN­DER SARTER

KAI­SERS­LAU­TERN (sid) Wenn heu­te im See­ho­tel Gel­ters­woog groß ge­fei­ert wird, muss Horst Eckel vie­le Hän­de schüt­teln. Et­wa 200 Gäs­te wer­den nach Kai­sers­lau­tern kom­men, um dem im­mer noch rüs­ti­gen Fuß­ball-Welt­meis­ter von 1954 zum 85. Ge­burts­tag zu gra­tu­lie­ren. Da­bei soll­ten die Gra­tu­lan­ten, un­ter de­nen na­tür­lich zahl­rei­che Pro­mi­nen­te sein wer­den, al­ler­dings nicht all­zu oft vom „Hel­den von Bern“spre­chen – das

„Es ge­hört was da­zu, dass man bleibt, wie man wahr – im­mer mit den Fü­ßen auf dem Bo­den.“

Horst Eckel,

Welt­meis­ter von 1954

mag der Ju­bi­lar näm­lich gar nicht.

„Das Wort Held hö­re ich nicht so ger­ne. Ich bin ein ganz nor­ma­ler Mensch ge­blie­ben“, sagt Eckel, der ge­nau das kurz vor sei­nem Eh­ren­tag als ei­ne sei­ner größ­ten Leis­tun­gen sieht: „Es ge­hört schon was da­zu, dass man so bleibt, wie man wahr – im­mer mit den Fü­ßen auf dem Bo­den.“

Ent­spre­chend bo­den­stän­dig sind auch die Wün­sche Eckels. Ein paar Jah­re in Gesundheit mit sei­ner Ehe­frau Han­ne­lo­re, mit der er seit 60 Jah­ren ver­hei­ra­tet ist, und die Rück­kehr sei­nes 1. FC Kai­sers­lau­tern in die Bun­des­li­ga wür­den dem jüngs­ten Welt­meis­ter von Bern schon rei­chen. Schließ­lich weiß der Va­ter zwei­er Töch­ter, dass au­ßer ihm nur noch der Köl­ner „Held“Hans Schä­fer (89) lebt.

Dar­an muss der ge­bür­ti­ge Vo­gel­ba­cher auch den­ken, wenn er auf dem Bet­zen­berg vor dem Bron­ze-Denk­mal der Lau­te­rer WM-Sie­ger – Eckel, Fritz Wal­ter, Ott­mar Wal­ter, Wer­ner Lie­brich und Wer­ner Kohl­mey­er – steht. „Ich wä­re froh, wenn sie noch da wä­ren“, sagt Eckel, der mit gro­ßer Dank­bar­keit zu­rück­schaut.

„Wenn ich ir­gend­wo­hin kom­me, heißt es im­mer, dass der Welt­meis­ter kommt“, er­zählt der frü­he­re Au­ßen­läu­fer mit dem Spit­zen­na­men „Wind­hund“, der 32 Mal das Tri­kot des Deut­schen Fuß­ball-Bun­des (DFB) ge­tra­gen hat: „Die Leu­te wis­sen das noch, das ha­ben die nicht ver­ges­sen. Und das macht mich im­mer noch ein biss­chen stolz.“

An ei­ne sol­che Kar­rie­re war vor knapp 80 Jah­ren noch nicht zu den­ken, als der klei­ne Horst auf den Bet­zen­berg ra­del­te und durch ein Loch im Sta­di­on­zaun schlüpf­te, um sei­ne FCK-Ido­le spie­len zu se­hen. „Mei­ne Fa­mi­lie war nun­mal nicht gut be­tucht“, sagt der Sohn ei­nes Stell­werks­lei­ters bei der Bahn und ei­ner Haus­frau beim Blick zu­rück.

Mit 17 Jah­ren wur­de Eckel, des­sen äl­te­rer Bru­der Hans im Krieg fiel, dann selbst Spie­ler bei den Ro­ten Teu­feln. Da­für gab es da­mals 320 Mark im Mo­nat. Da­zu ka­men 300 Mark, die Eckel als Werk­zeug­ma­cher beim Näh­ma­schi­nen-Fa­b­ri­kan­ten Pfaff ver­dien­te. Schon zwei Jah­re spä­ter, im Jahr 1951, wur­de er zum ers­ten Mal deut­scher Meis­ter mit dem FCK. Wie­der­um zwei Jah­re spä­ter folg­te der zwei­te Ti­tel. Ins­ge­samt lief die Club-Iko­ne, die 2004 mit dem Bun­des­ver­dienst­kreuz aus­ge­zeich­net wur­de, 213 Mal für die Pfäl­zer auf und er­ziel­te da­bei 64 To­re. Dass Eckel auch heu­te noch fast al­le Heim­spie­le der Lau­te­rer be­sucht, ist Eh­ren­sa­che.

Nach der ak­ti­ven Kar­rie­re – zum Ab­schluss spiel­te er von 1960 bis 1965 für den SV Röch­ling Völk­lin­gen und war da­nach von 1966 bis 1968 Trai­ner in der Hüt­ten­stadt – ging es für Eckel zu­nächst dar­um, sei­ne Fa­mi­lie über Was­ser zu hal­ten. Vor al­lem sei­ne Frau wur­de von Exis­tenz­sor­gen ge­plagt, als sich Eckel zum Re­al­schul­leh­rer für Sport und Wer­ken aus­bil­den ließ und in die­ser Zeit kein Geld rein­kam. Des­halb weiß der Held wi­der Wil­len nur zu gut, wem er das Meis­te zu ver­dan­ken hat: „Han­ne­lo­re hat mir im­mer den Rü­cken frei­ge­hal­ten. Ei­ne bes­se­re Frau hät­te ich nicht fin­den kön­nen.“

FO­TO: IM­A­GO

Horst Eckel freut sich und ist stolz, dass er 63 Jah­re nach dem Ge­winn des WM-Ti­tels nicht in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten ist. Ein Held will er aber nicht sein.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.