Il­lin­ger Rent­ner stirbt nach Streit um falsch ge­park­tes Au­to

We­gen fahr­läs­si­ger Tö­tung hat das Land­ge­richt ei­nen 27-Jäh­ri­gen ver­ur­teilt. Er hat­te ei­nen Rent­ner ge­schubst. Der stürz­te und er­litt ei­nen Schä­del­bruch.

Saarbruecker Zeitung - - SAARLAND - VON WOLF­GANG IHL

SAAR­BRÜ­CKEN Nach dem töd­lich ver­lau­fen­den Streit um ein falsch ge­park­tes Au­to in Il­lin­gen-Hüt­tig­wei­ler hat das Land­ge­richt Saar­brü­cken ges­tern ei­nen 27-Jäh­ri­gen we­gen fahr­läs­si­ger Tö­tung zu 18 Mo­na­ten Ge­fäng­nis auf Be­wäh­rung ver­ur­teilt. Zu­dem muss der An­ge­klag­te die Kos­ten für die Be­er­di­gung sei­nes Op­fers in Hö­he von mehr als 9000 Eu­ro be­zah­len. Der Saar­brü­cker Fa­mi­li­en­va­ter hat­te im Mai 2015 ei­nen Rent­ner (72) vor des­sen Haus ge­schubst. Der Se­ni­or stürz­te und er­litt ei­nen töd­li­chen Schä­del­bruch.

Als der 27-Jäh­ri­ge von der Po­li­zei erst­mals über die schwe­ren Ver­let­zun­gen des Rent­ners in­for­miert wur­de, brach er in Trä­nen aus. Er hat­te nach dem Sturz des 72-Jäh­ri­gen ers­te Hil­fe ge­leis­tet, den Not­arzt ge­ru­fen und sinn­ge­mäß er­klärt: „Hier liegt ein Mann auf der Stra­ße. Er hat ei­ne Platz­wun­de am Kopf. Er woll­te mei­ne Freun­din an­grei­fen. Ich bin da­zwi­schen und ha­be ihn ge­schubst. Er ging zu Bo­den.“Bei der Po­li­zei be­ton­te der durch­trai­nier­te Saar­brü­cker: „Ich ha­be kei­ne Kraft ein­ge­setzt. Ich ha­be Re­spekt vor al­ten Men­schen.“Er ha­be des­halb den Rent­ner eher zu­rück­ge­drängt, nicht ge­sto­ßen. Dann sei der äl­te­re Mann plötz­lich um­ge­fal­len und im Ge­sicht ganz blau ge­wor­den.

Und das al­les we­gen ei­nes an­geb­lich falsch ge­park­ten Au­tos an je­nem Vor­mit­tag im Mai. Da­mals wa­ren der spä­te­re An­ge­klag­te, sei­ne Le­bens­ge­fähr­tin (26) und die ge­mein­sa­me Toch­ter nach Hüt­tig­wei­ler ge­fah­ren, weil der Mann dort via In­ter­net ein Vi­deo­spiel ge­kauft hat­te. Sie kann­ten sich vor Ort nicht aus und stell­ten das Au­to in die ver­meint­li­che Aus­fahrt des Hau­ses der Ver­käu­fe­rin. Der Mann ging ins Haus, um das Vi­deo­spiel zu ho­len. Sei­ne Freun­din und ih­re Toch­ter blie­ben im Au­to. Über das, was dann pas­sier­te, gab es vor Ge­richt un­ter­schied­li­che Aus­sa­gen von zwei be­tei­lig­ten Frau­en. Dem­nach und nach Fest­stel­lung der Rich­ter dürf­te es et­wa so ge­we­sen sein: Das Saar­brü­cker Au­to stand nicht in ei­ner Ein­fahrt – son­dern in ei­ner klei­nen Durch­fahrts­stra­ße, die zum Haus des Rent­ners führ­te. Dort­hin woll­te des­sen Toch­ter (27) mit dem Au­to. Sie sah das frem­de Au­to vor sich, muss­te brem­sen und hup­te. Mut­ter und Kind er­schra­ken. Dar­auf­hin stieg die Saar­brü­cke­rin aus und stell­te die jun­ge Frau aus Hüt­tig­wei­ler zur Re­de. Auch sie stieg wohl aus und ein Wort gab das an­de­re. An­geb­lich bis hin zu wüs­ten Be­schimp­fun­gen und ers­ten Tät­lich­kei­ten. Schließ­lich fuhr die Toch­ter des Rent­ners zu­rück, ramm­te ei­ne Stra­ßen­la­ter­ne und be­schä­dig­te das Heck ih­res Au­tos.

Die Saar­brü­cke­rin klin­gel­te un­ter­des­sen an dem Haus, rief ih­ren Le­bens­ge­fähr­ten und be­rich­te­te ihm wü­tend von üb­len Be­schimp­fun­gen wie „Fot­ze“, „Hu­re“, „Scheiß Stadt­leu­te“, „Scheiß Hartz-IV-Leu­te“. Die Saar­brü­cker stie­gen ein und woll­ten nach Hau­se. Dann sa­hen sie auf der Stra­ße die Frau aus Hüt­tig­wei­ler ne­ben ih­rem be­schä­dig­ten Au­to. Der Saar­brü­cker hielt an, an­geb­lich um die frem­de Frau zur Re­de zu stel­len. Auch sei­ne Le­bens­ge­fähr­tin stieg aus und ging zu der Kon­tra­hen­tin. Es ent­wi­ckel­te sich ei­ne Ran­ge­lei, bei der bei­de Frau­en ver­letzt wur­den. Dann kam der Rent­ner in Pan­tof­feln aus dem Haus und schimpf­te. Wor­auf­hin der An­ge­klag­te nach Fest­stel­lung der Rich­ter den Rent­ner weg­schubs­te. Die­ser stürz­te, fiel ins Ko­ma und starb Wo­chen spä­ter in ei­ner Kli­nik, oh­ne noch ein­mal zu Be­wusst­sein ge­kom­men zu sein.

Pro­duk­ti­on die­ser Sei­te: J. Schleu­ning

Diet­mar Klos­ter­mann, Michae­la Hein­ze

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