Lan­des­die­ner wol­len mehr als nur Lob

Die Steu­er­ein­nah­men spru­deln, die An­ge­stell­ten der Län­der for­dern mehr Geld. Ei­ne Ei­ni­gung in der drit­ten Ta­rif­run­de nächs­te Wo­che ist aber frag­lich.

Saarbruecker Zeitung - - LANDESPOLITIK - VON DA­NI­EL KIRCH

SAAR­BRÜ­CKEN „Ta­rif­ver­hand­lun­gen ha­ben ein Dreh­buch“, sag­te der Ver­hand­lungs­füh­rer der Bun­des­län­der, Nie­der­sach­sens Fi­nanz­mi­nis­ter Pe­ter-Jür­gen Schnei­der (SPD), bei der zwei­ten Ta­rif­run­de En­de Ja­nu­ar. An­ge­setzt sind drei Ver­hand­lungs­ter­mi­ne, es kann al­so nicht schon beim zwei­ten Ter­min ein Er­geb­nis ge­ben. Al­ler­dings ist der­zeit nicht ganz klar, ob es bei der drit­ten Run­de für die Be­schäf­tig­ten des öf­fent­li­chen Di­ens­tes der Län­der am 16./17. Fe­bru­ar klap­pen wird. Auch wenn der Druck auf die Un­ter­händ­ler enorm ist: Ein Sch­lich­tungs­ver­fah­ren gibt es nicht. Wenn die Ver­hand­lun­gen schei­tern, wer­den die Ge­werk­schaf­ten zur Ur­ab­stim­mung ru­fen, und das be­deu­tet ver­mut­lich: Streik.

An die­sem Punkt sind die Ver­hand­lun­gen aber noch nicht an­ge­kom­men. Die Ge­werk­schaf­ten mach­ten ges­tern zu­nächst ein­mal mit ei­nem Warn­streik Druck. Im Saar­land leg­ten nach Schät­zun­gen der Ge­werk­schaf­ten rund 1500 bis 2000 An­ge­stell­te des Lan­des ih­re Ar­beit nie­der. Rund 1000 von ih­nen ka­men zur Kund­ge­bung auf den Tbi­lis­ser Platz vor dem Saar­brü­cker Staats­thea­ter. Al­lein am Uni­k­li­ni­kum in Hom­burg wa­ren laut Ver­di 500 Be­schäf­tig­te im Aus­stand. Ver­di-Se­kre­tär Micha­el Qu­et­ting sag­te, es hät­ten ger­ne noch mehr Mit­ar­bei­ter ge­streikt. Dies sei aber nicht mög­lich ge­we­sen, weil Ver­di in ei­ner Not­dienst­ver­ein­ba­rung ei­ne Min­dest­be­set­zung auf den Sta­tio­nen und in den OP-Sä­len zu­ge­si­chert ha­be. „Ich muss­te Anäs­the­sie­kräf­te wie­der in den OP zu­rück­schi­cken“, sag­te Qu­et­ting.

Die Ge­werk­schaf­ten be­ru­fen sich bei ih­rer For­de­rung nach sechs Pro­zent mehr Ge­halt auf die gu­te wirt­schaft­li­che La­ge und die spru­deln­den Steu­er­ein­nah­men ei­ner­seits und auf die stei­gen­de In­fla­ti­on an­de­rer­seits. Die For­de­rung sei „we­der un­rea­lis­tisch noch un­ver­schämt“, sag­te der Lan­des­vor­sit­zen­de des Deut­schen Be­am­ten­bun­des (DBB), Ewald Linn, bei der gest­ri­gen Kund­ge­bung. Ver­di-Lan­des­be­zirks­lei­ter Micha­el Blug rief, es rei­che nicht, wenn der Di­enst­herr die Ar­beit der öf­fent­lich Be­schäf­tig­ten im­mer wie­der lo­be: „Von Lob kann man die Mie­te und das Ben­zin nicht be­zah­len!“

Die Bun­des­län­der ver­su­chen, die Be­gehr­lich­kei­ten der Ge­werk­schaf­ten ab­zu­weh­ren. „Wenn die Kon­junk­tur schwä­chelt, die Zin­sen wie­der stei­gen und der Aus­weg über Kre­di­te we­gen der Schul­den­brem­se ver­sperrt ist, droht der Kol­laps“, heißt es in ei­nem Po­si­ti­ons­pa­pier der Ta­rif­ge­mein­schaft deut­scher Län­der. Der Ver­hand­lungs­füh­rer der Län­der, Nie­der­sach­sens Fi­nanz­mi­nis­ter Schnei­der, wies nach der zwei­ten Ver­hand­lungs­run­de dar­auf hin, dass die Steu­ern mit der Kon­junk­tur schwank­ten, Ta­rif­er­hö­hun­gen je­doch Wir­kun­gen bis in al­le Ewig­keit hät­ten. Zu­mal knapp 50 Pro­zent der Kos­ten der Län­der fürs Per­so­nal auf­ge­wen­det wer­den.

Es sind vor al­lem sol­che Sät­ze, die Ge­werk­schaf­ter auf die Pal­me brin­gen. Ver­di-Chef Blug sag­te ges­tern, als vor ei­ni­gen Jah­ren die Ban­ken in Schief­la­ge ge­ra­ten sei­en, sei es in­ner­halb kür­zes­ter Zeit mög­lich ge­we­sen, hun­der­te Mil­li­ar­den Eu­ro auf­zu­trei­ben mit dem Ar­gu­ment, die Ban­ken sei­en sys­tem­re­le­vant. „Ich sa­ge ganz deut­lich: Der öf­fent­li­che Di­enst ist für un­se­re öf­fent­li­che Da­seins­vor­sor­ge und für die Si­che­rung der De­mo­kra­tie sys­tem­re­le­van­ter, als es die Ban­ken je wa­ren.“Wenn Geld feh­le, sag­te Blug, müs­se sich die Po­li­tik es eben bei den Ein­kom­mens­mil­lio­nä­ren ho­len.

Für die drit­te Ver­hand­lungs­run­de wird er­war­tet, dass sich die Bun­des­län­der be­we­gen. Be­am­ten­bund-Chef Linn will aber noch kei­nen Op­ti­mis­mus ver­brei­ten. Er for­der­te die Saar-Re­gie­rung auf, sich da­für ein­zu­set­zen, dass ein „ver­hand­lungs­fä­hi­ges An­ge­bot“ge­macht wird. „Sonst bau­en wir bis zur Land­tags­wahl wei­ter öf­fent­li­chen Druck auf“, droh­te Linn. Vor­sorg­lich er­in­ner­te er die Re­gie­ren­den schon ein­mal an den 26. März: „Wahl­tag ist Zahl­tag.“

6% mehr Ge­halt for­dern die Ge­werk­schaf­ten für die An­ge­stell­ten des Lan­des.

Qu­el­le: Ver­di/DBB/GdP/GEW

FO­TO: BE­CKER&BREDEL

In Saar­brü­cken gin­gen ges­tern rund 1000 Be­schäf­tig­te des Lan­des auf die Stra­ße, um Druck für ein hö­he­res Ge­halt zu ma­chen.

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