Ro­bert Leo­nar­dys End­spiel

In rund 20 Kon­zer­ten stel­len die Mu­sik­fest­spie­le Saar die­ses Jahr vom 30. März an die Mu­sik Chi­nas vor. Ein eher klei­nes Pro­gramm für ein Rie­sen­reich, doch das Fes­ti­val hat bloß noch ein Drit­tel sei­nes al­ten Etats.

Saarbruecker Zeitung - - KULTUR - VON OLI­VER SCHWAMBACH

SAAR­BRÜ­CKEN Gro­ßes ent­steht im­mer im Klei­nen, will uns ja das Mot­to des Lan­des weis­ma­chen. Bei den Mu­sik­fest­spie­len Saar ver­hält es sich ge­ra­de um­ge­kehrt. Sie wa­ren schon mal ziem­lich groß. Doch nach­dem die Lan­des­re­gie­rung den Geld­hahn zu­dreh­te und die Me­na­ge à trois von Land, Saar­län­di­schem Rund­funk und Fes­ti­val-Chef Ro­bert Leo­nar­dy erst im Fest­spiel-gGm­bH-Him­mel ge­schlos­sen, dann aber an den ge­gen­sei­ti­gen Er­war­tun­gen recht ir­disch zu Grun­de ging, be­schei­det sich das Fes­ti­val nun in sei­nem 28. Jahr. Just jetzt, da Va­ter und Sohn Leo­nar­dy, In­ten­dant Ro­bert und künst­le­ri­scher Lei­ter Bernhard, vom 30. März bis 4. No­vem­ber die Mu­sik und Kul­tur Chi­nas, des Rie­sen­reichs der Mit­te, vor­stel­len wol­len.

Statt frü­her über 60 Ter­mi­ne sind es jetzt knapp 20. Und zieht man die Aus­wärts-Ter­mi­ne in Luxemburg und Ber­lin (Kon­zert Lang Lang) ab, nä­hert man sich eher dem gu­ten Dut­zend. Kein Wun­der, auch der Etat schnurr­te auf ein Drit­tel zu­sam­men. Statt 1,2 Mil­lio­nen Eu­ro sind es die­ses Mal „400 000 Eu­ro“, er­läu­tert Ro­bert Leo­nar­dy. Über die Grün­de wur­de be­reits läng­lich rä­so­niert. Kurz ge­sagt: Kul­tur­mi­nis­ter Ul­rich Com­mer­çon (SPD) woll­te an­de­re Ak­zen­te set­zen, sei­ne För­der­po­li­tik ver­jün­gen. Dem neu­en Pop­kul­tur­fes­ti­val „Co­lours of Pop“(im Ok­to­ber 2017) ge­hört nun sei­ne Gunst. Da­mit ver­knüpft, wa­ren auch die Gel­der der Saar-To­to futsch. Ein Rie­sen­loch von 350 000 Eu­ro, das Leo­nar­dy se­ni­or nicht stop­fen konn­te. Im­mer­hin, ein zar­ter zwei­ter Früh­ling zwi­schen Lan­des­po­li­tik und Fes­ti­val deu­tet sich an. „Die Staats­kanz­lei un­ter­stützt uns mit 10 000 Eu­ro“, ver­kün­det Leo­nar­dy, der Äl­te­re, zur Pro­gramm­vor­stel­lung. Und das Kul­tur­mi­nis­te­ri­um be­tä­tigt: Man för­de­re über­dies die Ga­la des Chi­ne­si­schen Na­tio­nal­bal­lets (8. Ju­li, Saar­land­hal­le) mit 15 000 Eu­ro. Im Üb­ri­gen, meint Bernhard Leo­nar­dy, ma­che man „das Fes­ti­val ja für die Men­schen hier und für die Kul­tur – und nicht für die Po­li­tik, de­ren Kon­stel­la­tio­nen ja mal wech­seln kön­nen“.

Dass man über­haupt noch so viel an­bie­ten kön­ne, lie­ge auch an der mas­si­ven Un­ter­stüt­zung des För­der­ver­eins der Mu­sik­fest­spie­le, sagt Ro­bert Leo­nar­dy: „der größ­te Kul­tur­för­der­ver­ein hier über­haupt“. Auch ha­be man die Ko­ope­ra­tio­nen ver­stärkt – et­wa mit dem Mu­sik­fes­ti­val in Col­mar. Zu­dem pro­fi­tiert das Saar-Fes­ti­val von Leo­nar­dys Amt als Ko­or­di­na­tor des deutsch-chi­ne­si­schen Kul­tur­jah­res. Des­sen Pro­gramm wird kom­men­de Wo­che in Ber­lin prä­sen­tiert.

Für Leo­nar­dy se­ni­or sol­len es aber die letz­ten Mu­sik­fest­spie­le als Ver­ant­wort­li­cher sein. Nicht das ers­te Mal al­ler­dings, dass der 76-Jäh­ri­ge sei­nen Rück­tritt avi­siert. Man dür­fe ihn die­ses Mal „aber not­schlach­ten“wür­de er aber­mals wort­brü­chig, scherzt er. 2019 soll Sohn Bernhard die Ge­samt­ver­ant­wor­tung tra­gen. Dann wird Frank­reich – wie schon 2001 – Län­der­mot­to sein. Ei­nes aber gilt wohl für al­le Leo­nar­dy-Ge­ne­ra­tio­nen: Auf­ge­ben, das gibt’s nicht.

FO­TO: NOR­BERT KNIAT/DG

Jun­ge Wil­de: In der so be­ti­tel­ten Rei­he spiel­te Yu­ja Wang schon am Kon­zert­haus Dort­mund. Mitt­ler­wei­le hat die Top-Pia­nis­tin, die mor­gen 30 wird, aber längst ei­nen Ver­trag beim fei­nen La­bel Deut­sche Gram­mo­phon. Am 30. März spielt sie in der Phil­har­mo­nie Luxemburg – in Ko­ope­ra­ti­on mit den Saar-Mu­sik­fest­spie­len.

FO­TO: AMC VERON

Ein Phi­lo­soph am Pia­no: Gri­go­ri So­ko­l­ov kommt am 20. Ju­ni nach Saar­brü­cken.

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Au­ßer­ge­wöhn­li­ches In­stru­ment und au­ßer­ge­wöhn­li­cher Kön­ner: Wu Wei an der Mund­or­gel.

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