Der Streit um die bes­ten Ho­tel­prei­se

Das Bun­des­kar­tell­amt wirft dem Rei­se­por­tal Boo­king Preis­ab­spra­chen zu­las­ten der Kun­den vor. Der In­ter­net­an­bie­ter wehrt sich vor Ge­richt. Das Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf könn­te das Ver­bot der so­ge­nann­ten Best­preis­klau­sel kip­pen.

Saarbruecker Zeitung - - KULTUR - VON ERICH REI­MANN

DÜS­SEL­DORF (dpa) Ob Ur­laub oder Di­enst­rei­se: Wer in Deutsch­land ein Ho­tel­zim­mer bucht, tut dies häu­fig über On­li­ne-Platt­for­men. Das gibt Boo­king, Ex­pe­dia und Co. bei Ver­hand­lun­gen mit Ho­tel­be­trei­bern gro­ße Macht. Das Bun­des­kar­tell­amt ver­sucht schon seit Jah­ren mit Hin­weis auf Wett­be­werbs­be­ein­träch­ti­gun­gen, die­se Macht zu be­schnei­den. Ges­tern ging die Aus­ein­an­der­set­zung vor dem Ober­lan­des­ge­richt Düs­sel­dorf in die nächs­te Run­de. Da­bei ste­hen sich Markt­füh­rer Boo­king.com und die Wett­be­werbs­hü­ter ge­gen­über. Das Ur­teil dürf­te auch für Kun­den Fol­gen ha­ben.

Im Mit­tel­punkt des Pro­zes­ses ste­hen die Best­preis­klau­seln, mit de­nen sich vie­le Por­ta­le in der Ver­gan­gen­heit bei ih­ren Ho­tel­part­nern op­ti­ma­le Kon­di­tio­nen si­cher­ten. Das Bun­des­kar­tell­amt sieht dar­in ei­ne Ein­schrän­kung des Wett­be­werbs und ver­pflich­te­te Markt­füh­rer Boo­king.com im De­zem­ber 2015, ei­ne ent­spre­chen­de Klau­sel aus al­len Ver­trä­gen mit Ho­tels in Deutsch­land zu ent­fer­nen. Da­ge­gen hat das Un­ter­neh­men Be­schwer­de ein­ge­legt.

Auf­grund der so­ge­nann­ten en­gen Best­preis­klau­sel durf­ten die Ho­tels ih­re Zim­mer laut Ver­trag auf der ei­ge­nen Ho­tel-Web­site nicht güns­ti­ger an­bie­ten als bei Boo­king.com. Bei der so­ge­nann­ten wei­ten Klau­sel müs­sen sich die Ho­tels ver­pflich­ten, dem Por­tal oh­ne Aus­nah­me den nied­rigs­ten Zim­mer­preis, die höchst­mög­li­che Zim­mer­ver­füg­bar­keit und die güns­tigs­ten Bu­chungs­be­din­gun­gen ga­ran­tie­ren.

Nach Ein­schät­zung der Wett­be­werbs­be­hör­de sind sol­che Best­preis­klau­seln ge­ne­rell nur auf den ers­ten Blick vor­teil­haft für den Ver­brau­cher, in Wirk­lich­keit je­doch nach­tei­lig. „Letzt­lich ver­hin­dern die Klau­seln, dass an an­de­rer Stel­le nied­ri­ge­re Ho­tel­prei­se an­ge­bo­ten wer­den kön­nen“, warnt Kar­tell­amts­prä­si­dent Andre­as Mundt. Kaum ein Ho­tel wol­le auf der ei­ge­nen Home­page schlech­te­re Prei­se of­fe­rie­ren als auf ei­nem Ho­tel-Por­tal. Schließ­lich wür­de dies den ei­ge­nen On­li­ne-Ver­trieb emp­find­lich schwä­chen. Die Aus­wir­kun­gen der Boo­king.com-Re­ge­lung sei­en des­halb letzt­lich ähn­lich wie bei der wei­ten Best­preis­klau­sel.

Vor dem Ver­fah­ren ge­gen Boo­king.com hat­te das Bun­des­kar­tell­amt be­reits dem Ho­tel­por­tal HRS die Ver­wen­dung der wei­ten Best­preis­klau­sel un­ter­sagt und da­für Rü­cken­de­ckung des Ober­lan­des­ge­richts Düs­sel­dorf er­hal­ten. Au­ßer­dem läuft bei der Be­hör­de ein Ver­fah­ren ge­gen das Rei­se­por­tal Ex­pe­dia.

Der Ers­te Kar­tell­se­nat des Ge­richts si­gna­li­sier­te am ers­ten Ver­hand­lungs­tag Zwei­fel an der Ent­schei­dung der Wett­be­werbs­hü­ter. Der Vor­sit­zen­de Rich­ter Jür­gen Küh­nen sag­te, für den Se­nat stel­le sich die Fra­ge, ob es sich bei der Best­preis­klau­sel nicht um ei­ne not­wen­di­ge Ver­ein­ba­rung mit den

Andre­as Mundt Ho­tel­part­nern han­de­le, um ei­ne „il­loya­le Aus­nut­zung“der Ver­mitt­lungs­leis­tung des An­bie­ters Boo­king.com durch die Part­ner­ho­tels zu ver­hin­dern. Nach Ein­schät­zung des Ge­richts könn­ten die Ho­tels oh­ne ei­ne Best­preis­klau­sel qua­si als Tritt­brett­fah­rer die On­li­ne-Platt­form nut­zen, um von den Zim­mer­su­chen­den wahr­ge­nom­men zu wer­den, dann je­doch die Gäs­te zur Bu­chung mit güns­ti­ge­ren Prei­sen auf die ei­ge­ne Web­site lo­cken.

Ei­ne Ent­schei­dung ist da­mit aber noch nicht ge­fal­len. Das Ge­richt bat die Par­tei­en um wei­te­re schrift­li­che Aus­füh­run­gen und be­ton­te, wie das Er­geb­nis der Ver­hand­lung am En­de aus­se­hen wer­de, lie­ße sich nicht sa­gen.

Auf die Fra­ge nach mög­li­chen Kon­se­quen­zen ei­ner ge­richt­li­chen Nie­der­la­ge für die Kun­den be­ton­te ei­ne Boo­king-Spre­che­rin: „Wenn ein Kun­de im In­ter­net ei­nen bes­se­ren Preis fin­det, wer­den wir auch wei­ter­hin die Dif­fe­renz er­stat­ten. Das wird sich nie än­dern.“Auch der Kon­kur­rent HRS bie­tet wei­ter ei­ne Best­preis-Ga­ran­tie für sei­ne Kun­den, ob­wohl er auf Druck des Kar­tell­am­tes die Best­preis­klau­seln in sei­nen Ver­trä­gen mit den Ho­tels strei­chen muss­te.

Der Ho­tel­ver­band Deutsch­land (IHA) steht hin­ge­gen voll hin­ter dem Bun­des­kar­tell­amt und warn­te vor ei­ner Wie­der­in­kraft­set­zung der Best­preis­klau­sel. „Das wä­re de­fi­ni­tiv das En­de des On­li­ne-Di­rekt­ver­triebs der Ho­tel­le­rie“, sag­te IHA-Rechts­an­walt Vol­ker Soy­ez in der Ver­hand­lung. Da­bei wer­de der ei­ge­ne On­li­ne-Ver­trieb für die Ho­tels ei­gent­lich im­mer wich­ti­ger.

„Letzt­lich ver­hin­dern die Best­preis­klau­seln, dass an an­de­rer Stel­le nied­ri­ge­re Ho­tel­prei­se an­ge­bo­ten

wer­den kön­nen.“

FO­TO: FO­TO­LIA

Ho­tel­por­ta­le ver­spre­chen Nut­zern die güns­tigs­ten Zim­mer­prei­se im Ur­laub. Doch ge­nau das könn­te die Ta­ri­fe nach oben trei­ben, glau­ben Kar­tell­wäch­ter.

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