Mit ihm trifft Lü­gen­ba­ron auf Sig­mund Freud

Flix scrib­belt, Kis­sel zeich­net: Do­ku­men­te ei­ner krea­ti­ven Zu­sam­men­ar­beit zwei­er Co­mic-Zeich­ner sind jetzt in Saar­lou­is zu se­hen.

Saarbruecker Zeitung - - ZEITUNG FUR SAARBRUCKEN -

SAAR­LOU­IS Un­ver­kenn­bar, die­se Na­se ... Das muss ei­ne Zeich­nung von Bernd Kis­sel (38) sein. Der in Be­rus le­ben­de Au­tor, vie­len SZLe­sern durch sei­ne „Saar-Le­gen­den“und das „Saar-Al­bum“be­kannt, ge­hört zur Bun­des­li­ga der Co­mic-Künst­ler. Er hat mit sei­nem „Spar­rings­part­ner“, wie er Fe­lix Gör­mann ali­as Flix nennt, ei­ne Aus­stel­lung im Ate­lier des Mu­se­ums Haus Lud­wig in Saar­lou­is. Do­ku­ment ei­ner krea­ti­ven Zu­sam­men­ar­beit, sagt Kis­sel.

Herr Kis­sel, schon als Schü­ler, so er­in­ne­re ich mich, ha­ben Sie für die Saar­loui­ser Lo­kal­re­dak­ti­on der Saar­brü­cker Zei­tung ge­zeich­net. Kis­sel Rich­tig, ich war 14 und ha­be auf mei­nem Nach­hau­se­weg von der Schu­le höchs­tens zwei­mal pro Mo­nat Zeich­nun­gen in den SZB­rief­kas­ten ge­wor­fen.

Zu wel­chen The­men?

Kis­sel Zu lo­ka­len, aber auch bei­spiels­wei­se zur Zeit­um­stel­lung. Im We­sent­li­chen wa­ren es po­li­ti­sche Ka­ri­ka­tu­ren wie zu ei­nem Streik der da­ma­li­gen Ge­werk­schaft ÖTV.

Wann war Ih­nen klar, dass Sie Ihr künst­le­ri­sches Ta­lent zum Be­ruf ma­chen woll­ten?

Kis­sel Nach­dem ich 1990 den Film „Die Schö­ne und das Biest“ge­se­hen hat­te. Da wuss­te ich, dass ich Trick­fil­mer wer­den woll­te. Jah­re spä­ter ha­be ich er­fah­ren, dass es in Luxemburg ei­ne Hoch­schu­le für Trick­film gibt, das Ly­cée tech­ni­que des arts et mé­tiers.

Dort ha­ben Sie Ihr Di­plom ge- macht. Was kam da­nach?

Kis­sel Ich ha­be ne­ben­her ein Prak­ti­kum in ei­nem lu­xem­bur­gi­schen Trick­film­stu­dio ge­macht, das mir nach dem Stu­di­um ei­ne An­stel­lung gab. Dort ar­bei­te­te ich acht Jah­re als Back­ground- und Prop­de­si­gner an Fern­seh­se­ri­en, fühl­te mich je­doch un­ter­for­dert und mach­te mich selbst­stän­dig.

Was war Ihr ers­ter ver­öf­fent­lich­ter Co­mic?

Kis­sel Ei­ne Ad­ap­ti­on des Grimm’ schen Mär­chens „Der Ei­sen­hans“, die in Zu­sam­men­ar­beit mit Flix ent­stand und in der ak­tu­el­len Aus­stel­lung hängt.

Wie kam der Kon­takt zu Flix zu­stan­de?

Kis­sel Wir kann­ten uns aus der Sze­ne und sind seit 1996 be­freun­det. Wir tau­schen uns über die elek­tro­ni­schen Me­di­en aus und be­fruch­ten uns ge­gen­sei­tig. Ich weiß, was er macht, und er weiß, was ich ma­che. Wenn es et­was zu ver­bes­sern gibt, ma­chen wir Vor­schlä­ge zur Op­ti­mie­rung. Das ist stets ein krea­ti­ver Pro­zess.

Flix (per E-Mail) Mit Bernd Kis­sel zu ar­bei­ten, ist ei­ne Freu­de. Er ver­mag es, die Bil­der, die ich im Kopf ha­be, zu Pa­pier zu brin­gen. Al­ler­dings viel schö­ner und de­tail­lier­ter, als ich es sel­ber könn­te. Und ich zeich­ne nicht schlecht. . .

Und wer hat­te die Idee zu „Münch­hau­sen“?

Kis­sel Ein Re­dak­teur des Carl­senVer­lags in Ham­burg wur­de auf das „Saar­land-Al­bum“auf­merk­sam und woll­te was mit dem Zeich­ner ma­chen. Flix be­ab­sich­tig­te, ei­ne grö­ße­re Ge­schich­te, ei­ne „Gra­phic No­vel“, zu schrei­ben – das pass­te. Ich schlug „Münch­hau­sen“vor. Flix hat sie neu er­zählt, ins 20. Jahr­hun­dert ver­legt und den Lü­gen­ba­ron mit Sig­mund Freud kon­fron­tiert, der 1939 in Lon­don leb­te. Flix hat sie ge­schrie­ben und in Strich­männ­chen (Scribbles) no­tiert, ich ha­be sie ge­zeich­net. Die­ses Pro­jekt wur­de mit dem Ru­dolf-Dirks-Award 2016 aus­ge­zeich­net.

Was ist die Es­senz der Ge­schich­te? Kis­sel Freud muss her­aus­fin­den, ob Münch­hau­sen, der auf dem Dach des Bucking­ham Pa­lace lan­det und be­haup­tet, vom Mond ge­kom­men zu sein, lügt oder die Wahr­heit sagt. Das zum The­ma: al­ter­na­ti­ve Fak­ten. Sie be­han­deln in­ten­siv auch die deutsch-fran­zö­si­sche Freund­schaft. Wie kam es da­zu?

Kis­sel Ab­ge­se­hen da­von, dass ich Grenz­gän­ger war, sehr viel mit Fran­zo­sen ge­ar­bei­tet ha­be, be­ka­men Flix und ich ei­ne An­fra­ge vom Goe­the-In­sti­tut in Nan­cy, et­was zum 50-jäh­ri­gen Ju­bi­lä­um des Ely­sée-Ver­trags zu ma­chen. Dar­aus ent­stan­den die 23 „Strips“zu „Ren­dez-vous à Ber­lin“, die in die­ser Aus­stel­lung zu se­hen sind. Aber be­reits 2009, wäh­rend der Vor­stel­lung des zwei­ten Ban­des der „Saar-Le­gen­den“, war der Schul­buch­ver­lag Cor­nel­sen auf mei­ne Co­mics auf­merk­sam ge­wor­den und be­auf­trag­te mich, zu­sam­men mit ei­nem Mün­che­ner Au­to­ren­paar ei­ne Co­mic­se­rie zu ent­wi­ckeln, mit de­ren Hil­fe deut­sche Schü­ler Fran­zö­sisch ler­nen kön­nen.

Das Ge­spräch führ­te Jut­ta Stamm.

IL­LUS­TRA­TI­ON: KIS­SEL

Ei­ne Zeich­nung aus dem Buch von Flix und Bernd Kis­sel.

FO­TO: KIS­SEL

Be­reit für neue Ide­en: Zeich­ner Bernd Kis­sel aus Be­rus.

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