Ein Rück­tritt im Al­lein­gang

Phil­ipp Lahm wird am Sai­son­en­de sei­ne ak­ti­ve Lauf­bahn be­en­den. Dass er da­mit vor­presch­te, hat­te der FC Bay­ern nicht er­war­tet.

Saarbruecker Zeitung - - SPORT - VON RU­BEN STARK

MÜN­CHEN (sid) Als Prä­si­dent Uli Ho­en­eß noch sicht­bar ge­nervt mau­er­te, war für Phil­ipp Lahm schon klar, dass er die Bom­be gleich plat­zen las­sen wür­de. Nicht ab­ge­stimmt mit den Ver­eins­bos­sen hat der Ka­pi­tän von Bay­ern Mün­chen sein Kar­rie­re­en­de an­ge­kün­digt – kurz nach dem 1:0 (1:0) im DFB-Po­kal ge­gen den VfL Wolfs­burg und dem glanz­lo­sen Ein­zug ins Vier­tel­fi­na­le. „Ich ha­be den Ver­ant­wort­li­chen ge­sagt, dass ich am En­de der Sai­son auf­hö­re, Fuß­ball zu spie­len“, sag­te Lahm – und sorg­te für reich­lich Miss­stim­mung beim Re­kord­meis­ter.

Ein Rück­tritt im Al­lein­gang, als kra­chen­des Si­gnal. Nicht 2018, son­dern schon 2017 ist Schluss. Und Lahm lehn­te auch den Sport­di­rek­tor-Pos­ten beim FC Bay­ern ab – zu­min­dest zum ak­tu­el­len Zeit­punkt. Ab dem 1. Ja­nu­ar 2018 hät­te er sei­ne neue Po­si­ti­on be­klei­den sol­len. Am ver­gan­ge­nen Frei­tag aber, er­klär­te Ho­en­eß dann ges­tern, ha­be Lahm ab­ge­sagt: „Es ist nicht üb­lich, mit die­sen Din­gen vor wich­ti­gen Spie­len an die Öf­fent­lich­keit zu ge­hen. Wir sa­hen kei­ne Ei­le.“Auch Vor­stands­chef Karl-Heinz Rum­me­nig­ge sprach ges­tern in ei­ner Er­klä­rung von ei­nem „über­ra­schen­den Vor­ge­hen“Lahms.

Das lan­ge ein­sei­ti­ge Po­kal­spiel mit dem Tor von Dou­glas Cos­ta (17. Mi­nu­te) war am Di­ens­tag­abend je­den­falls nur ei­ne Rand­no­tiz. „Für mich steht fest, dass ich ab Som­mer Pri­va­tier bin. Ich bin so lan­ge in dem Ver­ein, wir wer­den se­hen, was dann die Zu­kunft bringt“, sag­te Lahm, als er kurz vor Mit­ter­nacht zum Mit­tel­punkt des Abends ge­wor­den war. Ges­tern Abend leg­te er nach. Es ste­he für ihn „au­ßer Fra­ge, dass ich mir ei­ne an­der­wei­ti­ge Auf­ga­be beim FCB nach wie vor sehr gut vor­stel­len kann“, schrieb Lahm bei Face­book. „Aber wer mich kennt, der weiß, dass ich ger­ne vor­be­rei­tet bin. Des­halb möch­te ich nach die­ser Sai­son erst ein­mal et­was Ab­stand ge­win­nen, die lan­ge Zeit im Fuß­ball re­flek­tie­ren und mir in Ru­he Ge­dan­ken ma­chen, wo und in wel­cher Form ich mei­ne ge­sam­mel­te Er­fah­rung er­wei­tern und ein­brin­gen kann“, füg­te Lahm an. „Für Phil­ipp bleibt die Tür of­fen“, mein­te Ho­en­eß.

Im Som­mer geht erst ein­mal ei­ne der glanz­volls­ten Kar­rie­ren im deut­schen Fuß­ball zu En­de. Lahm hat fast al­les ge­won­nen, was es zu ge­win­nen gibt. Welt­meis­ter, Cham­pi­ons-Le­ague-Sie­ger, sie­ben Mal Meis­ter mit dem FC Bay­ern und so wei­ter. Lahm hat die Münch­ner ge­prägt, er hat die Na­tio­nal­mann­schaft ge­prägt, er wird ge­ach­tet und re­spek­tiert.

Ge­nau des­halb hat­ten und ha­ben die Bay­ern auch gro­ße Plä­ne mit ihm. Für ei­nen Vor­stands­pos­ten sa­hen sie die Zeit für den Ein­stei­ger al­ler­dings noch nicht reif. Die Le­bens­ge­stal­tung von Lahm deck­te sich da­mit nicht. „Ich ha­be mich ent­schlos­sen, dass es nicht der rich­ti­ge Zeit­punkt ist, um beim FC Bay­ern ein­zu­stei­gen“, sag­te er. Der lang­jäh­ri­ge Spiel­füh­rer, ei­ne der gro­ßen ver­blie­be­nen Iden­ti­fi­ka­ti­ons­fi­gu­ren, zieht ei­ne Aus­zeit vor: „Ich kann mich mehr um an­de­re Din­ge küm­mern, mich auch selbst ein biss­chen um­schau­en, um­hö­ren und mich mit an­de­ren Leu­ten tref­fen.“

Ho­en­eß und Rum­me­nig­ge müs­sen sich nun mit an­de­ren Lö­sun­gen be­fas­sen – und da rückt Bo­rusia Mön­chen­glad­bachs Sport­di­rek­tor Max Eberl ins Blick­feld. Eberl und Ho­en­eß gel­ten seit Jah­ren als Ver­trau­te. „Ich ha­be gar kei­ne Na­men im Kopf, weil wir bis­her nur mit Phil­ipp ge­spro­chen ha­ben“, wie­gel­te der Prä­si­dent ab. Den­noch steigt Eberl mit sei­ner lan­gen Bay­ern-Ver­gan­gen­heit nun zum Fa­vo­ri­ten auf. Be­set­zen will der Re­kord­meis­ter den Pos­ten des Sport­di­rek­tors al­le­mal.

Lahm kon­zen­triert sich einst­wei­len auf sei­ne letz­ten Mo­na­te als ak­ti­ver Fuß­bal­ler. „Ich bin mir si­cher, dass ich bis zum En­de der Sai­son mei­ne Top-Leis­tung ab­ru­fen, für al­le an­de­ren ein Vorbild sein kann. Das be­kom­me ich hin“, sag­te er. Es sol­len mög­lichst er­folg­rei­che Mo­na­te wer­den. Spä­tes­tens am 3. Ju­ni wird er sein letz­tes gro­ßes Spiel be­strei­ten. In Car­diff wird dann das Fi­na­le der Cham­pi­ons Le­ague an­ge­pfif­fen. Lahm will auch als Bay­ern-Pro­fi auf ei­nem Gip­fel ab­tre­ten. So wie er es 2014 als Na­tio­nal­spie­ler ge­tan hat. „Das En­de“, sag­te Lahm, „will ich sel­ber be­stim­men“.

FO­TO: IMA­GO

Ge­ra­de erst wur­de Phil­ipp Lahm ganz groß ge­ehrt, mit Blu­men be­schenkt, für sein 500. Pflicht­spiel im Tri­kot des FC Bay­ern Mün­chen. Vie­le kom­men nicht mehr hin­zu.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.