Ham­burg träumt schon wie­der von Eu­ro­pa

Der Bun­des­li­gist hat sou­ve­rän das Po­kal-Vier­tel­fi­na­le er­reicht, den­noch geht der Ab­stiegs­kampf wei­ter.

Saarbruecker Zeitung - - SPORT - VON CHRIS­TOPH STUKENBROCK

HAM­BURG (sid) Es war ein biss­chen wie frü­her. „Noch drei Sie­ge bis Eu­ro­pa“, ti­tel­te das Ham­bur­ger Abend­blatt. Die Bild-Zei­tung schrieb in gro­ßen Let­tern von der „Po­kal-Par­ty“des Ham­bur­ger SV, und die Mor­gen­post stell­te fest: „Der HSV träumt von Ber­lin.“

Die Stim­mung an der El­be er­in­ner­te ges­tern schon fast an al­te Zei­ten, als der HSV noch ei­ne gro­ße Num­mer war und re­gel­mä­ßig um Ti­tel und Tri­um­phe spiel­te. So wa­ren die Spie­ler selbst, die den Blick nach dem 2:0 (1:0) im Ach­tel­fi­na­le des DFB-Po­kals im Erst­li­gaDu­ell mit dem 1. FC Köln schnell wie­der auf das We­sent­li­che rich­te­ten: den Kampf um den Klas­sen­ver­bleib in der Bun­des­li­ga.

„Es ist ein schö­nes Ge­fühl, dass wir das ge­schafft ha­ben, aber wir müs­sen jetzt wei­ter klei­ne Bröt­chen ba­cken“, sag­te Tor­hü­ter Re­né Ad­ler. Schon am Sams­tag war­te mit RB Leip­zig der nächs­te schwe­re Geg­ner: „Aber wir fah­ren mit zwei Sie­gen im Rü­cken hin und wol­len et­was mit­neh­men.“

Grün­de für das neue Ham­bur­ger Selbst­ver­trau­en lie­fer­te die Vor­stel­lung ge­gen die am­bi­tio­nier­ten Köl­ner al­le­mal. Trotz aus­gie­bi­ger Ro­ta­ti­on – Trai­ner Markus Gis­dol brach­te im Ver­gleich zum Er­folg ge­gen Bay­er Le­ver­ku­sen (1:0) sechs Neue – be­herrsch­te der Dritt­letz­te der Bun­des­li­ga die Par­tie, gab Spiel­tem­po und Rhyth­mus vor und er­ar­bei­te­te sich Chan­cen am Fließ­band.

Nach den Tref­fern von Gi­de­on Jung (5. Mi­nu­te) und Bob­by Wood (75.) schall­ten „Oh, wie ist das schön“-Ge­sän­ge durch das Volks­park­sta­di­on. 30 Jah­re nach dem letz­ten von ins­ge­samt drei Po­kalT­ri­um­phen träu­men zu­min­dest die eu­pho­ri­sier­ten Fans schon vom Fi­na­le am 27. Mai in Ber­lin.

Be­son­ders Neun-Mil­lio­nen­Mann Wa­lace un­ter­strich am Di­ens­tag­abend sein gro­ßes Po­ten­zi­al. Der Bra­si­lia­ner for­der­te im Spiel­auf­bau die Bäl­le, strahl­te im Mit­tel­feld­zen­trum viel Ru­he aus und riss das Spiel an der Sei­te von Jung förm­lich an sich. „Er hat das sehr or­dent­lich und cou­ra­giert ge­macht“, lob­te Gis­dol.

Zum gro­ßen Trumpf im Kampf um die Bun­des­li­ga-Klas­se könn­te am En­de aber vor al­lem die neue Heim­stär­ke wer­den. Nach drei Sie­gen in der Li­ga ge­lang ge­gen Köln der vier­te Pflicht­spie­l­er­folg in der hei­mi­schen Are­na in Fol­ge. An­ge­sichts von noch acht aus­ste­hen­den Par­ti­en (von 15) vor ei­ge­nem Pu­bli­kum gibt es al­so An­lass zu vor­sich­ti­gem Op­ti­mis­mus.

Doch Vor­sicht ist ge­bo­ten: Auch 2014 stand der HSV nach ei­nem Sieg ge­gen Köln im Vier­tel­fi­na­le. In der Run­de der letz­ten Acht folg­te das jä­he En­de al­ler Po­kalt­räu­me (0:5 ge­gen Bay­ern Mün­chen) – und in der Li­ga ret­te­te sich der Club mit Ach und Krach erst im Nach­sitzen in der Re­le­ga­ti­on.

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