KING KONG #wei­ße­frau

Saarbruecker Zeitung - - THEATER ZEIT -

Em­ma­nu­el Fré­miets „Go­ril­la, der ei­ne Frau raubt“von 1887

Der Rie­sen­go­ril­la „King Kong“er­blick­te 1933 auf dem Hö­he­punkt der Welt­wirt­schaft­kri­se das Licht der Welt und brann­te sich mit em­ble­ma­ti­schen Sze­nen wie z. B. dem En­de auf dem Em­pi­re Sta­te Buil­ding ins kol­lek­ti­ve Ge­dächt­nis ein. Um die Dreh­buch­au­to­ren und die Ent­ste­hung des Fil­mes ran­ken sich di­ver­se My­then, von de­nen die meis­ten in das Reich des Mar­ke­tings ge­hö­ren. Be­legt ist al­ler­dings, dass die Film­ku­lis­sen wie­der­ver­wer­tet wur­den, so z. B. für das bren­nen­de At­lan­ta in „Vom Win­de ver­weht“. „King Kong“ent­wi­ckel­te sich – der Re­zes­si­on zum Trotz – zum bis da­hin er­folg­reichs­ten Film an der Ki­no­kas­se. Noch im Ent­ste­hungs­jahr gab es die ers­te ja­pa­ni­sche Fil­m­ad­ap­ti­on, zahl­rei­che wei­te­re Ver­fil­mun­gen folg­ten, ge­nau­so wie un­ge­zähl­te Co­mics und Ver­ar­bei­tun­gen jed­we­der Art.

Die Ur­sze­ne des Films lässt sich schon im 19. Jahr­hun­dert fin­den. Wenn man sich Em­ma­nu­el Fré­miets Skulp­tur (s.o.) ei­nes ei­ne Frau rau­ben­den Go­ril­las an­sieht, er­schei­nen schon al­le Fa­cet­ten des My­thos: das ani­ma­li­sche Tier, kraft­voll, fo­kus­siert, furcht­ein­flö­ßend. Die zar­te, wei­ße Frau, die die Be­gier­de des Tiers ent­fes­selt und ge­raubt wird. Es sind Bil­der von Un­schuld und Angst, Vor­stel­lun­gen von Na­tur und Be­gier­de, die ei­nen ras­sis­ti­schen Un­ter­ton nicht ver­ber­gen.

Klaus Geh­re in­sze­niert den 3. Li­ve-Film in der spar­te4

King Kong #wei­ße­frau“ist nach „Bla­de Run­ner“und „Ti­ta­nic“der 3. iko­ni­sche Film­stoff, mit dem sich der Au­tor und Re­gis­seur Klaus Geh­re in der spar­te4 be­schäf­tigt. Klaus Geh­re in­sze­niert Li­ve-Fil­me, die auf ei­ne ir­ri­tie­rend schrä­ge Art zwi­schen Film und Thea­ter os­zil­lie­ren. Vor dem Zu­schau­er ent­steht ei­ne Il­lu­si­on, die im glei­chen Au­gen­blick de­kon­stru­iert wird. Geh­re spielt mit den Nar­ra­ti­ven des Wes­tens, mit der Vor­stel­lung des ani­ma­li­schen Pri­ma­ten, der in die bür­ger­li­che Welt ein­dringt. Es ist ein lust­vol­les Spiel mit Zei­chen­codes der Pop­kul­tur, mit Bar­bie­pup­pen (ne­ben 5 star­ken Schau­spie­lern) und Laub­sä­ge­de­ko­ra­tio­nen und dem phi­lo­so­phi­schem Ge­dan­ken­gut von Hou­el­l­e­becq bis Der­ri­da. Aus dem My­thos wächst ei­ne neue Ge­schich­te – über Fra­gen von Kör­per und Se­xua­li­tät, über Ge­walt und Ras­sis­mus – und dem Phan­tas­ma ei­nes per­fekt zu pla­nen­dem neu­en Men­schen.

Urauf­füh­rung: 26. März, 20 Uhr in der spar­te4

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.