Mut ent­wi­ckeln!

Saarbruecker Zeitung - - THEATER ZEIT -

Der Ju­gend­club U21­stellt sich die Fra­ge, wie man vom

Glau­ben zu ei­nem po­li­ti­schen Be­wusst­sein kommt

Das ak­tu­el­le Pro­jekt des Ju­gend­clubs U21 ist ein Bei­trag zum Ge­denk­jahr „500 Jah­re Re­for­ma­ti­on“und er­weist sich bis­her als ei­ne der her­aus­for­dernds­ten Ar­bei­ten für die Grup­pe. Lu­ther ver­folg­te mit der Über­set­zung der Bi­bel das Ziel, mög­lichst vie­len Men­schen Zu­gang zu Bil­dung zu ver­schaf­fen und in die Ge­sell­schaft zu wir­ken. Die­ser Glau­be war es, der die Ju­gend­li­chen da­zu brach­te, ei­ge­ne Wün­sche nach Ve­rän­de­rung zu for­mu­lie­ren. In Grup­pen be­gan­nen sie zu­nächst den Ist-Zu­stand der Welt zu un­ter­su­chen. Was be­deu­tet der Kli­ma­wan­del für uns? Was ver­ur­sacht die Glo­ba­li­sie­rung an Wech­sel­wir­kun­gen zwi­schen Pro­duk­ti­on und Kon­sum­ti­on? Wie be­wusst sind wir uns un­se­rer pri­vi­le­gier­ten Le­bens­um­stän­de? Wer zahlt ei­gent­lich den Preis für un­se­ren Wohl­stand? Die Ju­gend­li­chen woll­ten sich der Kom­ple­xi­tät der Welt stel­len um sich aus der ei­ge­nen Ago­nie zu be­frei­en, woll­ten das dif­fu­se Ge­fühl der Ohn­macht über­win­den, doch nichts an den Zu­stän­den än­dern zu kön­nen. Schnell fan­den sie den Mut, ih­re Er­kennt­nis­se als For­de­run­gen zu for­mu­lie­ren: nach ei­ner Welt, die sich nicht wei­ter aus­ein­an­der­di­vi­diert, son­dern den Zu­sam­men­halt sucht, die nicht Ab­schot­tung und Aus­gren­zung pro­pa­giert, son­dern auf So­li­da­ri­tät setzt. Es geht um nicht mehr und nicht we­ni­ger als die „An­ge­wand­te Zu­kunft der Mensch­heit“und ei­ne Ab­kehr von Re­si­gna­ti­on und Hilf­lo­sig­keit. Jörg We­se­mül­ler, der den Ju­gend­club seit Be­ginn mit gro­ßem Er­folg lei­tet, un­ter­stützt die Ju­gend­li­chen da­bei, von der rei­nen Theo­rie zu ei­nem thea­tra­len Dis­kurs zu fin­den, die Aus­stat­tung macht Jas­na Boš­ni­ak.

Cho­reo­gra­fi­en von An­na Kon­jetz­ky und

Li­lia­na Bar­ros

An­ge­wand­te Zu­kunft der Mensch­heit Pre­mie­re: 21. April, 19.30 Uhr, AFW

Zwar as­so­zi­iert man mit Bal­lett gern das ephe­me­re Weib­li­che, und ge­fühlt gibt es mehr tan­zen­de Frau­en als Män­ner, doch die Ma­cher – sprich: die Cho­reo­gra­fen – sind über­wie­gend männ­lich. Nur sehr we­ni­ge Frau­en cho­reo­gra­fie­ren für die gro­ßen Kom­pa­ni­en der Welt, und ei­ne Stu­fe dar­un­ter, bei den deut­schen Staats- und Stadt­thea­tern, sieht es nur we­nig bes­ser aus.

Ei­ne der wich­tigs­ten jun­gen Cho­reo­gra­fin­nen Deutsch­lands ist An­na Kon­jetz­ky. Sie war von 2005 bis 2008 As­sis­ten­tin von Wan­da Go­lon­ka in Frank­furt und ar­bei­tet seit­dem in Mün­chen. In ih­ren Tanz­stü­cken und In­stal­la­tio­nen be­schäf­tigt sie sich im­mer wie­der mit der Be­zie­hung von In­di­vi­du­um und Mas­se. Für ihr neu­es Stück „ground“, ihr ers­tes für ein En­sem­ble an ei­nem Staats- oder Stadt­thea­ter, stell­te sie sich Fra­gen wie: „Wo­her

Gro­ße kör­per­li­che Prä­senz for­dert auch Li­lia­na Bar­ros, lang­jäh­ri­ges Mit­glied des SST-Bal­letts, in ih­rem ers­ten Grup­pen­stück. Sie be­nennt zwei Din­ge, die sie in „My na­me is Le­gi­on“auf­ge­grif­fen hat: zum ei­nen das Phä­no­men der Mi­gra­ti­on, nicht re­du­ziert auf die Flücht­lings­kri­se, son­dern als stän­di­ge Be­we­gung, zum an­de­ren die jüngs­ten Wer­ke des Künst­lers Da­ni­el Rich­ter, in de­nen der Fo­kus auf dem Kör­per und sei­ner Kör­per­lich­keit liegt.

Ins­ge­samt ein Abend, der den Zu­schau­er (her­aus)for­dert, nicht nur op­tisch, son­dern auch akus­tisch – für bei­de Stü­cke wur­den kraft­vol­le elek­tro­ni­sche So­und­scapes kre­iert (Ser­gej Main­gardt für An­na Kon­jetz­ky, Mar­tin Mit­ter­stie­ler für Li­lia­na Bar­ros).

Kon­jetz­ky_Bar­ros

Öf­fent­li­che Pro­be: 9. Fe­bru­ar, 18 Uhr, AFW Kost­Pro­be für Un­ter­rich­ten­de: 16. Fe­bru­ar, 18.30 Uhr, AFW. An­mel­dung er­for­der­lich un­ter a.mu­el­ler@staats­thea­ter.saar­land Pre­mie­re: 18. Fe­bru­ar, 19.30 Uhr, AFW

Die Cho­reo­gra­fin­nen A. Kon­jetz­ky und L. Bar­ros

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