Ver­dis liebs­tes Sor­gen­kind

Saarbruecker Zeitung - - THEATER ZEIT -

Gi­u­sep­pe Ver­di war ein er­folg­rei­cher Kom­po­nist. Um­so mehr wurm­te es ihn, dass ein Stück, das er be­son­ders schätz­te, bei sei­ner Urauf­füh­rung 1857 durch­fiel: „Si­mon Boc­ca­ne­gra“fand kein ge­wo­ge­nes Pu­bli­kum, ob­wohl Ver­di mit An­to­nio Gu­tiér­rez den glei­chen Au­tor als Stück­vor­la­ge hat­te wie bei sei­nem ge­fei­er­ten „Trou­ba­dour“; mit Fran­ces­co Ma­ria Pia­ve hat­te er zu­dem den glei­chen Li­bret­tis­ten en­ga­giert, der be­reits am Rie­sen­er­folg von „La Tra­viata“und „Ri­go­let­to“be­tei­ligt war. Noch da­zu gip­felt „Si­mon Boc­ca­ne­gra“im von Fran­ces­co Pe­trar­ca ent­lie­he­nen Auf­ruf zur Ein­heit Ita­li­ens: ein in den aus­ge­hen­den 50er Jah­ren des 19. Jahr­hun­derts un­ge­heu­er bri­san­tes The­ma und ein zen­tra­les An­lie­gen in Ver­dis po­li­ti­schem En­ga­ge­ment. Ver­di glaub­te trotz al­ler Ab­leh­nung an die Qua­li­tä­ten sei­ner Oper, und un­ter­nahm 1881 zu­sam­men mit dem jun­gen Kom­po­nis­ten und Text­dich­ter Ar­ri­go Boi­to (der dann noch die Li­bret­ti für die gran­dio­sen Al­ters­wer­ke „Otel­lo“und „Fal­staff“schrieb) ei­nen Ver­such der Re­ha­bi­li­ta­ti­on des „Si­mon Boc­ca­ne­gra“, der von Er­folg ge­krönt war.

Ver­di schuf ein Werk, das nicht nur ei­ne wei­te­re Pa­ra­de­rol­le für ei­nen dra­ma­ti­schen Ba­ri­ton im Zen­trum hat – wer wä­re da ge­eig­ne­ter als Olaf­ur Si­gur­dar­son? –, son­dern be­schrei­tet in den or­ches­tra­len Tei­len We­ge, die im­pres­sio­nis­tisch an­mu­ten, was ne­ben den „üb­li­chen“Ver­di­schen Kan­ti­le­nen den „Si­mon“zu ei­ner der far­ben­reichs­ten Par­ti­tu­ren des Meis­ters wer­den lässt.

In der Ge­schich­te über den mit­leid­lo­sen Kampf um die Vor­herr­schaft im spät­mit­tel­al­ter­li­chen Ge­nua steht dem Do­gen Si­mon Boc­ca­ne­gra des­sen Erz­feind Fies­co (ver­kör­pert von Hi­ro­shi Matsui) ge­gen­über. Dass die jun­ge Ame­lia Gri­mal­di (Yi­ti­an Luan) in Wirk­lich­keit die tot­ge­glaub­te Ma­ria und da­mit Fies­cos En­ke­lin und Si­mons Toch­ter ist, er­fah­ren bei­de erst sehr spät; dass sie mit Ga­b­rie­le Ador­no (Adri­an Du­mi­tru a. G.) auch noch ei­nen po­li­ti­schen Wi­der­sa­cher des Va­ters liebt, ver­kom­pli­ziert die La­ge noch wei­ter. Der in­tri­gan­te Pao­lo ali­as Ja­mes Bob­by gießt noch Öl ins Feu­er und ver­gif­tet am En­de den Do­gen. Bes­ter Opern­stoff al­so.

Si­mon Boc­ca­ne­gra, nach 45 jah­ren wie­der am SST

Für die Re­gie konn­te der so­wohl als Schau­spie­ler wie als Schau­spiel­re­gis­seur be­kann­te Jo­han­nes von Ma­tusch­ka ge­won­nen wer­den, der sich in letz­ter Zeit auch der Oper wid­met. Die Büh­ne wird von Ul­rich Leit­ner aus­ge­stat­tet, auch er ein De­bü­tant am SST, wäh­rend die Ko­s­tü­me von Ja­ni­na Am­mon ent­wor­fen wer­den, die schon mit „Der gol­de­ne Hahn“und „Fal­staff“äu­ßerst er­folg­reich am SST tä­tig war. Die von Far­ben glü­hen­de Par­ti­tur wird vom ers­ten Ka­pell­meis­ter Chris­to­pher Ward am Pult des Saar­län­di­schen Staats­or­ches­ters zum Leuch­ten ge­bracht wer­den.

Si­mon Boc­ca­ne­gra

Ma­ti­nee: 9. April, 11 Uhr, Mit­tel­foy­er SST Pre­mie­re: 22. April, 19.30 Uhr, SST

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