Ra­sant und mit Iro­nie

Neu: „The Le­go Bat­man Mo­vie“von Chris McKay

Saarbruecker Zeitung - - KINO - Von Mar­tin Schwi­ckert

Es gibt Leu­te, de­nen fällt es schwer, Le­go-Fi­gür­chen von de­nen aus dem Play­mo­bilPar­al­lel­uni­ver­sum nach­hal­tig zu un­ter­schei­den. Im­mer­hin ha­ben bei­de kei­ne Knie und kei­ne Ell­bo­gen, da­für kann man ih­nen Kopf­be­de­ckung und -be­haa­rung ab­zie­hen und aus­tau­schen. Und ge­mein­sam ha­ben sie ei­nen dank spar­ta­ni­scher Zeich­nung be­grenz­ten Ge­sichts­aus­druck.

An­ge­sichts die­ser Li­mi­ta­tio­nen er­schien es wie ein Schlag ins Ge­sicht, als vor knapp zwei Jah­ren ein Ki­no­film mit Le­go-Fi­gu­ren ge­dreht wur­de, der sich da­durch aus­zeich­ne­te, dass er ein im Kern bier­erns­tes Su­per­hel­den­epos auf der Ba­sis ei­nes di­gi­tal ani­mier­ten Pup­pentrick­films mit mi­ni­ma­ler Zei­chen­trick­mi­mik kom­bi­nier­te und das al­les au­gen­zwin­kernd als Kult ver­kauf­te. Die Rech­nung ging auf. „The Le­go Mo­vie“spiel­te welt­weit rund ei­ne hal­be Mil­li­ar­de Dol­lar ein. Jetzt be­kommt Le­go-Bat­man (Fo­to: War­ner), im ers­ten Teil noch Ne­ben­fi­gur, sein ei­ge­nes Ve­hi­kel und er prä­sen­tiert sich als ein­sa­mer Held, den kei­ner mag, weil er sich in Kri­sen­si­tua­tio­nen im­mer als al­lei­ni­ger Ret­ter von Gotham Ci­ty in Sze­ne setzt. Als sich aber der Jo­ker mit ei­nem schlim­men Schur­ken ver­bün­det, muss auch Bat­man Al­li­an­zen ein­ge­hen.

Was sich ihm an­bie­tet, sind ein al­ter Mann, ein en­er­gi­sches Girl und ein en­thu­si­as­ti­scher Ju­gend­li­cher. Bat­man freun­det sich mit der Idee an, über den ei­ge­nen Schat­ten zu sprin­gen. Das al­les ist so ty­pisch ame­ri­ka­nisch wie die Vor­stel­lung, die Macht aus „Star Wars“als Re­li­gi­on zu be­an­tra­gen oder ei­nen Un­ter­neh­mer zum Prä­si­den­ten zu wäh­len. Das Gan­ze ist ra­sant in­sze­niert und lässt auch Sinn für Selbst­iro­nie und tie­fe­re Kennt­nis der Sci­ence Fic­tion der 50er und 60er Jah­re auf­blit­zen. (USA 2016; Re­gie: Chris McKay) umi Bru­ce Way­ne (Will Ar­nett) Gard­ner El­li­ot (Asa But­ter­field) ist 16 Jah­re alt und hat in sei­nem gan­zen Le­ben ge­ra­de ein­mal 14 Men­schen ken­nen­ge­lernt. Mehr gibt es auf sei­nem Pla­ne­ten, dem Mars, nicht, wo der Jun­ge auf ei­ner Raum­sta­ti­on ge­bo­ren und auf­ge­wach­sen ist. Die Mut­ter ist bei der Ge­burt ge­stor­ben und hat kei­nem ver­ra­ten, wer der Va­ter ist.

Aus Grün­den, die lan­ge im Dun­keln blei­ben und auch nach ih­rer Er­klä­rung nicht ein­leuch­ten, wur­de die Exis­tenz des Mars­kin­des auf der Er­de ge­heim ge­hal­ten. Für ei­nen Pu­ber­tie­ren­den gibt es auf so ei­ner Raum­sta­ti­on um­ge­ben von er­wach­se­nen Wis­sen­schaft­lern und alt­klu­gen Ro­bo­tern we­nig hor­mo­nel­le An­dock­stel­len. Und so chat­tet Gard­ner mit dem pa­ten­ten Er­den­mäd­chen Tul­sa (Britt Ro­bert­son), oh­ne zu ver­ra­ten, dass er mehr als 100 Mil­lio­nen Ki­lo­me­ter von ihr ent­fernt lebt.

Schließ­lich be­kommt der Te­enager von der Raum­fahrt­fir­ma Gard­ner(Asa But­ter­field) und Tul­sa (Britt Ro­bert­son) un­ter­wegs. die Er­laub­nis zur Er­de zu rei­sen. Dort er­war­ten ihn nicht nur Re­port­er­hor­den, son­dern auch die Qua­ran­tä­ne­sta­ti­on der NA­SA. Denn ob der Kör­per des Mar­sia­ners mit ir­di­scher At­mo­sphä­re und Schwer­kraft zu­recht kommt, ist kei­nes­wegs er­wie­sen. Von ju­gend­li­cher Un­ge­duld ge­trie­ben, reißt Gard­ner aus nach Co­lo­ra­do, um Tul­sa zu tref­fen und ge­mein­sam mit ihr nach sei­nem Va­ter zu su­chen.

Sich selbst als Au­ßer­ir­di­schen wahr­zu­neh­men, ge­hört be­kannt­lich zum pu­ber­tä­ren Le­bens­ge­fühl. Ro­bert Chel­soms „Den Ster­nen so nah“nimmt die Idee wört­lich und ent­wi­ckelt dar­aus ei­ne durch­aus char­man­te Te­e­nie-Roman­ze. Der schlack­si­ge Asa But­ter­field stelzt als un­ter­trai­nier­ter Mar­sia­ner mit stau­nen­der Nai­vi­tät durch das neue ir­di­sche Da­sein. Das führt zu ei­ni­gen schö­nen Sze­nen, in de­nen das Selbst­ver­ständ­li­che mit fri­schem Blick ge­se­hen wird. Be­son­ders ge­lun­gen ist die amou­rö­se Kon­tras­tie­rung des sen­si­blen, un­er­fah­re­nen Au­ßer­ir­di­schen und dem mit al­len Was­sern ge­wa­sche­nen Co­lo­ra­do-Girl, das Britt Ro­bert­son mit sou­ve­rä­ner ro­man­ti­scher Cool­ness ver­kör­pert. Dass die Ac­tion­sze­nen an­ge­strengt wir­ken und der Film auf der Su­che nach ei­nem schlüs­si­gen Hap­py End or­dent­lich ins Stol­pern ge­rät, ver­zeiht man die­ser auf­ge­weck­ten Ziel­grup­pen-Schnul­ze gern.

USA 2017, 121 Min.; Re­gie: Ro­bert Chel­som; Buch: Al­lan Lo­eb; Ka­me­ra: Bar­ry Pe­ter­sen; Mu­sik: And­rew Lo­cking­ton; Darstel­ler: Asa But­ter­field, Britt Ro­bert­son, Ga­ry Old­man, Car­la Gu­gi­no.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.