Di­rekt in die Ma­gen­gru­be

Film der Wo­che: „The Girl With All The Gifts“von Colm McCar­thy – Posta­po­ka­lyp­ti­sches Sci-Fi-Zom­bie-Aben­teu­er

Saarbruecker Zeitung - - KINO - Von Uwe Mies

Ophio­cor­dy­ceps uni­la­te­ra­lis ist ei­ne pa­ra­si­tä­re Pilz­art, die auf Amei­sen wächst und de­ren Ver­hal­ten ver­än­dert. Der glei­che Pilz be­wuchs ei­nes Ta­ges auch die Men­schen und be­raub­te sie ih­res Wil­lens. Zwar war die Zeit bis zum To­de eher kurz, da­für aber um­so in­ten­si­ver ge­prägt vom Drang nach Fleisch und Blut, wes­halb man die In­fi­zier­ten auch die „Hung­ri­gen“nann­te.

Die La­ge wur­de ernst, aber dann stie­ßen Wis­sen­schaft­ler auf Kin­der, die zwar die Kon­trol­le über ihr Den­ken be­wahrt hat­ten, bis sie Le­bend­nah­rung wit­ter­ten und tem­po­rär dann auch zu ge­fähr­li­chen Bes­ti­en wur­den. Das Mäd­chen Me­la­nie (ei­ne sen­sa­tio­nel­le Ent­de­ckung: Sen­nia Na­nua) war ei­ne Aus­nah­me, weil es sei­nen Wil­len und da­mit sei­nen Hun­ger steu­ern konn­te und war des­halb für die Leh­re­rin He­len Jus­ti­neau (Gem­ma Ar­ter­ton) der Baustein ei­ner neu­en Zu­kunft.

Die Wis­sen­schaft­le­rin Cald­well (Glenn Clo­se) hin­ge­gen sah in Me­la­nie vor al­lem das zum Über­le­ben wich­ti­ge ge­ne­ti­sche Trä­ger­ma­te­ri­al, das es um den Preis des ei­nen Le­bens zum Woh­le der Men­schen zu iso­lie­ren galt. Dann über­rann­ten die Hung­ri­gen die letz­ten Bas­tio­nen der Men­schen. Nun sind Jus­ti­neau und Cald­well zu­sam­men mit zwei Sol­da­ten auf der Flucht über Land und ihr al­ler Le­ben liegt in den Hän­den ih­rer Füh­re­rin Me­la­nie.

Kei­ne Fra­ge, es gibt Zom­bie­fil­me mit Hirn, und wie in ei­nem gu­ten Kriegs­film fin­den sie die Ba­lan­ce zwi­schen Kann das al­les ein gu­tes En­de neh­men? Sen­nia Na­nua, ei­ne tol­le Ent­de­ckung, als Me­la­nie. Ekel und Ner­ven­kit­zel und ei­ner zu­pa­cken­den Stu­die über mo­ra­li­sche Zwick­müh­len und an­de­re Un­zu­läng­lich­kei­ten der mensch­li­chen Na­tur. Mi­ke Ca­reys Ro­man wur­de vom in zahl­rei­chen Se­ri­en er­prob­ten Re­giesöld­ner Colm McCar­thy in bri­ti­scher In­de­pen­dent-Ma­nier in­sze­niert mit spar­sa­mem Ge­brauch an Pan­ora­men und In­nen­aus­stat­tung. Das Kli­ma ist ge­wollt klaus­tro­pho­bisch, die Span­nung rührt nach ei­nem ers­ten fie­sen Ge­met­zel aus der Furcht vor wei­te­rem Greu­el und der Hoff­nung, dass es ein gu­tes En­de neh­men mö­ge.

Gu­tes En­de bloß – für wen? Und so öff­nen sich in den Ge­sprächs­pau­sen Aspek­te von be­ängs­ti­gen­der Fol­ge­rich­tig­keit, die auf ei­ne ori­gi­nel­le, sub­ver­si­ve Schluss­poin­te zu­steu­ern, die auf ih­re Wei­se so in­no­va­tiv in die Ma­gen­gru­be fährt, wie es einst die Frei­heits­sta­tue in „Pla­net der Af­fen“tat. (GB/USA 2016; 112 Min.; Re­gie: Colm McCar­thy; Darstel­ler: Sen­nia Na­nua , Gem­ma Ar­ter­ton, Glenn Clo­se, Pad­dy Con­sidi­ne)

>> Mehr zu un­se­rem „Film der Wo­che“fin­den Sie auf dem face­book-Auf­tritt der Saar­brü­cker Zei­tung

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