Neue De­bat­te um Cat­te­nom nach AKW-Un­fall

Kaum hat der neue Bischof Ver­trau­en nach den Fi­nanz­skan­da­len zu­rück­ge­won­nen, ma­chen Kin­der­por­no-Er­mitt­lun­gen ge­gen ei­nen Mit­ar­bei­ter Schlag­zei­len.

Saarbruecker Zeitung - - ERSTE SEITE - VON CA­RO­LIN ECKENFELS

SAARBRÜCKEN (red/dpa) Nach ei­ner Ex­plo­si­on im nord­fran­zö­si­schen Atom­kraft­werk Flamanville hat die Links­frak­ti­on im SaarLand­tag ih­re For­de­rung nach der Ab­schal­tung des loth­rin­gi­schen AKW Cat­te­nom er­neu­ert. Der Vor­fall zei­ge, „wie ge­fähr­lich es ist, dass Frank­reich auf den Wei­ter­be­trieb sol­cher al­ter Re­ak­to­ren setzt“. Die Ex­plo­si­on er­eig­ne­te sich ges­tern Vor­mit­tag im nicht-nu­klea­ren Teil der An­la­ge am Är­mel­ka­nal.

LIM­BURG (dpa) Nach dem Skan­dal um Bischof Te­bartz-van Elst bringt ei­ne neue Hi­obs­bot­schaft das Bis­tum Lim­burg zu­rück in die Schlag­zei­len. Ei­gent­lich war es um die Diö­ze­se ru­hi­ger ge­wor­den, seit­dem der neue und be­lieb­te Ober­hir­te Ge­org Bät­zing vor we­ni­gen Mo­na­ten sein Amt an­ge­tre­ten hat. Ein Neu­an­fang nach der Kri­se war ge­macht, es war Op­ti­mis­mus zu spü­ren – doch nun er­schüt­tert das Bis­tum ein schlim­mer Ver­dacht: Ein Mit­ar­bei­ter soll Kin­der­por­nos be­ses­sen ha­ben, nach ei­nem Be­richt der „Frank­fur­ter Neu­en Pres­se“ist der Bü­ro­lei­ter des Bi­schofs frei­ge­stellt wor­den. Wirft das die Lim­bur­ger auf ih­rem Weg der Er­neue­rung und zum Wie­der­ge­win­nen von Ver­trau­en zu­rück?

Bis­tums­spre­cher Ste­phan Schnel­le glaubt das nicht. „Weil wir ganz glaub­wür­dig und ak­tiv mit den staat­li­chen Be­hör­den zu­sam­men­ar­bei­ten und die Sa­che auf­klä­ren.“Der ver­däch­tig­te Mit­ar­bei­ter sei zu­nächst frei­ge­stellt wor­den. Nach An­ga­ben der Ge­ne­ral­staats­an­walt­schaft hat die Diö­ze­se die Er­mitt­lun­gen ak­tiv un­ter­stützt

Was der Ver­dachts­fall „für den Neu­an­fang im Bis­tum be­deu­tet, ist für mich jetzt noch nicht ab­zu­se­hen“, sagt In­ge­borg Schil­lai, die Prä­si­den­tin der Diö­ze­san­ver­samm­lung. Die Ka­tho­li­ken­ver­tre­te­rin ap­pel­liert aber in­stän­dig, den Fall dif­fe­ren­ziert zu be­trach­ten: „Ein Mit­ar­bei­ter steht un­ter Ver­dacht, nicht das Bis­tum Lim­burg.“Da­her soll­ten we­der die Diö­ze­se noch die Kirche pau­schal in Sip­pen­haft ge­nom­men wer­den. „Wir ste­hen im Ver­trau­en zu un­se­rem Bis­tum und zu un­se­rem Bischof.“

Ver­trau­en ist das gro­ße The­ma der Lim­bur­ger Diö­ze­se. Bischof Franz-Pe­ter Te­bartz-van Elst hat­te es durch sei­nen Füh­rungs­stil und we­gen der Kos­ten­ex­plo­si­on am rund 30 Mil­lio­nen Eu­ro teu­ren neu­en Amts­sitz zu ei­nem gro­ßen Teil ver­spielt. Seit des­sen Ab­be­ru­fung im März 2014 ar­bei­tet das Bis­tum an der Au­f­ar­bei­tung der Kri­se und dar­an, Ver­trau­en zu­rück­zu­ge­win­nen. Es ist da­bei be­reits ein gu­tes Stück vor­an­ge­kom­men – auch dank Bischof Bät­zing. Da­bei ist er erst seit Sep­tem­ber im Amt. Zu­vor war Bät­zing Ge­ne­ral­vi­kar des Bis­tums Tri­er, al­so dort, wo er 1987 zum Pries­ter ge­weiht wur­de. Mit sei­ner be­schei­de­nen Art konn­te er in Lim­burg al­ler­dings schnell kräf­tig punk­ten.

Und so geht An­woh­ner Hel­mut Paf­fen­holz auch nicht da­von aus, dass die Kin­der­por­no-Vor­wür­fe ge­gen den Mit­ar­bei­ter auf den neu­en Bischof zu­rück­fal­len. „Er kann ja nicht al­le De­tails sei­ner Mit­ar­bei­ter ken­nen.“Bät­zing mit sei­nem of­fe­nen, freund­li­chen und bo­den­stän­di­gen We­sen sei sehr be­liebt. Auch des­halb glaubt Paf­fen­holz nicht, dass der Ver­dachts­fall das Ver­trau­en in Bis­tum und Kirche in dem Ma­ße er­schüt­tern wer­de wie der „Fall Te­bartz“. Ei­ne Frau aus der Lim­bur­ger Re­gi­on, die ih­ren Na­men nicht in den Me­di­en le­sen will, sieht das an­ders. Wenn die Vor­wür­fe ge­gen den Bis­tums-Mit­ar­bei­ter stim­men, sei das „schlim­mer, als 30 Mil­lio­nen Eu­ro zu ver­bau­en“, sagt sie. Es ge­he schließ­lich um Kin­der. Die Frau geht zu­dem da­von aus, dass nun wie­der mehr Men­schen aus der Kirche aus­tre­ten wer­den. Das war nach dem Skan­dal um Te­bartz-van Elst der Fall. Ähn­li­ches ver­mu­tet auch Hel­ga Wolf, die aus der Nä­he von Lim­burg kommt. Der Fall wer­de zu­dem ne­ga­ti­ve Fol­gen für das Bis­tum und sei­nen Kurs der Er­neue­rung ha­ben. Das sei scha­de, da der neue Bischof „nett, gut und of­fen­her­zig“sei.

Bät­zing selbst be­tont, dem Bis­tum sei dar­an ge­le­gen, dass die Vor­wür­fe ge­gen den Mit­ar­bei­ter auf­ge­klärt wer­den. „Es geht uns nicht ums Bis­tum und Ru­he oder Un­ru­he, son­dern hier geht es dar­um, wenn da et­was dran ist, es auf­zu­klä­ren und dann, wenn es straf­bar ist, muss es be­straft wer­den.“

FO­TO: DPA

Das Atom­kraft­werk Cat­te­nom ist im Saar­land ex­trem um­strit­ten.

FO­TO: IMAGO

Das Bis­tum im idyl­li­schen Lim­burg ist er­neut in die Schlag­zei­len ge­ra­ten: Bei ei­nem Mit­ar­bei­ter soll kin­der­por­no­gra­fi­sches Ma­te­ri­al ge­fun­den wor­den sein.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.