CDU: Am 26. März geht es nur ums Land

Bun­des­weit ist die SPD in Um­fra­gen auf dem Vor­marsch. Was be­deu­tet das für die saar­län­di­sche Land­tags­wahl?

Saarbruecker Zeitung - - LANDESPOLITIK - VON DA­NI­EL KIRCH

SAARBRÜCKEN Lan­ge sah die Land­tags­wahl am 26. März 2017 nach ei­ner kla­ren Sa­che für die CDU aus. Die ein­zig span­nen­de Fra­ge schien zu sein, ob es rech­ne­risch auch ei­ne Mehr­heit für SPD, Lin­ke und Grü­ne gibt. Nach der Kür von Mar­tin Schulz zum SPD-Kanz­ler­kan­di­da­ten hat sich zu­min­dest auf der Bun­des­ebe­ne der Wind ge­dreht, die SPD hat in Um­fra­gen ei­nen Sprung um sechs bis zehn Pro­zent­punk­te nach oben ge­macht. Die CDU im Land ist be­müht, die Aus­wir­kun­gen auf die Land­tags­wahl zu be­gren­zen. Mi­nis­ter­prä­si­den­tin An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er sagt, sie spü­re in der Par­tei kei­ne Ner­vo­si­tät, son­dern Ent­schlos­sen­heit und Ge­las­sen­heit. „Wir füh­ren ei­ne ei­gen­stän­di­ge Kam­pa­gne zur Land­tags­wahl.“Es ge­he ein­zig um die Fra­ge, wie es im Saar­land bis 2022 wei­ter­geht.

Es wä­re den­noch ver­wun­der­lich, wenn der Bun­des­trend am Saar­land völ­lig vor­bei­gin­ge. Die Stim­mung im Bund hat­te im­mer schon Ein­fluss auf die Lan­des­ebe­ne. Spit­zen­kan­di­da­tin Anke Rehlin­ger be­ob­ach­tet be­reits „ei­ne sen­sa­tio­nel­le Auf­bruch­stim­mung“in der SaarSPD. Als die SPD vor Wo­chen im Bund bei 20 bis 22 Pro­zent her­um­krebs­te, stand sie im Saar­land bei 26 bis 28 Pro­zent. Wenn sie wei­ter et­wa sechs Pro­zent­punk­te über dem Bund lie­ge, „dann ist das Ren­nen wie­der of­fen“, sagt Rehlin­ger.

Das setzt zu­nächst vor­aus, dass der „Schulz-Hy­pe“bis zum 26. März an­hält. Der Trie­rer Par­tei­en­for­scher Pro­fes­sor Uwe Jun er­war­tet zwar, dass die SPD im Saar­land zu­le­gen wird. „Aber ich glau­be nicht, dass sie in glei­chem Aus­maß pro­fi­tie­ren wird wie im Bund.“Ei­nem nicht un­er­heb­li­chen Teil der Wäh­ler­schaft im Saar­land sei schließ­lich klar, dass Schulz im Land gar nicht zur Wahl ste­he. Kramp-Kar­ren­bau­er ha­be in den Um­fra­gen ei­nen deut­li­chen Vor­sprung vor Rehlin­ger. Das ist ein

An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er Un­ter­schied zum Bund, wo Schulz Um­fra­gen zu­fol­ge an Kanz­le­rin An­ge­la Mer­kel vor­bei­ge­zo­gen ist.

Da­her wird die CDU ei­nen stark per­so­na­li­sier­ten Wahl­kampf füh­ren. Kramp-Kar­ren­bau­er ist die mit Ab­stand be­lieb­tes­te Po­li­ti­ke­rin im Land. Im bun­des­wei­ten Ver­gleich er­reicht laut In­fra­test di­map nur der ba­den-würt­tem­ber­gi­sche Re­gie­rungs­chef Win­fried Kret­sch­mann (Grü­ne) hö­he­re Wer­te.

Die CDU wird, zwei­tens, ei­nen Ko­ali­ti­ons­wahl­kampf füh­ren. Man ha­be seit 2012 „oh­ne Wenn und Aber“gut mit der SPD re­giert, sag­te Kramp-Kar­ren­bau­er, dies wol­le sie fort­set­zen, auch wenn es rech­ne­risch ei­ne an­de­re Mög­lich­keit gä­be. Da­hin­ter steckt das Kal­kül, mög­lichst vie­le Be­für­wor­ter der gro­ßen Ko­ali­ti­on an sich zu bin­den – auch je­ne SPD-Sym­pa­thi­san­ten und Wech­sel­wäh­ler, die fürch­ten, dass die SPD ein Bünd­nis mit Lin­ken und Grü­nen ein­ge­hen könn­te.

Drit­tens wird die CDU ver­su­chen, sich kon­trol­liert von der SPD ab­zu­set­zen. Die CDU ste­he zu dem, was die Ko­ali­ti­on be­schlos­sen ha­be, auch zu den Zu­mu­tun­gen, sag­te Kramp-Kar­ren­bau­er. Die SPD sei in der Hoch­schul­po­li­tik um­ge­fal­len und ha­be bei G 8 nach ei­ner Um­fra­ge ih­re Po­si­ti­on ge­än­dert. „Kla­re Hal­tung“steht des­halb auf den Groß­pla­ka­ten der CDU, die ab Frei­tag hän­gen.

Der bun­des­wei­te Auf­stieg der SPD macht in­des ei­ne rech­ne­ri­sche Mehr­heit für Rot-Rot-Grün im Saar­land wahr­schein­li­cher, un­ter zwei Be­din­gun­gen: Ers­tens, die SPD zieht nicht nur Stim­men von Lin­ken und Grü­nen ab, son­dern ge­winnt auch in der Mit­te da­zu, denn sonst wä­re es ein Null­sum­men­spiel. Und zwei­tens: Die durch Schulz aus­ge­lös­te Mo­bi­li­sie­rung führt nicht da­zu, dass die Grü­nen aus dem Land­tag flie­gen. Blei­ben Grü­ne und FDP drau­ßen, und legt die SPD auf über 30 Pro­zent zu, könn­te es wo­mög­lich für Rot-Rot rei­chen. Bis zur Wahl wird al­so noch viel spe­ku­liert wer­den.

„Wir sind ge­las­sen und

ru­hen in uns selbst.“

FO­TO: BE­CKER&BREDEL

An­ne­gret Kramp-Kar­ren­bau­er stell­te ges­tern das ers­te Pla­kat­mo­tiv der CDU für den Wahl­kampf vor.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.