Wie das Nau­wie­ser Fest nun doch ge­ret­tet wird

Der Rock­star-Ver­ein macht ei­ne Rol­le rück­wärts und will das Fest nun doch ret­ten.

Saarbruecker Zeitung - - Erste Seite - VON MAR­TIN ROLSHAUSEN

ST. JO­HANN Das Nau­wie­ser Fest ist tot. Als der Rock­star e.V., der das Fest 15 Jah­re lang or­ga­ni­siert hat, das An­fang des Mo­nats per Pres­se­mit­tei­lung ver­kün­de­te, schüt­tel­ten vie­le der­je­ni­gen, die sich in Saarbrücken in der Fest­sze­ne aus­ken­nen, den Kopf. Be­reits im Jahr zu­vor hat­ten die Män­ner vom Rock­star-Ver­ein zu­nächst über ei­ne Fi­nan­zie­rungs­lü­cke ge­klagt und an­ge­kün­digt, dass das Fest des­halb wo­mög­lich aus­fällt. Die War­nung kam an, es fan­den sich wei­te­re Geld­ge­ber – al­les war gut.

So wer­de es auch dies­mal sein, hieß es hin­ter den Ku­lis­sen. Und wenn es der Rock­star-Ver­ein nicht macht, dann ge­be es ge­nug an­de­re kreative Köp­fe, die das Fest un­ter neu­er Re­gie wei­ter­füh­ren kön­nen. Nach SZ-Informationen ha­ben un­ter an­de­rem die Ma­cher der Fes­te im Ost­ha­fen In­ter­es­se si­gna­li­siert. Aber auch Leu­te aus dem Nau­wie­ser Vier­tel selbst ha­ben sich nach der Pres­se­mit­tei­lung des Rock­star e.V. bei der Stadt­ver­wal­tung mit neu­en Ideen fürs Fest ge­mel­det.

Die­se Wo­che woll­te Chris­ti­ne Ba­ran, die in der Stadt­ver­wal­tung un­ter an­de­rem für das Saar-Spek­ta­kel zu­stän­dig ist, all die­se In­ter­es­sen­ten an ei­nem Run­den Tisch zu­sam­men­brin­gen und über die Zu­kunft des Nau­wie­ser Fes­tes re­den. Die Rol­le der Stadt soll­te ei­ne mo­de­rie­ren­de und hel­fen­de sein. Dass die Stadt das Fest selbst or­ga­ni­siert, sei von An­fang an aus­ge­schlos­sen ge­we­sen. Da­zu ha­be die Stadt kein Per­so­nal und kein Geld.

Aber die Grup­pe der In­ter­es­sen­ten sei viel­ver­spre­chend. Es ha­be sich ab­ge­zeich­net, dass das Fest neu durch­star­ten kann, wenn es ge­lingt, all die­se Idee zu bün­deln und all die en­ga­gier­ten Men­schen zu­sam­men­zu­brin­gen, sagt Ba­ran.

Den Run­den Tisch hat sie al­ler­dings dann doch ab­ge­sagt. Grund: Die bis­he­ri­gen Fest-Ma­cher ha­ben sich ge­mel­det und si­gna­li­siert, dass sie das Fest doch wei­ter or­ga­ni­sie­ren – wenn sie Hil­fe be­kom­men. Al­le In­ter­es­sen­ten wer­den da­her nun an den Ver­ein ver­wie­sen, sagt Ba­ran. Bis En­de März ha­ben die bis­he­ri­gen Ver­an­stal­ter nun Zeit, sich end­gül­tig zu ent­schei­den, ob sie es wei­ter­ma­chen oder ab­ge­ben oder wei­te­re Part­ner ins Boot neh­men.

Die­ses­mal ging es al­ler­dings nicht nur ums Geld. Nach SZ-Informationen ging es auch dar­um, dass Si­cher­heits­be­stim­mun­gen – ins­be­son­de­re nach dem An­schlag auf den Weih­nachts­markt in Ber­lin – im­mer auf­wen­di­ger wur­den. Das al­les sei für Eh­ren­amt­ler nicht zu ma­chen. Das Ri­si­ko zu tra­gen, kön­ne man von ei­nem klei­nen Ver­ein und sei­nen we­ni­gen Ak­ti­ven nicht ver­lan­gen, ar­gu­men­tier­te der Rock­star-Ver­ein.

Sie kön­ne ei­ne sol­che Ar­gu­men­ta­ti­on gut ver­ste­hen, sagt Chris­ti­ne Ba­ran. Früher sei es zum Bei­spiel so ge­we­sen, „dass man ein­fach selbst ei­ne Büh­ne auf­ge­baut und Laut­spre­cher auf­ge­hängt hat“. Heu­te brau­che man da­für Spe­zia­lis­ten, die in der La­ge sind, al­le Si­cher­heits­vor­schrif­ten zu be­ach­ten.

Aber das Nau­wie­ser Fest blei­be ei­ne private Ver­an­stal­tung, für die die­je­ni­gen, die es be­trei­ben, auch die Ver­ant­wor­tung tra­gen – fi­nan­zi­ell wie or­ga­ni­sa­to­risch. Sie ste­he hel­fend zur Sei­te, ver­spricht Ba­ran, aber sie kön­ne den Ver­an­stal­tern die­se Ver­ant­wor­tung nicht ab­neh­men. Zu­mal sie im Som­mer selbst aus­ge­las­tet ist mit der Or­ga­ni­sa­ti­on des Saar-Spek­ta­kels, das ei­ne städ­ti­sche Ver­an­stal­tung und mit über 300 000 Be­su­chern das größ­te Fest im Saar­land ist.

Nach­dem der Rock­star-Ver­ein das En­de des Fes­tes mit­ge­teilt hat­te, gab es nach SZ-Informationen nicht nur Meldungen von Leu­ten, die das Fest über­neh­men wol­len. Es ha­ben sich auch Leu­te ge­mel­det, die den Ver­eins­ak­ti­ven hel­fen wol­len, das Fest so zu er­hal­ten, wie es 15 Jah­re lang war.

SZ-ARCHIVFOTO: BE­CKER&BREDEL

Zwi­schen Alt­stadt­fest und Saar-Spek­ta­kel soll auch in die­sem Jahr das Nau­wie­ser Fest ge­fei­ert wer­den.

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