Land kämpft für So­zi­al­stan­dard im ÖPNV

WIRT­SCHAFT

Saarbruecker Zeitung - - Erste Seite - VON JOA­CHIM WOLLSCHLÄGER

Wenn der An­bie­ter im ÖPNV wech­selt, sol­len die So­zi­al­stan­dards für Mit­ar­bei­ter er­hal­ten blei­ben. Da­für setzt sich das Saar­land mit ei­ner Ini­ta­ti­ve im Bun­des­rat ein.

SAARBRÜCKEN/BER­LIN (dpa) Das Saar­land hat ges­tern im Bun­des­rat ei­ne Ge­set­zes­in­itia­ti­ve mit auf den Weg ge­bracht, die von Nord­rhein-West­fa­len, Nie­der­sach­sen, Schles­wig-Hol­stein und Bran­den­burg in das Län­der­gre­mi­um ein­ge­bracht wur­de. Da­mit soll das Per­so­nen­be­för­de­rungs­ge­setz von 2013 noch ein­mal nach­ge­bes­sert wer­den.

Kri­tik­punkt ist der Vor­rang der Ei­gen­wirt­schaft­lich­keit bei Leis­tun­gen im Öf­fent­li­chen Per­so­nen­nah­ver­kehr. Ein Un­ter­neh­men kann sich seit­her den Zu­schlag für die Ver­kehrs­dienst­leis­tung si­chern, wenn es sich ver­pflich­tet, das Netz oh­ne Sub­ven­tio­nen zu be­trei­ben. Al­ler­dings er­laubt es das Ge­setz bis­her nicht, den Auf­ga­ben­trä­gern Min­dest­stan­dards im Um­gang mit den Be­schäf­tig­ten vor­zu­schrei­ben.

Das soll sich mit dem neu­en Vor­stoß än­dern. Künf­tig sol­len die Kom­mu­nen „Qua­li­täts­vor­ga­ben ma­chen kön­nen“, sag­te der Chef der Ge­werk­schaft Ver­di, Frank Bsirs­ke. Lohn­dum­ping und das Un­ter­lau­fen von So­zi­al- und Qua­li­täts­stan­dards soll da­durch ver­hin­dert wer­den.

Die saar­län­di­sche Wirt­schafts­mi­nis­te­rin Anke Rehlin­ger (SPD) sag­te im An­schluss an die Ent­schei­dung im Bun­des­rat: „Die Ab­stim­mung war denk­bar knapp. Am En­de hat die Über­zeu­gung ge­siegt, dass Pri­vat vor Staat nicht im­mer die bes­te Wahl ist.“Das gel­te vor al­lem, wenn da­mit Nach­tei­le für die Be­schäf­tig­ten und die Qua­li­tät ein­her­gin­gen.

Im Saar­land ist das The­ma schon des­halb ak­tu­ell, weil es ge­ra­de ei­nen Bie­ter­wett­be­werb um die Ver­kehrs­leis­tun­gen in Saar­lou­is gibt. So­wohl die kom­mu­na­le KVS, die be­reits jetzt den Busverkehr in Saar­lou­is be­treibt, als auch das private Kon­sor­ti­um Saar-Mo­bil ha­ben Ei­gen­wirt­schaft­li­che An­ge­bo­te ein­ge­reicht. Mit­ar­bei­ter der Ver­kehrs­be­trie­be fürch­ten, dass bei ei­ner Über­nah­me durch Saar-Mo­bil Stan­dards ge­senkt wer­den kön­nen. Die­ser Be­fürch­tung al­ler­dings tritt Hans Gas­sert, Ge­sell­schaf­ter bei Saar-Mo­bil, ent­ge­gen. „In un­se­rem An­trag für Saar­lou­is wer­den die be­ste­hen­den Stan­dards wei­ter­hin voll er­füllt“, sagt er. Auch er setzt sich da­für ein, So­zi­al­stan­dards ge­setz­lich fest­zu­schrei­ben. „Ei­gen­wirt­schaft­li­che An­trä­ge soll­ten nicht zu­las­ten der Ar­beit­neh­mer ge­ben“, sagt er. Saar-Mo­bil er­rei­che die Ein­spa­run­gen nicht durch Dum­ping auf dem Rü­cken der Ar­beit­neh­mer, son­dern durch ei­ne in­tel­li­gen­te Ver­kehrs­pla­nung. „Schon die ef­fi­zi­en­te Pla­nung der Rou­ten kann den Be­trieb wirt­schaft­lich ma­chen“, sagt er.

FO­TO: BODWING

Im Saar­land be­wer­ben sich mit der KVS und Saar-Mo­bil zwei Be­trei­ber um die Über­nah­me des Nah­ver­kehrs in Saar­lou­is.

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