Lu­ther war nicht der Ein­zi­ge

Theo­lo­gie-Stu­den­ten zei­gen ei­ne Aus­stel­lung zur Re­for­ma­ti­on an der Saar.

Saarbruecker Zeitung - - Heimat - VON PATRI­CIA HEI­NE

SAARBRÜCKEN Aus al­len Ecken lä­chelt Mar­tin Lu­ther Kir­chen­be­su­chern ent­ge­gen. Mal als Skulp­tur, mal als Zeich­nung. Im­mer steht er für ei­nen Mei­len­stein in der Ge­schich­te des Chris­ten­tums – die Re­for­ma­ti­on. Sie fei­ert in die­sem Jahr 500 Jah­re. „Al­lei­ne die­ses Jahr sind rund zehn neue Lu­ther-Bio­gra­fi­en er­schie­nen“, er­klärt Rie­ke Eu­len­stein von der Evan­ge­li­schen Kirche im Saar­land. Da­bei sei Lu­ther selbst nie im Saar­land ge­we­sen. Die Re­for­ma­ti­on hin­ter­ließ trotz­dem auch hier ih­re Spu­ren. Aber durch wen? Das er­zählt die Aus­stel­lung „Die Re­for­ma­ti­on in der Saar­ge­gend“. Am Sonn­tag wird sie er­öff­net, in der Stifts­kir­che in St. Ar­nu­al. Da­nach wan­dert sie bis En­de Ok­to­ber durch das Saar­land. 23 Ban­ner er­zäh­len die Ge­schich­te der Re­for­ma­ti­ons­ver­su­che an Saar und Blies – mit viel Text, Il­lus­tra­tio­nen und Kar­ten. Die Aus­stel­lung ist das Er­geb­nis ei­nes Se­mi­nars von Stu­den­ten der Evan­ge­li­schen Theo­lo­gie an der Saar-Uni. Un­ter der Lei­tung der bei­den Theo­lo­gen Joa­chim Con­rad und Jörg Rau­ber wälz­ten sie­ben Stu­den­ten im Som­mer­se­mes­ter 2016 Bücher und Do­ku­men­te sämt­li­cher Ar­chi­ve. Auf der Su­che „ent­deck­ten sie klei­ne Schät­ze“, er­zählt Stu­dent Jo­nas Bink­le. Bis­lang un­ver­öf­fent­lich­te Grund­ris­se von Kir­chen zum Bei­spiel. Denn die Ar­chi­tek­tur ver­än­der­te sich oft im Zu­ge der Re­for­ma­ti­on, er­klärt Eu­len­stein. So woll­te Lu­ther ei­ne er­ho­be­ne Kan­zel, da­mit je­der den Pre­di­ger se­hen konn­te.

Ju­lia Fey be­such­te für ih­re Re­cher­chen Kir­chen in Lud­wei­ler und St. Ing­bert, be­kam Ma­te­ri­al von den Ge­mein­den und aus dem Ar­chiv des Bis­tum Tri­er. Ihr The­ma: die Hu­ge­not­ten im Saar­ge­biet und die Re­for­ma­ti­on in der Glas­ma­le­rei. Un­ter dem Ti­tel im Se­mi­nar­plan konn­te sich Florian Gepp zu Be­ginn des ver­gan­ge­nen Se­mes­ters zu­nächst nichts vor­stel­len.

„Die Aus­stel­lung am En­de hat den Reiz aus­ge­macht“, sagt er.

Die 23 Ban­ner – das Er­geb­nis un­zäh­li­ger St­un­den Li­te­ra­tur­ar­beit. Die Stu­den­ten aber sind stolz. „Mit der Aus­stel­lung ha­ben wir jetzt wirk­lich et­was zum An­fas­sen“, sagt Andre­as Schnie­ders. Nicht wie sonst, ei­ne von vie­len Haus­ar­bei­ten, die im Ord­ner ver­schwin­den.

Und was war das Be­son­de­re an der Re­for­ma­ti­on an der Saar? Sie ging von un­ten aus. Bau­ern und ein­fa­che Leu­te stie­ßen die Be­we­gung an. Nicht nur die Fürs­ten. Auf dem Ge­biet des heu­ti­gen Saar­lan­des la­gen im Zeit­al­ter der Re­for­ma­ti­on meh­re­re Fürs­ten­tü­mer. Egal aus wel­cher Ecke des Saar­lan­des der Be­su­cher der Aus­stel­lung kom­me: „Je­der Saar­län­der fin­det sich und sei­nen Ort auf den Pla­ka­ten wie­der“, er­klärt Bink­le. Fast 50 Jah­re Re­for­ma­ti­ons-Ge­schich­te bil­den die Ban­ner ab. In der Stifts­kir­che lie­gen ei­ni­ge wich­ti­ge Fi­gu­ren der Re­for­ma­ti­on be­gra­ben, wie et­wa Graf Philipp III. von Nas­sau-Saarbrücken. An der Sei­te ih­rer le­bens­gro­ßen St­ein-Skulp­tu­ren ste­hen jetzt bis En­de Fe­bru­ar die Pla­ka­te. Die his­to­ri­sche At­mo­sphä­re in der Stifts­kir­che – sie trägt die Aus­stel­lung. Lässt die al­ten Re­for­ma­tor-Geis­ter er­wa­chen. Wenn die Ban­ner En­de Fe­bru­ar wei­ter­zie­hen, müs­sen sie die Ge­schich­te al­lei­ne tra­gen – mit Text und Ab­bil­dun­gen. Zum An­fas­sen gibt es dann nichts mehr.

FO­TO: BE­CKER&BREDEL

Eli­sa­beth von Loth­rin­gen, Grä­fin von Nas­sau-Saarbrücken. Im Al­tar­raum der Stifts­kir­che ziert ih­re Skulp­tur den Gr­ab­de­ckel. Im Hin­ter­grund ein Ban­ner der Re­for­ma­ti­ons-Aus­stel­lung.

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