„Für Trump ist Flücht­ling und Ter­ro­rist das­sel­be”

Bei den Film­fest­spie­len in Ber­lin gibt es po­li­ti­sche Tö­ne und mit „Train­spot­ting 2“ei­ne über­ra­schend ge­lun­ge­ne Fort­set­zung.

Saarbruecker Zeitung - - Kultur - VON SA­SCHA RETTIG

BER­LIN Selbst beim Ab­tau­chen in den Film­kos­mos der Ber­li­na­le wird man ihn nicht ganz los. Do­nald Trump be­setzt nicht nur die Ge­dan­ken – auch an den ers­ten bei­den Fes­ti­val­ta­gen wa­ren er und die Ge­sell­schaft, für die er steht, prä­sent. Gleich beim Auf­takt in der Pres­se­kon­fe­renz der Ju­ry er­klär­te der me­xi­ka­ni­sche Fil­me­ma­cher Die­go Lu­na, dass er in Ber­lin ler­nen will, wie man Mau­ern ein­reißt. Schau­spie­le­rin Mag­gie Gyl­len­haal woll­te die Welt wis­sen las­sen, dass es in den USA vie­le, vie­le Men­schen gä­be, die zum Wi­der­stand be­reit sei­en. Kla­re Wor­te ka­men ges­tern von Richard Ge­re, der für den Wett­be­werbs­bei­trag „The Din­ner“nach Ber­lin an­ge­reist war. „Wir ha­ben lei­der po­li­ti­sche Füh­rer, die Angst schü­ren. Die­se Angst ver­lei­tet uns, Furcht­ba­res zu tun – und dar­um geht es auch im Film“, sag­te Ge­re. Trump ha­be, und das sei das Schlimms­te, aus zwei Wör­tern eins ge­macht. „Für Trump ist Flücht­ling und Ter­ro­rist das­sel­be – und für vie­le Men­schen in den Ver­ei­nig­ten Staa­ten ist das jetzt auch so.“

Im Film „The Din­ner“spielt Ge­re ei­nen eli­tä­ren und ego­is­ti­schen Kar­rie­re-Po­li­ti­ker, der sich mit sei­nem idea­lis­ti­schen Bru­der (Ste­ve Coo­gan) und sei­ner Frau und sei­ner Schwä­ge­rin (Lau­ra Lin­ney, Re­bec­ca Hall) trifft – der Grund ist ein schwe­res Ver­bre­chen ih­rer Te­enager­söh­ne und die Fra­ge, wie sie da­mit um­ge­hen sol­len: an die Öf­fent­lich­keit ge­hen oder es ge­heim hal­ten? Viel­ver­spre­chend be­ginnt der Film. Die Fi­gu­ren wer­den prä­zi­se ge­zeich­net, die Dia­lo­ge sind poin­tiert, die Span­nung baut sich kon­stant auf. Doch dann schweift der Film von ei­ner Rück­blen­de zur nächs­ten und rollt et­was un­ge­lenk die Ver­gan­gen­heit auf, statt die Vier auf­ein­an­der los­zu­las­sen. Das ge­schieht erst am En­de – und da­mit zu spät.

Nicht nur in „The Din­ner“gab es in Ber­lin ein Quar­tett, das sich an­ein­an­der ab­ar­bei­te­te. 20 Jah­re nach „Train­spot­ting“hat Re­gis­seur Dan­ny Boyle die Jun­kie-Cli­que um Ren­ton (Ewan McG­re­gor) aus Edin­burgh wie­der zu­sam­men­ge­trom­melt, um zu se­hen, was ih­nen in der Zwi­schen­zeit so an Le­ben pas­siert ist. Na­tür­lich sind sie rei­fer und mar­kan­ter, aber nur ein biss­chen cle­ve­rer. Und na­tür­lich gibt es da noch ei­ne of­fe­ne Rech­nung aus dem ers­ten Film. Zu­ge­ge­ben – die al­te Ener­gie bricht nur sel­ten durch, die Stim­mung ist wie bei ei­nem spä­ten Wi­der­se­hen: me­lan­cho­lisch und nost­al­gisch. „Du bist wie ein Tou­rist in dei­ner ei­ge­nen Ju­gend“, heißt es ein­mal. Mit dem Film ver­hält es sich eben­so. Im­mer wie­der gibt es cle­ver ein­ge­bau­te Re­mi­nis­zen­zen an den ers­ten Teil. Und ei­nen lei­sen Wi­der­hall der Songs von einst. „Born Slip­py“von Un­der­world, „Lust for Li­fe“von Ig­gy Pop. Im­mer wie­der fla­ckern Bil­der der Ver­gan­gen­heit auf, die die ein­falls­rei­che „Train­spot­ting“-Äs­t­he­tik auf­grei­fen, mo­dern wir­ken, frisch und vi­tal. Und im­mer spürt man, dass der Film ei­ne Her­zens­an­ge­le­gen­heit ist – der bes­te Grund ei­ner Fort­set­zung.

FO­TO: MACDOUGALL / AFP

Richard Ge­re bei der Pres­se­kon­fe­renz in Ber­lin.

Newspapers in German

Newspapers from Germany

© PressReader. All rights reserved.