For­ba­cher Car­reau spürt der Ge­walt nach

Saarbruecker Zeitung - - Kultur - VON HÉ­LÈ­NE MAILLASSON

FOR­BACH Auf der Büh­ne ist die Frau, die das Le­ben des Chir­ur­gen Ami­ne Jaa­fa­ri aus Tel Aviv ins Cha­os stürzt, nicht zu se­hen. Sei­ne Ehe­frau Si­hem hat sich in ei­nem Re­stau­rant in die Luft ge­sprengt und 17 Men­schen mit sich in den Tod ge­ris­sen. So nimmt das Stück „L’at­ten­tat“, das am Don­ners­tag im aus­ver­kauf­ten For­ba­cher Car­reau ge­zeigt wur­de, den Zu­schau­er mit auf ei­ne heik­le Spu­ren­su­che. Nach ei­ner Pha­se der Ver­zweif­lung und der Ver­leug­nung ist sich Ami­ne si­cher, dass sei­ne Frau nur durch ei­ne Ge­hirn­wä­sche zur Ter­ro­ris­tin wur­de. Der ein­ge­bür­ger­te Is­rae­li pa­läs­ti­nen­si­scher Ab­stam­mung sucht Grün­de für das Un­fass­ba­re. Das führt ihn in die al­te Hei­mat, die er vor 13 Jah­ren hin­ter sich ließ. Dort den­ken die Men­schen an­ders als im bür­ger­li­chen Mi­lieu Tel Avivs und fei­ern Si­hem als Hel­din. Die Ins­ze­nie­rung von Franck Bert­hier nach dem Ro­man von Yas­mi­na Kha­dra ist wie ein Kri­mi auf­ge­baut: Schafft es Ami­ne zu­rück ins Le­ben oder lässt er sich vom Teu­fel­kreis von Ge­walt und Tod mit­rei­ßen?

Das Büh­nen­bild ist schlicht, um­so stär­ker rückt der Blick auf die Haupt­fi­gur. Zwar dient der Kon­flikt zwi­schen Is­ra­el und Pa­läs­ti­na als Rah­men der Hand­lung, im Vor­der­grund steht aber ein Mann – über­zeu­gend dar­ge­stellt von Bru­no Put­zu­lu – , der an sei­nen in­ne­ren Kon­flik­ten zer­bricht. Es geht um die Zer­ris­sen­heit zwi­schen der Ver­gan­gen­heit, der man ab­ge­schwo­ren hat­te, und der neu­en Iden­ti­tät, um die Rat­lo­sig­keit ei­nes Man­nes, der auf der Su­che nach be­ruf­li­cher und ge­sell­schaft­li­cher An­er­ken­nung nicht merk­te, wie sich sei­ne ei­ge­ne Frau im­mer mehr von ihm ent­frem­de­te und ver­wan­del­te. Ei­ne ge­schei­ter­te Ehe – zu­ge­ge­ben mit sel­te­nem fa­ta­len Aus­gang –, die dar­an er­in­nert, dass die At­ten­tä­ter, ih­re Op­fer und die­je­ni­gen, die zu­rück­blei­ben, trotz al­ler Ideo­lo­gie nur Men­schen sind.

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