Die per­fek­te Frau für Kiew

Isa­bel­la Le­vina Lueen singt im Mai für Deutsch­land beim Eu­ro­vi­si­on Song Con­test. Nach zwei letz­ten Plät­zen hof­fen al­le, dass sie an die Er­fol­ge von Nicole und Le­na an­knüp­fen kann.

Saarbruecker Zeitung - - Panorama - VON JO­NAS-ERIK SCHMIDT

KÖLN (dpa) Ei­ne la­chen­de Sän­ge­rin, die Deutsch­land-Flag­ge in der Hand, auf dem Bo­den liegt gol­de­ner Glit­ter: Isa­bel­la Le­vina Lueen gibt schon ei­nen ers­ten Ein­druck da­von, wie es aus­se­hen könn­te, wenn es im Mai für sie ähn­lich gut lau­fen soll­te wie an die­sem Abend in Köln. Den deut­schen Vor­ent­scheid zum Eu­ro­vi­si­on Song Con­test hat sie mü­he­los ge­won­nen. Und da­mit Hoff­nun­gen ge­weckt, dass am 13. Mai – beim Fi­na­le in Kiew – et­was mehr her­aus­sprin­gen könn­te als der letz­te Platz. Den hat Deutsch­land zu­letzt zwei­mal in Fol­ge be­legt. Mit der Flag­ge po­sie­ren kann sie je­den­falls schon ganz gut.

So rich­tig fas­sen kann die 25Jäh­ri­ge ihr Glück al­ler­dings noch nicht. „Es ist ge­ra­de noch ein biss­chen Wirr­warr in mei­nem Kopf“, sagt sie. Die ganz gro­ßen Büh­nen kennt sie noch nicht. Zwei klei­ne­re Auf­trit­te im Fern­se­hen, an­sons­ten viel Mu­sik in Bars, das war es. „Mit so­was ha­be ich wirk­lich nicht ge­rech­net.“Wie es zum Bei­spiel in nächs­ter Zeit mit ih­rem Mu­sik­ma­nage­ment-Stu­di­um in Lon­don wei­ter­ge­he, wis­se sie nicht. Sie ha­be sich dar­über ein­fach noch kei­ne Ge­dan­ken ge­macht.

Beim deut­schen Vor­ent­scheid, den durch­schnitt­lich le­dig­lich 3,14 Mil­lio­nen Zu­schau­er im Ers­ten ver­folg­ten, gin­gen in die­sem Jahr zwar no­mi­nell fünf Nach­wuchs-Mu­si­ker ins Ren­nen. Aber so­wohl Stu­dio-Pu­bli­kum als auch Ju­ry le­gen sich früh auf ei­ne Fa­vo­ri­tin fest: Isa­bel­la Le­vina Lueen, die al­le nur Le­vina nen­nen. Um den et­was an­ge­schla­ge­nen Zu­stand ih­rer mar­kant-tie­fen Stim­me macht sie kein gro­ßes Bo­hei. Mit die­ser kön­ne sie auch et­was aus dem Te­le­fon­buch vor­le­sen, fin­det Mo­de­ra­to­rin Bar­ba­ra Schö­ne­ber­ger – al­le wä­ren be­geis­tert.

John­ny-Cash-Fan He­le­ne Nis­sen, die mit gro­ßer Gi­tar­re auf­tritt, und Dutt-Trä­ger Axel Ma­xi­mi­li­an Fei­ge kön­nen noch am ehes­ten mit­hal­ten. Aber be­reits vor der letz­ten Run­de steht Le­vina als Sie­ge­rin fest. Of­fen ist nur noch, mit wel­chem Lied sie an­tritt. „Das hat­te jetzt wirk­lich in­ter­na­tio­na­les Ni­veau“, at­tes­tiert ihr Volks­mu­si­ker Florian Sil­be­rei­sen schon nach ih­rem ers­ten Auf­tritt mit ei­nem Ade­le-Co­ver. Ne­ben­bei merkt er an, dass die Sän­ge­rin nicht nur in ei­nem Mu­sik-Cas­ting re­üs­sie­ren könn­te, son­dern auch bei „Ger­ma­ny’s Next Top­mo­del“.

Auch beim Blick auf den Le­bens­lauf der neu­en deut­schen ESC-Hoff­nung fällt auf, dass wohl vie­les zu­sam­men­passt. Schon als Kind tritt sie in Kin­der­mu­si­cals auf und ge­winnt „Ju­gend mu­si­ziert“. Sie hat ein ab­ge­schlos­se­nes Ge­s­angs­stu­di­um und stu­diert jetzt auch noch Mu­sik­ma­nage­ment. Und sie be­herrscht auf der Büh­ne not­falls auch die gro­ße, klas­si­sche Ges­te, die zum ESC ge­hört wie einst Ralph Sie­gel. Pas­sen­der­wei­se heißt der Song, den das Pu­bli­kum ihr zu­teilt, „Per­fect Li­fe“. Im Prin­zip ist das auch die ein­zi­ge ech­te Über­ra­schung des Abends, denn ge­fühlt liegt lan­ge „Wild­fi­re“vor­ne, der zwei­te Song, der zur Aus­wahl steht. Bei­de stam­men aus der Feder er­fah­re­ner aus­län­di­scher Kom­po­nis­ten. Hin­ter „Per­fect Li­fe“steckt die Song­wri­te­rin Lin­dy Rob­bins, die auch schon den Back­s­treet Boys und DJ Da­vid Gu­et­ta zu Hits ver­half.

Um aus fünf Kan­di­da­ten und zwei Songs die rich­ti­ge Kom­bi­na­ti­on zu er­mit­teln, hat­ten sich die Pro­du­zen­ten NDR und Ra­ab TV ei­nen et­was kom­pli­zier­ten Ab­stimm-Mo­dus aus­den­ken müs­sen. Über­haupt wur­de ei­ni­ger Auf­wand be­trie­ben, um ei­ne Schmach wie 2016 und 2015 zu ver­hin­dern, als Deutsch­land beim ESC mit letz­ten Plät­zen schei­ter­te. Rund 2000 Be­wer­bun­gen wur­den ge­sich­tet. Vor al­lem setz­te man voll auf den Le­na-Fak­tor. Die bis­lang letz­te deut­sche ESC-Ge­win­ne­rin sitzt des­halb in der Ju­ry, auch hin­ter den Ku­lis­sen gibt es vie­le Über­schnei­dun­gen mit dem er­folg­rei­chen Le­na-Cas­ting 2010.

Als sie nach der Show ihr Han­dy an­ge­schal­tet ha­be, sei­en un­zäh­li­ge Nach­rich­ten bei ihr ein­ge­tru­delt, fasst Le­vina am Frei­tag den An­sturm auf sie zu­sam­men. Das Ge­rät sei mit Ak­ku­pro­ble­men gleich wie­der aus­ge­gan­gen. Die Rück­blen­de auf ih­ren ei­ge­nen Vor­ent­scheid fällt ihr schwer, er­in­nert sich Jurorin und ESC-Ge­win­nern Le­na. „Ehr­lich ge­sagt ha­be ich kei­ne Er­in­ne­rung dar­an“, sagt sie. Sie sei so über­wäl­tigt ge­we­sen, dass das Hirn auf Durch­zug ge­schal­tet ha­be. In ein paar Ta­gen wird man Le­vina fra­gen kön­nen, ob sie sich noch an Flag­ge und Glit­ter er­in­nert.

„Das hat­te jetzt wirk­lich in­ter­na­tio­na­les Ni­veau."

Florian Sil­be­rei­sen

über Le­vinas ers­ten Auf­tritt

FO­TOS: IMAGO/DPA

Le­vina nach ih­rem Sieg am spä­ten Don­ners­tag­abend. Die 25 Jah­re al­te Stu­den­tin wur­de in Bonn ge­bo­ren und wuchs in Chem­nitz auf.

FO­TO: SVEN SI­MON

Gro­ße Vor­bil­der: Le­vina mit den ESC-Sie­ge­rin­nen der Jah­re 2010 und 1982, Le­na Meyer-Land­rut (li.) und der Saar­län­de­rin Nicole.

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