Der neue Mi­ni Coun­try­man macht sich lang

Un­ter den Spiel­ar­ten des Mi­ni ist der Coun­try­man ei­ne der er­folg­reichs­ten: Über 500 000 Stück des Kom­pakt-SUVs wur­den ver­kauft. Der nun auf Golf-For­mat ge­wach­se­ne Nach­fol­ger soll den ge­stie­ge­nen An­sprü­chen der Kun­den ge­recht wer­den. Er bleibt aber ein Lif

Saarbruecker Zeitung - - Motor - VON OLI­VER SCHWAM­BACH

MÜN­CHEN. Mäch­tig ma­xi die­ser Mi­ni: Nichts aber woll­te die Kund­schaft mehr als Grö­ße, sa­gen die Mi­ni-Ma­cher. Denn auch Mi­niFans aus den Nul­ler-Jah­ren, als BMW das ur­bri­ti­sche Kult­mo­bil re­ani­mier­te, sind jetzt halt in die­sem ge­wis­sen Al­ter. Dem Fa­mi­li­en-Al­ter näm­lich, wo man Platz braucht für Kids. Des­halb streckt sich der neue Coun­try­man nun kräf­tig. Da­bei war schon sein Vor­fahr ein Gul­li­ver im Reich der Au­to-Lili­puts. 20 Zen­ti­me­ter in der Län­ge, drei in der Brei­te hat das bay­risch-bri­ti­sche Kom­pakt-SUV in sei­ner zwei­ten Auf­la­ge drauf­ge­packt – üb­ri­gens auch gu­te 100 Ki­lo­gramm mehr Ge­wicht samt sat­ten 3000 Eu­ro Preis­zu­schlag. Da­für ist er nun so­gar ei­nen Tick län­ger als ein ak­tu­el­ler Golf.

Das zahlt sich aus: Hin­ter ei­ner auch per Fuß­kick schließ­ba­ren Heck­klap­pe gibt’s ge­nü­gend Stau­raum: 450 bis 1390 Li­ter. Und ein pfif­fi­ges De­tail, auf das man wohl nur bei Mi­ni kommt: Die Pick­nick-Bench dient als Ein­la­de­schutz und Pöls­ter­chen zu­gleich. So kann man auf der Kof­fer­raum­kan­te be­quem sit­zend ei­nen Wim­ble­don-Im­biss, Cham­pa­gner und Erd­bee­ren, gou­tie­ren. We­ni­ger snob­bish ge­sinn­te Zeit­ge­nos­sen wech­seln dar­auf halt Lauf­schu­he oder Skis­tie­fel.

Auf dem re­gu­lä­ren Ge­stühl hat man’s im Fond wie vor­ne sehr an­ge­nehm und ge­räu­mig. Am Vo­lant weiß man zu­dem das SUV-Plus an Hö­he zu schät­zen, das ei­nem mehr Über­blick über Stra­ße und Ge­län­de be­schert – falls der Coun­try­man tat­säch­lich mal raus darf in Matsch und Mod­der. Den pas­sen­den, cle­ve­ren All­rad­an­trieb da­zu hat er je­den­falls. „All4“ge­tauft, kann man ihn nun in Kom­bi­na­ti­on mit al­len Mo­tor­va­ri­an­ten or­dern. Im Grun­de bleibt der Coun­try­man da­mit je­doch ein er­freu­lich agi­ler Front­trieb­ler. Braucht man dann mal doch mehr Trak­ti­on, gibt’s auch hin­ten Schub. Und die elek­tro­ni­sche Re­ge­lung wie auch die Acht-Gan­gS­tep­t­ro­nic ver­rich­ten ih­re Di­ens­te mit der un­er­schüt­ter­li­chen Sou­ve­rä­ni­tät ei­nes eng­li­schen But­lers. Der Mo­tor­sound ist je­doch nicht Aus­füh­rung: Kom­pakt-SUV Preis: 26 500 Eu­ro

Län­ge: 4,30 Me­ter

Brei­te: 1,82 Me­ter

Hö­he: 1,56 Me­ter

Rad­stand: 2,67 Me­ter Leer­ge­wicht: 1365 Ki­lo­gramm Zu­la­dung: 585 Ki­lo­gramm An­hän­ge­last: 1500 Ki­lo­gramm Ge­päck­raum: 450 – 1390 Li­ter Mo­tor: Drei­zy­lin­der-Ben­zi­ner Hu­b­raum: 1499 ccm

Leis­tung: 136 PS/100 kW Dreh­mo­ment: 220 Nm von 1400 bis 4300 U/min) Schad­stoff­klas­se: Eu­ro 6

Spit­ze: 202 km/h

0 auf 100 km/h: 9,6 Se­kun­den Norm­ver­brauch: 5,7 Li­ter Su­per CO2-Aus­stoß: 130 g/km

wirk­lich von Adel: Der 192 PS/141 kW star­ke Vier­zy­lin­der im Co­oper S gibt den ker­ni­gen Land­mann, hat da­für aber reich­lich Kraft. Im Ba­sis­mo­dell Co­oper Coun­try­man wer­kelt gar nur ein 1,5-Li­ter-Drei­zy­lin­der mit 136 PS/100 kW. Mit vier Mo­to­ren, zwei auf­ge­la­de­nen Die­seln (150 PS/100 kW und 190 PS/140 kW ) so­wie den bei­den Tur­bo-Ben­zi­nern, geht der Coun­try­man jetzt an den Start. Noch die­ses Jahr fol­gen der Po­tenz­protz John Co­oper Works und das Sau­ber­männ­chen Co­oper SE mit ei­ner be­acht­li­chen Sys­tem­leis­tung von 224 PS. Rein elek­trisch schafft die­ser Plug-in-Hy­brid 40 Ki­lo­me­ter; ge­nug im­mer­hin, um ab­gas­freie In­nen­städ­te an­zu­steu­ern.

Auch im Fahr­ver­hal­ten zeigt sich der Coun­try­man 2017 er­wach­se­ner, ge­schmei­di­ger. Man könn­te auch sa­gen lang­wei­li­ger, weil we­ni­ger hart und gif­tig. Ge­wiss, man ahnt die wie­sel­flin­ke Ver­wandt­schaft noch, von der hoch ge­rühm­ten Kart-Flink­heit ei­nes Mi­ni je­doch blei­ben bloß Re­lik­te, selbst wenn man un­ter den drei wähl­ba­ren Fahr­mo­di auf „Sport“schal­tet. Da­für sind auch lan­ge Tou­ren mit dem Coun­try­man ei­ne Freu­de.

Das ty­pi­sche Mi­ni-Fee­ling aber trans­por­tiert sich eher durchs De­sign. Zum Knud­deln ist der Coun­try­man ent­schie­den zu groß, die cha­rak­te­ris­ti­schen Pro­por­tio­nen wei­sen ihn aber un­ver­kenn­bar als Mi­ni aus. Selbst wenn er mit den ova­len Schein­wer­fern und den hän­gen­den Lef­zen der Chrom­span­ge im Front­grill (beim Co­oper S) wie ei­ne Bull­dog­ge beim Mit­tags­schläf­chen aus­sieht.

In­nen­drin aber herrscht voll­kom­me­nes Mi­ni-Glück. Das Zen­t­ral­dis­play, das in den bun­tes­ten Far­ben schil­lert, lässt sich via Touch­screen über­zeu­gend in­tui­tiv be­die­nen. Dank He­ad-up-Dis­play muss man sich zu­dem beim Fah­ren nicht mehr vom Blick auf die In­stru­men­te ab­len­ken las­sen. Und auch sonst wir­ken Kipp­schal­ter, Span­gen und Blen­den so sty­lisch wie es in ei­nem Mi­ni eben sein darf, mitt­ler­wei­le aber auch so wer­tig und ins­be­son­de­re die Tür­ver­klei­dung so mas­siv wie man es von ei­ner Fir­ma der BMWGroup ein­fach er­war­ten muss. Da ha­ben die Mi­ni-Ma­cher aus der Kri­tik am Fi­nish des Vor­gän­gers of­fen­bar ge­lernt.

ZAH­LEN UND FAK­TEN

FO­TOS: MI­NI

Ist der aber groß ge­wor­den: Der neue Mi­ni Co­oper Coun­try­man bie­tet jetzt deut­lich mehr Platz.

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