Bil­li­ge Ver­si­che­rung für zar­ten Gas­fuß

Kfz-Ver­si­che­run­gen sind teu­er, die Kri­te­ri­en, nach de­nen Prä­mi­en er­ho­ben wer­den, un­durch­sich­tig. Ex­per­ten dis­ku­tie­ren jetzt dar­über, ob Ta­ri­fe, die den Fahr­stil be­rück­sich­ti­gen, ge­rech­ter sind. Wol­len Au­to­fah­rer über­haupt, dass ihr Fahr­ver­hal­ten über­wacht

Saarbruecker Zeitung - - Motor - VON GUN­DEL JA­CO­BI

GOS­LAR Manch­mal wirft ei­ne Dis­kus­si­ons­run­de mehr Fra­gen auf als er­hel­len­de Ant­wor­ten ge­ge­ben wer­den. Es ist aber auch ein span­nen­des The­ma, dem sich kürz­lich Ver­si­che­rungs-Fach­leu­te und Ver­brau­cher­schüt­zer auf Ein­la­dung des Gos­lar-In­sti­tuts ge­wid­met ha­ben. Die­se von der HUK-Co­burg un­ter­stütz­te „Stu­di­en­ge­sell­schaft für ver­brau­cher­ge­rech­tes Ver­si­chern“hat mit ei­ner Stu­die an den Pfei­lern der Ver­si­che­run­gen ge­rüt­telt: „Ge­schäft oder Ge­wis­sen? Vom Aus­zug der Ver­si­che­rung aus der So­li­dar­ge­mein­schaft.“

Ist es al­so wün­schens­wert, dass bei­spiels­wei­se bei ei­nem ris­kan­ten Fahr­stil hö­he­re Ver­sich­rungs­prä­mi­en ver­langt wer­den? Wenn ja, wer pro­fi­tiert da­von? Tat­säch­lich gibt es neu­er­dings auch in Deutsch­land Er­fah­run­gen mit den so­ge­nann­ten Tele­ma­tik-ba­sier­ten Kfz-Ta­ri­fen. Vor­nehm­lich jun­ge Au­to­fah­rer nut­zen der­zeit das An­ge­bot, ih­re Prä­mie durch ihr Fahr­ver­hal­ten be­ein­flus­sen zu kön­nen. Ein ein­ge­bau­tes Mo­dul im Au­to er­hebt re­gel­mä­ßig Da­ten zu Or­ten und Zei­ten. Hin­zu kom­men un­ter an­de­rem so­ge­nann­te Eco-Sco­res, die Tem­po, Be­schleu­ni­gung, Aus­rol­len und Gleich­mä­ßig­keit do­ku­men­tie­ren. Die Informationen er­ge­ben ei­nen Ge­samt­punk­te­stand. Je nä­her ein Fah­rer an das best­mög­li­che Er­geb­nis von 100 Punk­ten her­an­kommt, des­to ri­si­ko­lo­ser gilt sein Fahr­stil und er muss nur ei­ne re­la­tiv ge­rin­ge Prä­mie be­zah­len. Wer nur we­ni­ge Punk­te er­reicht, gilt hin­ge­gen als ris­kan­ter Fah­rer. Da­mit steigt die Prä­mie.

Wer Tele­ma­tik-Sys­te­me nutzt, kann je­der­zeit sein Pro­fil ein­se­hen und bei Be­darf dank ge­ziel­ter Tipps sei­nen Fahr­stil än­dern.

Das Gos­lar-In­sti­tut woll­te wis­sen, ob die Öf­fent­lich­keit die­se Ta­ri­fe als ge­rech­ter emp­fin­det, weil po­si­ti­ves Ver­hal­ten be­lohnt und ein er­höh­tes Ri­si­ko be­straft wird.

In ei­ner Um­fra­ge wur­den 1070 Teil­neh­mern drei Fra­gen ge­stellt:

Sol­len Au­to­fah­rer, die be­son­ders vor­sich­tig fah­ren, we­ni­ger Bei­trag zah­len? 58 Pro­zent der Be­frag­ten stim­men dem zu.

Sol­len äl­te­re Wa­gen­len­ker, nur weil sie ein hö­he­res Un­fall­ri­si­ko ha­ben, au­to­ma­tisch in ei­ner hö­he­ren Bei­trags­klas­se ein­ge­stuft wer­den? Hier steht es hal­be-hal­be: 50 Pro­zent kön­nen sich mit die­sem Ge­dan­ken an­freun­den.

Wie wä­re es, wenn in die Kos­ten für die Au­to­ver­si­che­rung auch das per­sön­li­che Ein­kom­men ein­flie­ßen wür­de? 42 Pro­zent fin­den dies eher un­ge­recht, 22 Pro­zent könn­ten sich da­für er­wär­men.

In al­len drei Fäl­len scheint die Ent­schei­dung nicht ein­fach ge­we­sen zu sein, denn je­weils rund ein Drit­tel kommt zu der Er­kennt­nis, dass die je­weils er­frag­te Re­ge­lung teils-teils sinn­voll und ge­recht sei.

Un­ab­hän­gig von der Be­trach­tung, ob Ver­si­che­rungs­ta­ri­fe je­mals wirk­lich ge­recht sein kön­nen, möch­te das Gos­lar-In­sti­tut als ver­si­che­rungs­na­hes Un­ter­neh­men die Stim­mung in der Ge­sell­schaft aus­lo­ten: Ak­zep­tiert die Be­völ­ke­rung ei­ne künf­ti­ge Ein­füh­rung von te­le­ma­ti­schen Ta­ri­fen? Trotz der zahl­rei­chen Da­ten, die da­für auf­ge­zeich­net wer­den, kön­nen sich 46 Pro­zent der Bür­ger ei­ne Tele­ma­tik-ba­sier­te Kfz-Ver­si­che­rung vor­stel­len. 43 Pro­zent leh­nen dies aus Grün­den des Da­ten­schut­zes und we­gen des Wun­sches nach Wah­rung der Pri­vat­sphä­re ab. Nur je­der Zehn­te zeigt sich un­ent­schlos­sen.

Da Men­schen ihr Ver­hal­ten am ehes­ten än­dern, wenn ei­ne Be­loh­nung Die Kfz-Ver­si­che­run­gen stel­len ih­ren Kun­den die Tele­ma­tik-Bo­xen kos­ten­los zur Ver­fü­gung. Auch der Ein­bau ist kos­ten­frei.

Die Box zeich­net wäh­rend der Fahrt zum Bei­spiel Ort, Zeit, Ge­schwin­dig­keit, Be­schleu­ni­gung, Brem­sen und Len­ken auf. Dar­aus er­rech­net sich ein Ge­samt­fahr­wert, der die Hö­he des Bo­nus für den Kun­den be­stimmt.

Au­to­fah­rer mit In­ter­net­zu­gang kön­nen ih­re Wer­te über ei­ne spe­zi­el­le App ein­se­hen.

Die Tele­ma­tik-Box ver­fügt au­ßer­dem über ei­nen au­to­ma­ti­schen Un­fal­lalarm. Im Not­fall sen­det sie Informationen an ei­nen Ser­vice­dienst.

winkt, wur­de auch ge­fragt, wie viel preis­wer­ter die Ver­si­che­rung sein müss­te, da­mit der Ver­si­cher­te ei­nen fahr­stil­be­zo­ge­nen Tele­ma­tik-Ta­rif wählt. 40 Pro­zent der Be­frag­ten wür­den bei ei­nem Prä­mi­en­vor­teil von min­des­tens 45 Pro­zent über ei­nen Wech­sel nach­den­ken. Bleibt noch die Fra­ge, wel­chen Ein­fluss ei­ne Über­wa­chung auf den Fahr­stil hät­te. 70 Pro­zent mein­ten, dass die meis­ten Men­schen dann wahr­schein­lich et­was vor­sich­ti­ger fah­ren wür­den.

Auch wenn die Ver­si­che­run­gen selbst in den Tele­ma­tik-Ta­ri­fen ei­ne Vor­aus­set­zung für mehr Ver­kehrs­si­cher­heit und trans­pa­ren­te­re Prä­mi­en se­hen, merk­ten bei der Ver­an­stal­tung ei­ni­ge we­ni­ge kri­ti­sche Stim­men an, dass die Pro­fit­ma­xi­mie­rung wei­ter­hin obers­tes Ziel blei­be. Zu­dem sei nicht aus­zu­schlie­ßen, dass fin­di­ge Tüft­ler das Tele­ma­tik-Sys­tem ma­ni­pu­lie­ren könn­ten.

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