Au­to­fah­rer zap­fen we­ni­ger E10-Ben­zin

Ge­rin­ge Preis­dif­fe­renz lässt Kun­den zu hö­her­wer­ti­gen Kraft­stof­fen grei­fen. Öko­ben­zin ist je­doch für den Kli­ma­schutz wich­tig.

Saarbruecker Zeitung - - Motor -

NÜRN­BERG (np) Sechs Jah­re nach der um­strit­te­nen Ein­füh­rung des Bio­kraft­stof­fes Su­per E10 sinkt der oh­ne­hin ge­rin­ge Ab­satz wie­der. Nach wie vor kön­nen sich Au­to­fah­rer für das „Öko­ben­zin“, dem zehn Pro­zent bio­lo­gisch er­zeug­tes Et­ha­nol, ein Al­ko­hol, bei­ge­mischt sind, nicht mas­sen­haft er­wär­men.

Ei­gent­lich soll­te E10 be­reits An­fang 2009 auf den deut­schen Markt kom­men. Der da­ma­li­ge Bun­des­um­welt­mi­nis­ter Sig­mar Ga­b­ri­el (SPD) stopp­te die Ein­füh­rung je­doch kurz­fris­tig. Ex­per­ten hat­ten plötz­lich ge­warnt, dass die Mo­to­ren von mehr als drei Mil­lio­nen Au­tos durch den Bio­sprit zu Scha­den kom­men könn­ten.

Erst am 7. Fe­bru­ar 2011 kam E10 tat­säch­lich an die deut­schen Tank­stel­len. Doch die Ak­zep­tanz blieb ge­ring. We­der Au­to­fah­rer noch Tank­war­te wuss­ten, wel­ches Fahr­zeug das neue Ben­zin pro­blem­los ver­tra­gen wür­den.

„Am An­fang sorg­ten sich Au­to­fah­rer in Deutsch­land vor al­lem dar­um, ob ihr Mo­tor den Bio­kraft­stoff ver­trägt“, sagt Stef­fen Bock, Ge­schäfts­füh­rer des Ver­brau­cher­infor­ma­ti­ons­diens­tes cle­ver-tan­ken.de. „Das mas­sen­haf­te Mo­to­renster­ben blieb je­doch aus. Dass der Ab­satz von E10 wei­ter­hin nied­rig ist, hängt da­mit zu­sam­men, dass Au­to­fah­rer mitt­ler­wei­le die Wahl des Kraft­stoffs vor al­lem von der Preis­dif­fe­renz an den Tank­stel­len ab­hän­gig ma­chen.“

Die Prei­se bei Ein­füh­rung von E10 la­gen ge­ne­rell rund 20 Cent über dem heu­ti­gen Ni­veau. Da das Bio­ben­zin mehr ge­för­dert wur­de, war es in der An­fangs­zeit rund vier Cent pro Li­ter bil­li­ger als Su­per E5, auch Su­per 95 ge­nannt. „Ei­ner­seits hat­ten die Au­to­fah­rer Angst um ih­re Au­tos, an­de­rer­seits mach­te es für sie durch­aus ei­nen Un­ter­schied, ob sie für 1,56 Eu­ro oder für 1,60 Eu­ro pro Li­ter tank­ten“, er­klärt Bock.

Nach An­ga­ben des Bun­des­am­tes für Wirt­schaft und Aus­fuhr­kon­trol­le lag der E10-An­teil an den Ben­zin­sor­ten im Jahr der Ein­füh­rung bei 9,3 Pro­zent. Bis 2014 ver­trau­ten im­mer mehr Au­to­fah­rer dem Bio­kraft­stoff, wo­durch der Markt­an­teil auf 15,2 Pro­zent stieg. Seit 2015 je­doch sind nicht nur die Ben­zin­prei­se ge­sun­ken, son­dern auch der Markt­an­teil von Su­per E10.

2015 lag der An­teil nur noch bei 13,6 Pro­zent, im Herbst 2016 nur noch bei rund 12,7 Pro­zent. „Dass we­ni­ger Au­to­fah­rer E10 tan­ken, hängt mit den ge­ne­rell ge­sun­ke­nen Kraft­stoff­prei­sen zu­sam­men und da­mit, dass die Preis­span­ne zwi­schen E10-Ben­zin und Su­per E5 seit An­fang 2015 von vier auf zwei Cent ge­schrumpft ist“, er­klärt Bock. „Su­per E10 ist im Ver­gleich zu Su­per E5 teu­rer ge­wor­den. Ein Grund hier­für ist, dass die Prei­se für Et­ha­nol we­ni­ger stark ge­fal­len sind als der Preis für Mi­ne­ral­öl.“

An­fang Fe­bru­ar 2017 kos­tet in Deutsch­land ein Li­ter Bio­kraft­stoff E10 im Schnitt rund 1,35 Cent. Ein Li­ter Su­per E5 kos­tet nur zwei Cent mehr: 1,37 Cent.

Die Mi­ne­ral­öl­fir­men bie­ten wei­ter­hin Su­per E10 an. „Aral hat die­sen Kraft­stoff an al­len Tank­stel­len auch im Pro­gramm, um die ge­setz­li­che Treib­haus­gas­min­de­rungs-Quo­te zu er­fül­len“, er­klärt Detlef Bran­den­burg, der Spre­cher des Mi­ne­ral­öl­kon­zerns. Die­se seit Ja­nu­ar 2015 gül­ti­ge Quo­te ver­pflich­tet die Mi­ne­ral­öl­un­ter­neh­men, Pro­duk­te an­zu­bie­ten, die we­ni­ger Treib­haus­ga­se ver­ur­sa­chen. Bio­kraft­stof­fe kön­nen da­zu bei­tra­gen.

FO­TO: ARAL

Su­per E10 ist die preis­wer­tes­te Ben­zin­sor­te an Tank­stel­len. Den­noch wäh­len die meis­ten Au­to­fah­rer ei­ne teu­re­re Sor­te.

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