Jo­b­ein­stieg auch oh­ne Leh­re

Er­wach­se­ne oh­ne Be­rufs­aus­bil­dung kön­nen bei der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer ei­nen Ab­schluss nach­ho­len.

Saarbruecker Zeitung - - Beruf - VON ANKE DAN­KERS

NÜRN­BERG (dpa) Wenn Jo­sef Schatz vom Be­ruf des In­dus­trie­me­cha­ni­kers spricht, kommt er ins Schwär­men: „Nicht nur et­was in Gang zu brin­gen, son­dern auch die Pro­zes­se da­hin­ter zu be­grei­fen, das be­geis­tert mich. Ich will nichts an­de­res ma­chen.“Seit knapp zwei Jah­ren ist der 29-Jäh­ri­ge im Teil­qua­li­fi­zie­rungs­pro­jekt der In­dus­trie- und Han­dels­kam­mer Nürn­berg. Bei ei­nem Bil­dungs­trä­ger lernt Schatz in theo­re­ti­schen Lern­mo­du­len und Be­triebs­prak­ti­ka die Ar­beit des In­dus­trie­me­cha­ni­kers ken­nen. Da­für drückt er täg­lich die Schul­bank und hofft, auf die­se Wei­se end­lich ei­nen Ab­schluss zu be­kom­men.

Sei­ne be­ruf­li­che Zu­kunft war für Jo­sef Schatz lan­ge un­klar. Er ab­sol­vier­te ein Be­rufs­grund­bil­dungs­jahr als Schreiner und als Zim­me­rer. Das hand­werk­li­che Ar­bei­ten lag ihm, doch oh­ne Füh­rer­schein und Au­to konn­te er die täg­li­che Stre­cke zu den Aus­bil­dungs­be­trie­ben nicht zu­rück­le­gen. Er ging zur Bun­des­wehr und be­gann da­nach ei­ne Aus­bil­dung zum Re­stau­rant­fach­mann. Es folg­ten be­ruf­li­che Ein­glie­de­rungs­maß­nah­men des Job­cen­ters. Ei­ne Trai­nings­maß­nah­me zum Al­ten­pfle­ger und dann zum In­dus­trie­me­cha­ni­ker. Hat er die Teil­qua­li­fi­zie­rung be­en­det, möch­te er Be­rufs­er­fah­rung sam­meln, even­tu­ell ei­ne Wei­ter­bil­dung ma­chen und sei­nen ei­ge­nen Be­trieb grün­den.

Wie Jo­sef Schatz ha­ben rund 2100 Per­so­nen bis März 2016 ei­ne IHK-Teil­qua­li­fi­zie­rung be­gon­nen. Das geht aus ei­ner Da­ten­er­he­bung des Deut­schen In­dus­trie­und Han­dels­kam­mer­tags (DIHK) her­vor. Am häu­figs­ten wa­ren Qua­li­fi­zie­run­gen zum Fach­la­ge­rist und Be­rufs­kraft­fah­rer ver­tre­ten, aber auch zum Ver­käu­fer oder zur Ser­vice­kraft für Schutz und Si­cher­heit. Es sei ei­ne Qua­li­fi­zie­rung für Men­schen, die es auf dem Ar­beits­markt schwer ha­ben“, er­klärt Mar­kus Kiss vom DIHK. Die ein­zel­nen Lern­bau­stei­ne sei­en an klas­si­sche Aus­bil­dun­gen an­ge­lehnt, meist aber deut­lich kür­zer. Auch Flücht­lin­gen wol­le man da­mit ei­ne Mög­lich­keit ge­ben, in den Ar­beits­markt ein­zu­stei­gen, er­klärt Mar­kus Kiss. Man wol­le die klas­si­schen Aus­bil­dun­gen nicht durch­kreu­zen. Die Teil­qua­li­fi­zie­run­gen blie­ben ei­ne Aus­nah­me, sei­en aber ein gu­ter Weg, Men­schen, die nicht so gut qua­li­fi­ziert sind, fit zu ma­chen und auf ei­nen zu­kunfts­träch­ti­gen Be­rufs­weg zu schi­cken, so Kiss.

Die Idee bei den Teil­qua­li­fi­zie­run­gen be­steht da­rin, dass Er­werbs­tä­ti­ge nicht gleich ei­ne zwei- oder drei­jäh­ri­ge Aus­bil­dung ma­chen müs­sen. Sie ab­sol­vie­ren statt­des­sen je­weils ein­zel­ne Baustei­ne. Nach je­dem Baustein er­wer­ben sie ein Zer­ti­fi­kat. Be­ste­hen Ar­beit­neh­mer al­le Baustei­ne, kön­nen sie sich zur so­ge­nann­ten Ex­ter­nen­prü­fung an­mel­den. Die Teil­qua­li­fi­zie­run­gen wer­den al­ler­dings nur für ei­ni­ge be­stimm­te Aus­bil­dun­gen an­ge­bo­ten.

Wei­te­re We­ge ins Be­rufs­le­ben kennt Ane­ta Schi­ko­ra, Pres­se­re­fe­ren­tin der Bun­des­agen­tur für Ar­beit. Jun­ge Er­wach­se­ne, die ei­ne be­ruf­li­che Aus­bil­dung nach­ho­len wol­len, könn­ten dies zum Bei­spiel auch mit dem Pro­gramm Zu­kunfts­star­ter tun. Die Aus­bil­dungs­in­itia­ti­ve der Bun­des­agen­tur für Ar­beit rich­te sich ins­be­son­de­re an Men­schen zwi­schen 25 und 35 Jah­ren. Um fi­nan­zi­el­len Pflich­ten und even­tu­ell der Be­treu­ung ei­ge­ner Kin­der ge­recht zu wer­den, ge­be es bei­spiels­wei­se die Mög­lich­keit der Teil­zeit­aus­bil­dung oder ei­ner fi­nan­zi­el­len Un­ter­stüt­zung für be­stan­de­ne Prü­fun­gen, sagt Schi­ko­ra.

Wer hin­ge­gen schon län­ger als ge­ring qua­li­fi­zier­ter Hel­fer in ei­nem Be­trieb ar­bei­tet, kann sich wo­mög­lich im Un­ter­neh­men selbst wei­ter­bil­den. Kos­ten für Lehr­gän­ge und Zu­schüs­se für Ar­beits­aus­fäl­le im Rah­men der Aus­bil­dung über­neh­me dann die Bun­des­agen­tur für Ar­beit. „Das hat für bei­de Sei­ten Vor­tei­le. Der Ar­beit­neh­mer kann sich wäh­rend der Be­schäf­ti­gung qua­li­fi­zie­ren, der Ar­beit­ge­ber be­kommt im Ide­al­fall ei­ne Fach­kraft, die schon ein­ge­ar­bei­tet ist“, sagt Schi­ko­ra.

FO­TO: DA­NI­EL KAR­MANN/DPA

Jo­sef Schatz macht ei­ne so­ge­nann­te Teil­qua­li­fi­zie­rung zum In­dus­trie­me­cha­ni­ker.

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