Seit dem Ren­ten­al­ter ver­reis­te sie gern

Wie ist das, von ei­nem ge­lieb­ten Men­schen Ab­schied neh­men zu müs­sen? Die SZ spricht mit An­ge­hö­ri­gen und Freun­den und stellt in ei­ner Se­rie Le­ben­we­ge Ver­stor­be­ner vor. Heu­te Teil 319: Hel­ga Zewe.

Saarbruecker Zeitung - - Momente - VON DIE­TER GRÄBNER Ehe­mann der ver­stor­be­nen Hel­ga Zewe

NEUN­KIR­CHEN Hel­ga Zewe, ge­bor­ne Ja­nes, wur­de am 16. April 1953 in Neun­kir­chen ge­bo­ren. Sie ist die Äl­tes­te von drei Ge­schwis­tern. 1958 wur­de Schwes­ter Chris­ta, 1961 Bru­der Mar­tin ge­bo­ren. Va­ter Wer­ner Ja­nes war Hüt­ten­ar­bei­ter auf dem Ei­sen­werk in Neun­kir­chen. Mut­ter Chris­tel be­treu­te die Kin­der. Hel­ga wuchs zu­nächst in ei­ner Groß­fa­mi­lie mit ih­ren El­tern, den Groß­el­tern und den Schwes­tern der Mut­ter auf. Oma Ber­ta be­trieb die Gast­wirt­schaft Jä­ger­hof. Die quir­li­ge klei­ne Hel­ga war bei den Gäs­ten sehr be­liebt. 1964 zog die Fa­mi­lie Ja­nes in ein neu­er­bau­tes Haus in Neun­kir­chen-Fur­pach.

1960 wur­de Hel­ga ein­ge­schult, wech­sel­te 1964 auf die Re­al­schu­le in Neun­kir­chen, die sie 1970 mit der Mitt­le­ren Rei­fe ab­schloss. Sie woll­te Er­zie­he­rin wer­den, be­such­te die Fach­schu­le für So­zi­al­päd­ago­gik in Neun­kir­chen bis 1974, ar­bei­te­te dann im Ka­tho­li­schen Kin­der­gar­ten in Neu­kir­chen. Ehe­mann Claus, Toch­ter Su­san­ne und Sohn Ju­li­an und ich sit­zen zu­sam­men, und re­den über Ehe­frau Hel­ga, die 1971 ih­ren spä­te­ren Ehe­mann Claus Zewe ken­nen lern­te: „Ich war De­ko­ra­teur und ar­bei­te­te in Saarbrücken. Ir­gend­wie hat es gleich zwi­schen uns ge­funkt, aber zu­nächst war das Grö­ßen­ver­hält­nis – ich bin 1,82 Me­ter und mei­ne Hel­ga war 1,53 Me­ter groß - ge­wöh­nungs­be­dürf­tig. Wir hat­ten das glei­che Hob­by: Thea­ter­spie­len. 1973 wa­ren wir Mit­be­grün­der des Thea­ter- und Spiel­ver­eins ,Die Ku­lis­se’ in Wie­bels­kir­chen. Un­se­re Hoch­zeit wur­de am 28. Ju­ni 1975 mit der gan­zen Fa­mi­lie und vie­len Freun­den im Fur­pa­cher Pfarr­heim ge­fei­ert. Wir hei­ra­te­ten ka­tho­lisch in der St. Jo­sef Kirche.“

Die ers­te ei­ge­ne Woh­nung hat­te das jun­ge Paar bei den El­tern von Hel­ga. 1978 wur­de Toch­ter Su­san­ne, und 1982 wur­de Sohn Ju­li­anPe­ter ge­bo­ren. Mut­ter Hel­ga hat­te schon kurz nach der Ge­burt ih­rer Kin­der ih­re Ar­beit im Kin­der­gar­ten wie­der auf­ge­nom­men. Va­ter Claus Zewe ar­bei­te­te in­zwi­schen als Mar­ke­ting­lei­ter bei ei­ner Bank in Qu­ier­schied. Die Kin­der wur­den von Oma Chris­tel be­treut, bis sie das Kin­der­gar­ten­al­ter er­reicht hat­ten und mit der Ma­ma „zur Ar­beit in den Kin­der­gar­ten“ge­hen konn­ten. „Die Ar­beit mit Kin­dern und für Kin­der war für Hel­ga wich­tig“, er­zählt Ehe­mann Claus. Und wei­ter: ,,Sie hat­te sehr viel Freu­de an ih­rer Tä­tig­keit, die sie en­ga­giert, mit viel Lie­be und ver­ant­wor­tungs­voll ge­leis­tet hat.“

1990 be­en­de­te Hel­ga Zewe ih­re Ar­beit im Kin­der­gar­ten und wech­sel­te zur „Le­bens­hil­fe“, ei­ner Or­ga­ni­sa­ti­on, die 1958 ge­grün­det wur­de und die sich vor al­lem um be­hin­der­te Kin­der küm­mert. Die „Le­bens­hil­fe“hat 100 000 Mit­glie­der, wird ge­lei­tet von 400 Orts­und Kreis­ver­ei­ni­gun­gen, ist ei­ne der größ­ten wich­tigs­ten Hilfs­or­ga­ni­sa­tio­nen. Hel­ga Zewe wur­de zu­nächst bei der „Kin­der­hil­fe“ein­ge­setzt. Nach ei­ner päd­ago­gi­schen Zu­satz­aus­bil­dung wech­sel­te

Claus Zewe, sie als päd­ago­gi­sche Fach­kraft an die Ro­ten­berg­schu­le in Dir­min­gen, ei­ne För­der­schu­le für geis­tig und kör­per­lich Be­hin­der­te. Die­se Tä­tig­keit war für Hel­ga Zewe ,,nicht nur Be­ruf, son­dern Be­ru­fung“. Ehe­mann Claus: ,,Die lie­beund re­spekt­vol­le Re­so­nanz der be­hin­der­ten Kin­der und ins­be­son­de­re auch der El­tern war auch ei­ne Be­stä­ti­gung der en­ga­gier­ten Ar­beit mei­ner Frau. Des­we­gen und auch we­gen ih­rer freund­li­chen Art wur­de sie von Vor­ge­setz­ten, Kol­le­gin­nen und Kol­le­gen sehr ge­schätzt.“

Im Jahr 1987 be­zog die Fa­mi­lie Zewe in Neun­kir­chen ein klei­nes Ei­gen­heim. Ehe­mann Claus er­zählt: ,,Das Haus war in der Sub­stanz gut, trotz­dem muss­ten ei­ni­ge Din­ge re­no­viert und neu ge­stal­tet wer­den. Die Hand­schrift mei­ner Frau ist heu­te noch über­all im Haus und der Au­ßen­an­la­ge zu er­ken­nen.“

2010 be­kam Hel­ga Zewe ge­sund­heit­li­che Be­we­gungs- und Ge­fäß­pro­ble­me. Hin­zu ka­men ei­ne Ent­zün­dung der Bauch­spei­chel­drü­se und Be­we­gungs­schmer­zen. Die Ärz­te dia­gnos­ti­zier­ten Dia­be­tes. Sie hat­te ei­ne Krank­heit, die sie, wie sie sag­te ,,wohl ganz gut im Griff hat­te“, die sie aber im­mer stär­ker be­las­te­te.

Ehe­mann Claus: ,,Trotz­dem hat sie nie ge­klagt, auch wenn man wuss­te und sah, dass sie Schmer­zen hat­te. Im Fe­bru­ar 2016 konn­te sie vor­zei­tig aus dem Be­rufs­le­ben aus­schei­den. Die­ser Ab­schied fiel ihr nicht leicht, vor al­lem we­gen der be­hin­der­ten Kin­der, zu de­nen sie ei­ne herz­li­che und en­ge Bin­dung auf­ge­baut hat­te.“

Er­leich­tert wur­de der Aus­stieg durch Un­ter­neh­mun­gen und Reisen mit Ehe­mann Claus. Mit Sohn Ju­li­an wa­ren sie zwei Mal in Ame­ri­ka, und Hel­ga war al­lei­ne mit ih­rem Sohn in Hong­kong: „Es war stres­sig, aber auch ein­drucks­voll und er­leb­nis­reich“, er­zähl­te sie ger­ne von die­ser Rei­se. Ehe­mann Claus: „Nach­dem sie das Be­rufs­le­ben hin­ter sich hat­te, blüh­te sie rich­tig auf. Sie wur­de im­mer lo­cke­rer und ge­las­se­ner. Und wenn es dar­um ging, ir­gend­et­was zu un­ter­neh­men, war sie mit Be­geis­te­rung da­bei. Auch für 2017 hat­ten wir schon ei­ni­ges ge­plant, so un­ter an­de­rem ei­ne Rei­se in die Pro­vence und ei­nen Kurzurlaub mit Freun­den in Ös­ter­reich. Ihr früher Tod hat die­se Plä­ne zer­plat­zen las­sen. Sie starb am 5. No­vem­ber 2016.“

Ih­re Freun­de und ih­re Fa­mi­lie be­schrei­ben sie als ,,auf­ge­schlos­se­nen, neu­gie­ri­gen und an­de­ren ge­gen­über im­mer freund­li­chen und of­fe­nen Men­schen“. ............................................. Auf der Sei­te „Mo­men­te“

,,Trotz­dem hat sie nie ge­klagt, auch wenn man wuss­te und sah, dass sie

Schmer­zen hat­te.“

FO­TO: ZEWE

Reisen er­leich­ter­ten der En­de 2016 ver­stor­be­nen Hel­ga Zewe aus Neun­kir­chen den durch Krank­heit er­zwun­ge­nen vor­zei­ti­gen Ru­he­stand.

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