FCS im Halb­fi­na­le der Cham­pi­ons Le­ague

Tischtennis-Bun­des­li­gist 1. FC Saar­brü­cken hat in der Cham­pi­ons Le­ague die Run­de der letz­ten Vier er­reicht. Ein Er­folg, der aber Spu­ren hin­ter­lässt.

Saarbruecker Zeitung - - ERSTE SEITE - Er­win Berg vom 1. FC Saar­brü­cken über das Halb­fi­na­le ge­gen Fa­kel Oren­burg VON TO­BI­AS FUCHS

Die Tischtennis-Spie­ler des 1. FC Saar­brü­cken ste­hen trotz ei­nes 2:3 ge­gen Char­tres ASTT im Halb­fi­na­le der Cham­pi­ons Le­ague. In der Bun­des­li­ga ver­lo­ren die Saar­brü­cker ges­tern zu Hau­se ge­gen Och­sen­hau­sen mit 0:3.

SAAR­BRÜ­CKEN Um zu er­klä­ren, was Iro­nie ist, reicht als Bei­spiel der 1. FC Saar­brü­cken. Vor ei­nem Jahr schied der Tischtennis-Bun­des­li­gist im Vier­tel­fi­na­le der Cham­pi­ons Le­ague aus, weil sich von drei Top-Spie­lern ei­ner ver­letzt hat­te. Al­so kam für die­se Sai­son ein Mann mehr. Am spä­ten Frei­tag­abend zog Saar­brü­cken nun ins Halb­fi­na­le des Eu­ro­pa­po­kals ein, trotz ei­nes 2:3 ge­gen Char­tres ASTT in der Joa­chim-Deck­ar­mHal­le. Die Iro­nie: Das ge­lang, ob­wohl zu­letzt zwei von vier Hoch­ka­rä­tern fehl­ten. Iro­nie­frei war da­ge­gen der gest­ri­ge Nach­mit­tag: Das Spit­zen­spiel der Bun­des­li­ga ver­lo­ren die Blau-Schwar­zen ge­gen die TTF Och­sen­hau­sen zu Hau­se mit 0:3. Bei Ta­ges­licht zeig­te sich deut­lich, dass Char­tres bei Patrick Baum und Bo­jan To­kic, den Saar­brü­cker Dau­er­bren­nern, Spu­ren hin­ter­las­sen hat­te.

Ge­gen die Fran­zo­sen war ih­nen ei­ne per­fek­te Nie­der­la­ge ge­glückt. Schnell führ­te Baum ge­gen Eu­ro­pa­meis­ter Robert Gar­dos mit 2:0. Auch im drit­ten Satz lag der deut­sche Na­tio­nal­spie­ler vor­ne. Doch nach ei­ner Aus­zeit dreh­te Gar­dos das Spiel (2:3).

So kam es ein­mal mehr auf To­kic an. Ge­gen den Ex-Saar­brü­cker João Mon­tei­ro sah es zwi­schen­zeit­lich nach ei­ner Nie­der­la­ge aus. Das Du­ell ent­wi­ckel­te sich zum span­nends­ten Spiel des Abends, das der Saar­brü­cker mit 3:2 für sich ent­schied. Die­ses Er­geb­nis war um­so be­deu­ten­der, da Tia­go Apo­lo­nia zwar wie­der da­bei war, oh­ne aber voll ein­satz­fä­hig zu sein. Nach ei­ner Knie­ver­let­zung hat­te der Por­tu­gie­se letz­te Wo­che bei den Eu­ro­pe Top 16 auf­hor­chen las­sen. Dies­mal be­hin­der­ten ihn Rü­cken­pro­ble­me, er un­ter­lag Pär Ge­rell mit 1:3. Ein Glück al­so, dass To­kic sei­ne Par­tie ge­won­nen hat­te. „Wenn es ganz schlecht läuft, ver­lie­ren wir 0:3“, mein­te FCSTrai­ner Slo­bo­dan Gru­jic.

Was aber folg­te, war ei­ne klei­ne Lehr­stun­de in der hö­he­ren Ma­the­ma­tik des Eu­ro­pa­po­kals: Baum durf­te sein Ein­zel ge­gen Mon­tei­ro zwar ver­lie­ren. Doch er muss­te we­nigs­tens zwei Sät­ze ge­win­nen. Denn: Hät­te Char­tres nach dem 1:3 im Vier­tel­fi­nal-Hin­spiel mit dem­sel­ben Er­geb­nis in Saar­brü­cken ge­siegt, wä­re das bes­se­re Satz­ver­hält­nis ent­schei­dend ge­we­sen. Das be­schäf­tig­te auch Baum. „Ich woll­te wis­sen, was ich ma­chen muss“, sag­te er. Als Baum um 22.34 Uhr mit 2:0 in Füh­rung ging, war das Vier­tel­fi­na­le vor­bei, oh­ne be­en­det zu sein. Nichts ging mehr für Char­tres. „Das war ein biss­chen ko­misch, so mit­ten­drin“, fand auch Baum.

Nun steht Saar­brü­cken erst­mals seit 2012 wie­der im Halb­fi­na­le der Cham­pi­ons Le­ague. Geg­ner wird Fa­kel Oren­burg sein, vor­aus­sicht­lich

„So ein Spiel krie­gen wir in den nächs­ten zehn Jah­ren

nicht mehr.“

am 10. März zu­erst zu Hau­se. Die­se Paa­rung gab es in der K.o.Run­de schon ein­mal, 2014/2015 im Vier­tel­fi­na­le. Bei­de Spie­le ver­lor der FCS mit 0:3. Auch dies­mal er­scheint ein Wei­ter­kom­men ge­gen die Welt­klas­se­spie­ler um Di­mi­trij Ovt­cha­rov un­wahr­schein­lich. Trotz­dem er­war­tet Er­win Berg ei­nen denk­wür­di­gen Abend: „So ein Spiel krie­gen wir in den nächs­ten zehn Jah­re nicht mehr.“

An­ders als Saar­brü­cken ver­pass­te Och­sen­hau­sen am Frei­tag ge­gen Bo­rus­sia Düs­sel­dorf zwar das eu­ro­päi­sche Halb­fi­na­le. Das war den Gäs­ten ges­tern aber nicht an­zu­mer­ken. Baum kam mit Yu­to Mur­amatsu sel­ten zu­recht (0:3). To­kic un­ter­lag Hu­go Cal­der­a­no mit 1:3. Schließ­lich muss­te sich To­mas Polans­ky, sonst in der zwei­ten Mann­schaft, ge­gen Ja­kub Dy­jas in drei Sät­zen ge­schla­gen ge­ben. „Wie Trap­pa­to­ni ge­sagt hat: Heu­te Fla­sche leer“, gab To­kic of­fen zu. Er sag­te aber auch: „Zwei Zie­le ha­ben wir schon ge­schafft.“

Da­mit mein­te To­kic das Er­rei­chen des Po­kal­fi­nals und der Run­de der letz­ten Vier in Eu­ro­pa. Das drit­te Ziel: die Play­offs um die deut­sche Meis­ter­schaft. Durch die Nie­der­la­ge ist Saar­brü­cken auf den vier­ten Platz ab­ge­rutscht, steht nur zwei Punk­te vor dem Fünf­ten. Und im nächs­ten Spiel geht es zum Ta­bel­len­füh­rer nach Düs­sel­dorf. Wirk­lich, oh­ne Iro­nie.

FOTO: RUPPENTHAL

Trai­ner Slo­bo­dan Gru­jic (links) und Sport­chef Er­win Berg (Mit­te) freu­en sich mit dem Slo­we­nen Bo­jan To­kic über den Ein­zug ins Halb­fi­na­le der Cham­pi­ons Le­ague. Dort trifft der FCS auf Fa­kel Oren­burg.

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